Tzänk ju for träwelling

Ich würde gern schreiben: “In ihren Koffern stapelt sich der Verlust.” Aber das tut er nicht, oder ich kann ihn nicht sehen. Jedenfalls wäre es wahrscheinlich nicht wahr. Eher balancieren sie ihren Verlust auf dem Nagelbett. Die verlorenen Vitamine, den Mangel an Zeit und vielleicht auch der fehlende Bezug zu sich selbst. Aufgerissen und spröde

In ihren Koffern und Taschen hingegen stapeln sich Sachen und Dinge, die es wert sind mitgenommen zu werden. Heiligtümer in unterster Schublade. Und dazu noch solche, die mit müssen, ob man will oder nicht: die Powerpoint-Folien mit den Fotos von Babies, in denen Schläuchen stecken, auf denen es um Schmerztherapie bei Kleinkindern geht, und schräg gegenüber der Laptop mit den Korrekturbögen für die Klausur der Zehntklässler, daneben nur ein Aktenordner, etwas zu trinken, zu essen, ein Kreuzworträtsel oder das abgefahrenste, bunteste Sudokuheft, das es am Kiosk gab. Bedürfnisbefriedigung und Soll-Muss-Kann-Leistungen. Mittendrin immer ein Kompass der Neuzeit, stets am Körper, um nicht verloren zu gehen. Der Kompass und sie selbst. Laptop und Handy. Vielleicht oben drauf noch eine Zeitung für die Verortung und Kategorisierung der anderen.

Schnupfen haben heute fast alle. Der Mann schräg gegenüber macht sich sein zweites Bier auf und legt behutsam ein Taschentuch über die Öffnung, damit nichts spritzt. Alle fügen sich ohne Murren in meine innere Typologie der Handy-Klingeltöne. Zeig mir, wie du klingelst, und ich sag dir, wer du bist. Wir haben Polka und Trance, ein gickerndes Lachen und Geige, einmal Spongebob. Pepsi- und Kaffeebecher werden durch die Gänge getragen, hin und wieder ein Kind. Man könnte auch schreiben: Sie haben Sehnsucht dabei. Vielleicht. Aber die Zahlenschlösser an den Koffern funktionieren noch tadellos nach all den Jahren. Obwohl die Farbe der Zahlen langsam und leise abbröckelt mit jeder Reise ein bisschen mehr. Verblasst. So lange geht das jetzt schon so. So lang.