Vakzination

Es tut weh, ich streite das gar nicht ab. Am Anfang tut es immer weh, die Welt schwillt an, das Blut staut sich in den Kurven und die Schienen sind nicht eben gebaut. Zu Beginn sieht man mit Absicht nicht hin, weil man denkt, das habe man schon hundertmal gemacht, das sei ja ein Klacks oder ein Fliegenschiss oder einfach nicht der Rede wert. Und dann tut es kurz weh, man bemerkt es vielleicht kaum, drückt noch einmal ordentlich mit dem Finger drauf rum, Pflaster drauf, gut is, weiter im Text. Und dann wacht man in der Nacht auf und weiß nicht, warum. Sieht sich vielleicht im Dunkeln um, um einen Grund, ein kurzes Flackern oder einen Ton zu finden, irgendwas. Aber da ist nichts und es tut trotzdem weh und du bleibst brav auf deiner Seite liegen, weil du es nur so kennst, weil es sich dort bisher gut geschlafen hat, weil du dich einfach nicht umdrehen kannst. Nicht mehr. Du beißt die Zähne auf die Innenseiten der Lippen, bis es blutet, und schluckst. Und während es in dir arbeitet und zetert, schläfst du ein, träumst wirr und bewunderst am nächsten Morgen die weiten Schatten unter den Augen.

Man vermeidet dann eine Weile die übliche Gangart, schaltet zurück, winkt mit dem anderen Arm, geht allein nach Hause. Und merkt erst, dass es weg ist, wenn man wieder ohne nachzudenken den Schlüssel mit der linken Hand aus der Tasche holt. Und es muss einmal weh tun, so richtig, meine ich, damit der Körper weiß, was auf ihn zukommen könnte. Damit er sich wappnet, mal ordentlich die Schotten dicht macht, die sensiblen Geräte in Bereitschaft versetzt, aufpasst, zuhört, mitmacht. Reagiert, wenn sich ein neuer Sturm anbahnt und standhält. Dann. Du musst es einmal im Höllentempo durch´s Blut jagen, damit auch jede Faser den Täter identifizieren kann, es muss dir einmal von innen gegen die Bauchdecke treten, in die Lunge beißen, an der Pulmonalklappe zerren, bis sie fast reißt. Damit sich Antikörper und Granulationsgewebe entwickeln können, kollagenreiches Bindegewebe nachgeschoben, spezifische Immunität erreicht. Es muss halt meistens einmal richtig scheiße weh tun.

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. April 2008 um genau 11:35 Uhr.
Kategorie : Blicke

6 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. zak  |  8. April 2008 um 13:09

    Allerhand, das Möbiusband!

    Oder: Wenn man “zak” und “Befindlichkeiten” googelt, dann taucht direkt auf der ersten Seite auch ein Link nach hier herhinnen auf, und zwar dieser:

    http://mevme.com/lizblog/category/kultur/filme/

    Dort wiederum befasst sich das zweite Posting, naturgemäß, womit sonst, mit einem tschechischen Märchenfilm.

    Das weiß ich, das mit dem Google, nicht das mit dem tschechischen Märchenfilm, weil es mir die Referrer flüsterten, vorhin. und ich immer gerne Spuren nachgehe, welcher Art auch immer.

    Damit das Band aber nun auch wirklich seinen Namen verdient, müssen Sie jetzt nur noch sagen, dass Sie das waren, mit der Googelei, heute, gegen Mittag.

  • 2. Liz  |  8. April 2008 um 13:19

    @zak. Wat?

  • 3. zak  |  8. April 2008 um 13:36

    Hm. Zusatzinformation: Wir aßen gestern Abend gemeinsam Chili, aus einem großen großen Topf.

  • 4. Liz  |  8. April 2008 um 13:45

    @zak. Mensch, sach doch ´nen Ton. Kann ja keiner wissen. Sind doch alle im Internetz plötzlich.

  • 5. zak  |  8. April 2008 um 13:51

    Nun, ich bin eben ein großer Freund des Kryptischen.

    Es handelte sich hier sozusagen um ein Rätsel.

    Ja ja, plötzlich sind sie alle im Internet.

  • 6. Liz  |  8. April 2008 um 15:42

    Ich fand Rätsel ja schon immer blöd.

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