The clickclickclack

Ich stand an der Ampel, hinter mir fuhr die Straßenbahn den Berg hinauf und es tropfte mir unaufhörlich von der Kapuze. Es plonkte auf die Windschutzscheiben und das Geräusch der durch Pfützen fahrenden Autos übertönte alles, was es sonst noch so gibt, wenn man an einer großen Straße steht und auf Grün wartet. Ich ging bei Rot, die Autos waren schon alle vorbei, lediglich ein älterer Mann mit Bauarbeitermütze in Wollrot fuhr noch an mir vorüber. Wenn ich an dieser Straße stehe und die Bahn hinter mir den Berg hochfährt, kann ich mein Haus schon sehen, wenn nicht wie jetzt gerade, das Nebenhaus saniert wird und mit seiner monströsen Baustellenplane die Sicht auf mein Haus verdeckt. Mir lief das Wasser in Strömen die Wangen herab und ich suchte mein Haus und fand nur die Plane und dann kniff der schon grau werdende Mann auf dem Fahrrad sein linkes Auge zusammen und murmelte etwas und ich wusste nicht recht, ob es ihm nur hineingeregnet hatte oder ob er mich meinte. Ich sah mich nicht um, zog die Kapuze noch weiter in die Stirn, strich mir die klebrigen Strähnen aus dem Augenwinkel, versuchte schon gar nicht mehr, den Pfützen auszuweichen und kam zu dem Gedanken, dem Mann habe es wirklich nur ins Auge geregnet.
Unter dem Gerüst am Nachbarhaus war alles lauter. Die Tür zum Hausflur stand offen und innen hallten und schallten tausend auf Plastik und Metall aufschlagende Regentropfen. Vor der Tür saßen zwei Bauarbeiter, rauchend und auch mit solchen Mützen. Der mit der blauen kniff sein rechtes Auge zusammen. Hier tropfte einem aber nichts ins Gesicht, hier saßen sie nur und schauten die eingepackten Menschen an, die vorbeiliefen und wahrscheinlich gehört das eben dazu, jede Jacke anzublinzeln, die halbwegs nach Frau aussieht. Und dann zu warten, bis der Tag vorbeigeht, denn wenn es regnet, klopft es sich nicht so gut Putz von der Wand. Sie saßen da und sahen zu, wie die Straßenbahn den Berg hinauf und hinunter fuhr und zwinkerten und kippelten die Bierflaschen zwischen ihren Füßen hin und her. Die Plane könnte also genauso gut verschwinden und ich wieder mein Haus sehen, wenn ich an der Ampel stehe.
Liz hat es verfasst, und zwar am 22. März 2007 um genau 12:36 Uhr.
Kategorie : Berlin, Blicke
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