Testosteron an der Abendkasse
Reservieren Sie sich einen Platz in den hinteren Reihen des Saales. Stellen Sie sich auf pubertierende Junggangster ein, auf Popcorngeschosse, Colabecherstapel und Pfiffe bei nackter Haut. Lehnen sie sich zurück, suchen sie nicht den Gurt und lassen Sie sich berieseln. Fahren Sie die Schreckschreilautstärke auf ein Minimum herunter, sie ernten sonst böse Blicke von nebenan. Überhören sie die Grunzgeräusche bei Auftauchen von Gong Li und lassen Sie die Erwartungen, was halbwegs clevere Dialoge angeht, zuhause. Dann werden Sie sich von Miami Vice gut unterhalten fühlen.
Der Film zur Serie, die 1986 zum ersten Mal auf der ARD lief, erzählt die Geschichte der Cops Sonny und Ricardo. Die beiden sollen undercover Drogenschmuggler entlarven. Es wird geküsst, sich durch die gegelten Haare und mit schnellen Autos gefahren, geballert und gezeigt, dass Hollywood immer noch Hollywood ist. Ein bisschen Wehmut, ein bisschen Stolz, drei Prisen Sex und fünf Schuss Knalleffekt. Bumms, fertig ist der Film.
“Ich sterbe für einen guten Mojito” - “Ich kenne da eine Bar in Havanna”. Dieser Dialog gehört zu den köstlichsten des Filmes. Die Nazikeule wurde auch ausgepackt, es gruselt einen nicht nur einmal. Es ist egal, ob man die Serie kennt oder einfach noch zu jung war, um Fan zu sein. Die Geschichte ist schnell erzählt und das Ende hat man auch offen gelassen, um einen zweiten Teil nachschießen zu können. Die guten Kameraperspektiven überraschen, man gewöhnt sich auch an den Schnauzer von Colin Farrell. Alles in allem ist dieser Film ein dickes Bang Boom Bang mit Zuckerguss. Die Freigabe ab 16 scheint dem Saalinhalt nach niemanden zu interessieren. Und die kleinen Jungs neben mir schienen dazu noch wesentlich abgebrühter als ich. Subtilen Witz gab es kaum, also auch keine hochgezogenen Augenbrauen. Schmalz und Machismo in recht ästhetisches Licht gerückt.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. August 2006 um genau 16:17 Uhr.
Kategorie : Filme
2 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. Burnster | 28. August 2006 um 18:22
In den Achtzigern hab ich Sonny Crockett gespielt. Ich war gut, aber letztlich ist der Pilot mit Don Johnson genommen worden. Dafür schuldet er mir heute noch ein, zwei Mojitos und ich trage immer noch keine Socken in meinen Designerschuhen. War ja schließlich auch meine Idee. Was ist schon Miami gegen den Chic des niederbayrischern Grafentraubach?. “Life In The Fast Lane”: Fahrradklingeln klaun, Poster aus dem Metal Hammer mopsen und mit 50 den Feldweg lang. Dann sexy Girls und coole Jungs im Mallersdorfer Freibad. Niederbiami Vice.
2. Burnster | 29. August 2006 um 12:23
Hab den Film gestern auch gesehen. Colin Farrell ist fett und nur halb so cool wie Don Johnson. Jamie Foxx hat den dämlichsten Bart seit Ice-T und trotzdem ist der Film super. Aufgrund der unglaublichen Bilder und Kameraführung und aufgrund meiner Eigenschaft als großer Fan des Originals.
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