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Früher sind wir manchmal zum Flughafen gefahren, Mama und ich. An den Sonntagen, die nicht sonnig genug waren für den See, und nicht wolkig genug für das Brettspiel. Wir haben uns in Bus und Bahn zu den Leuten mit den großen Taschen gesetzt, sind ihnen leise gefolgt und dann aber eins weiter abgebogen. Nicht zu den Gates und Terminals, nicht in den Duty Free Shop oder den Zeitungsladen, sondern auf´s Dach, auf die Aussichtsplattform. Dort standen wir dann, legten uns die Hände an die Stirn, weil dann meistens doch ein bisschen die Sonne schien – aber eben nicht genug für den See – und schickten Wünsche mit den Flugzeugen weg. Wir klebten leise, kleine Worte auf diese dicken Bäuche und schauten ihnen hinterher, bis sie nur noch kleine schwarze Punkte waren oder zwischen den Wolken verschwunden. Wir beobachteten die langen Umarmungen bei den Ankünften und die Tränen bei den Abflügen, wir zeichneten die Fahrwege der Gepäcktransporter mit dem Finger nach und erfanden neue Linien, wir winkten den Fluglotsen und hielten uns nie die Ohren zu, wenn ein Flugzeug direkt über uns hinweg sauste, weil das laute Rauschen und Krachen uns die Möglichkeit der Ferne ein bisschen näher brachte.

Ich streckte jedes Mal meine Hand aus und sie sagte nie, ich solle das lassen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Mai 2007 um genau 7:52 Uhr.
Kategorie : Berlin

2 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Richard K. Breuer [Rik]  |  21. Mai 2007 um 10:01

    Die Rechenaufgabe vergessen zu machen, deshalb von vorne.

    Früher war ein Flugplatz etwas Besonderes. Vermutlich war es das konzentrierteste Fernweh, das man sich vorstellen konnte. Heute ist das Fliegen längst zur Routine geworden. Ja, es wird auf Teufel komm raus gelandet und gestartet. Billig-Tarife sei “Dank”.

    Heute werde ich auch zum Flugplatz fahren, in den Flieger gen Paris steigen. Aufregend ist es ja noch immer. Aber das Besondere, das Magische hat es längst verloren.

    Falls ich ein kleines Mädchen ausmachen sollte, das die Hand nach den Fliegern ausstreckt, dann werde ich an dich denken.

    Au revoir, Liz.

  • 2. Liz  |  21. Mai 2007 um 10:48

    @Richard. Was machst du in Paris?

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