Trübe Aussichten

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Ja, ich möchte Kinderwagen von solchen Menschen entfernen. Einfach am Griff anfassen und das Kind wegrollen von dort, wo man ihm die über drei U-Bahn-Stationen die Hände festhält und es sich nicht selbst im Gesicht anfassen lässt. Von dort, wo man ihm eine Ohrfeige gibt, weil es müde ist und jammert. Von dort, wo die Eltern vormittags um elf genüsslich mit zwei Flaschen Bier in der U-Bahn neben ihrem Kind sitzen, welchem sie einen Iro geschoren und es “Mel” getauft haben. Ja, ich zetere und wüte innerlich, wenn ich sehe, wie der Vater mit seinem Kind umgeht, wie er nicht erklärt, sondern es anbrüllt. Und wie die Mutter grinsend zuschaut. Ja, ich habe nicht genug Mut, um mehr zu tun als beim Vorbeigehen gut hörbar zu zischen, dass es das Allerletzte sei, Kinder zu schlagen.

Wenn alle so feige sind wie ich, sind wir bald am Arsch, glaube ich.

Liz hat es verfasst, und zwar am 11. Mai 2007 um genau 11:27 Uhr.
Kategorie : Berlin

7 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Martin  |  11. Mai 2007 um 11:45

    Und es bringt ja leider auch nichts, denn an deren Verhaltensweisen wirst Du ebenso wenig ändern können wie das Jugendamt und selbst wenn sie das Sorgerecht entziehen würden, ist fraglich wie es den Kindern wo besser gehen würde.

    Und schwierig, dass die ersten die prägendsten Jahre sind und selbst später der beste Jugendarbeiter und Socialworker die frühe Sozialisation nicht wieder rückgängig machen kann.

    Stellt sich also die Frage nach Liberalität und Eigenverantwortung der Familie gegen Reglementierung und Einflussnahme des Staats- und Bildungsapparates bereits im Kleinstkindesalters. Ich plädiere grundsätzlich stets für die liberale Position, aber hier werde selbst ich wankemütig …

  • 2. Liz  |  11. Mai 2007 um 12:18

    @Martin. Ich weiß, dass ich nicht ihr komplettes Verhalten geändert hätte, wenn ich mich anders verhalten hätte bzw. laut und offensiv gewesen wäre. Ja, mein Kommentar war hörbar. Aber aktives Einschreiten hätte vielleicht auch die Aufmerksamkeit anderer Leute darauf gelenkt, dass da grad ein Vater seinem Kind (zwischen 2 und 3 Jahren) eine wischt. Sensibilisierung oder so.

  • 3. helli  |  11. Mai 2007 um 15:31

    ja, natürlich.

    -mit aktivem einschreiten (evtl. hätten sich ja tatsächlich noch die eine oder der andere auf deine seite gestellt),
    hätte man die Eltern dieses Kindes vielleicht schon ordentlich in die mangel nehmen, zurechtweisen und demütigen können…

    …der kleine racker hätte sich daheim (wo niemand hinschaut und jeder weghört) sicherlich darüber gefreut…

    vielleicht sollte man sich einmal die frage stellen,
    WIESO geht man überhaupt mit einem kleinkind so um,
    wieso steht jemand offensichtlich derart unter druck,
    dass er sein eigenes kind als blitzableiter missbraucht.

    …die familie kommt sicherlich aus irgendeiner noblen gegend,
    lebt von der arbeit anderer, ist völlig frei von geldsorgen und blickt in eine rosige zukunft…

    wer weiss, wer weiss…
    …vielleicht hilft dem kleinen racker seine hergeprügelte antisoziale persöhnlichkeitsstörung ja weiter?
    vielleicht schafft er’s ja bis zum skrupellosen manager? (gibt immer mal positionen, wo man solche braucht…)
    (dann kann der asp-ler der 2. generation seinen frust an den untergebenen mitarbeitern auslassen,
    und ist nicht auch selbst genötigt, die eigene brut zu prügeln…)

    -c u in hell!

  • 4. Richard K. Breuer [Rik]  |  11. Mai 2007 um 16:28

    Es ist halt ein Dilemma, mit uns sensiblen und harmoniebedürftigen Wesen. Wir bemerken es als erste, spüren, dass da etwas nicht stimmt, aber können nichts dagegen tun (weil sonst die Harmonie gestört werden würde) und gehen weiter. Später schreiben wir dann darüber. In der Hoffnung, damit etwas zu verändern. Ja, so sieht es mit uns aus. Irgendwie.

  • 5. nathan  |  12. Mai 2007 um 4:34

    du musst mutter werden.selber.dringend.

  • 6. peter  |  12. Mai 2007 um 11:11

    eine wirklich ätzende situation. gebe dir aber recht: da muss man flagge zeigen und stellung beziehen! schlimm nur, dass auch ein solches eingreifen böse folgen haben kann. später kriegt dann nämlich das kind vielleicht noch einen drauf: es war ja schuld, dass andere leute eingreifen mussten…hättest du nicht so nen theater gemacht, hätte ich dich auch nicht schlagen müssen…

  • 7. Liz  |  12. Mai 2007 um 19:06

    @nathan. irgendwann, ja.

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