Und am Abend Tatort

DC hat den Winter inne. Die Füße frieren schnell, wir haben rote Nasen. Und dünne Eisplatten liegen auf dem Reflection Pool. Blau wird zu Schnee wird zu Regen. Die Lichter bleiben dieselben. Und die Kamera ist nicht fähig, das warme orangefarbene Licht im Starbucks einzufangen. Ich lerne diesen Laden schätzen hier. Dudelnde Weihnachtsmusik und immer warm und gemütlich, Kaffee-Sahne-Gewürz-Geruch in der Luft und die Leute igeln sich ein, das Café ist ihr Iglu. Hier wird gearbeitet, gelernt, telefoniert und trotzdem ist es nie so laut wie z.B. im Thai Chef, wo ich heute zum ersten Mal Sushi probiert habe. Starbucks meint hier warmes Licht zwischen den roten Bechern, keine Neonleuchten und nicht soviel Platz wie bei denen in Deutschland. Die Sofas verlieren sich z.B. in der Filiale am Hackeschen Markt, die Fenster sind riesig und oben hat es ein bisschen was von McDonalds. Hier sind sie kleine Inseln. Man schaut uns an. Immer noch. Warum auch immer, aber ständig.

Und wir schauen auf die Stadt vom Postturm aus, am Washington Monument hinauf, von den Treppen vor dem Lincoln Memorial hinunter, während die Hubschrauber des Präsidenten über uns hinwegdonnern. Wir beide mit den großen Papiertüten von Whole Foods auf dem Weg nach Hause zwischen den Leuten, die von der Arbeit kommen. Das Flattern der Lichter in den Straßen, überall schon irgendwie Weihnachten oder eben Happy Holiday, Schnee. Das vergesse ich nicht.

Die Schritte durch´s Holocaust Museum sind langsame. Man hat das ja alles irgendwie schon gelesen, irgendwie schon gesehen auf Tafeln, in Filmen, Gedenkstätten und vielleicht vor Ort. Und trotzdem drücken mir die schwarzen Stelen die Luft ab, finde ich kaum Worte drinnen und auch danach gewöhnen wir uns erst wieder langsam an die Geschwindigkeit der Stadt. Und so mancher Amerikaner läuft laut telefonierend in dicken Turnschuhen an Bildern der Gaskammern vorbei. Ein Museum unter vielen für ihn vielleicht. Für mich anfangs auch. Erstaunlich aber doch, wie kritisch dann doch mit dem Thema und der Stellung der USA dabei umgegangen wurde. Eben anders als erwartet.

Im Tabletop könnte ich all mein Geld lassen, kleine wunderschöne Dinge zu nicht ganz so kleinen Preisen. Beim Verlassen des Ladens hat jeder eine kleine Papiertüte in der Hand, man gönnt sich ja sonst nichts. Und Weihnachten ist die Ausrede.

Berliner Studenten demonstrieren und streiken und Jan spricht meine Gedanken aus, als er schreibt, dass es ins Leere geht, wenn man jetzt über Dinge jammert, die man schon vor zwei Semestern hätte stoppen müssen.

Die Tage hier sind schöne. Und den Gedanken an Zeitmanagement, Arbeit und Uni lasse ich im Regen stehen. Noch.

Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Dezember 2005 um genau 3:08 Uhr.
Kategorie : Blicke

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