Stage fright.

Wir bauen Luftschlösser. Wir basteln uns Orte, die wir nie erreichen werden. Da passiert dann immer viel, da ist eine Menge los, da ist es einfach. Wir können das sehen, uns erreicht das Echo jeder Bewegung dort wie eine kleine Gänsehaut. Aber die ernsthafte Berührung, das wäre eine andere Geschichte, davon spricht man nicht. Denn vielleicht hat sie kein Happy End. Wir schreiben ein Stück, wir feilen an jedem Dialog, radieren, schieben herum, streichen durch und schreiben an den Rand. Unzählige Versionen drucken wir aus. Und am Ende legen wir die mit den wenigsten Korrekturen in die Schublade und schließen ab und hängen den Schlüssel ans Schlüsselbretten neben den für den Keller.

Vielleicht findet jemand das Stück irgendwann neben der Mülltonne, wenn wir umziehen, irgendwoandershin. Wenn wir nicht mehr daran denken, weil die Zeit sich so beeilt. Weil wir keine Bühne gefunden haben, zuviel Lampenfieber hatten oder das Interesse verloren. Vielleicht gefällt es dem Finder. Vielleicht wird er neben den Mülltonnen ein zwei Zeilen rezitieren, eine Handbewegung machen, die dazu passt, das Gesicht verziehen oder kurz lächeln. VIelleicht wird er den Stapel Papier mitnehmen und ihn abends im Bett seiner Frau vorlesen. Vielleicht werden sie ihn in die Schublade ihres Nachtschränkchens legen und sich darüber freuen, jeden Abend ganz kurz. Vielleicht werden sie merken, dass ein zwei Seiten aus der Mitte fehlen. Vielleicht werden sie es nicht schlimm finden, weil sie nicht wissen, dass das die besten Stellen, die einprägsamsten Dialoge sind. Vielleicht weißt du, wer die ein zwei Seiten hat.

Das hat auch nichts mit einem Happy End zu tun, das Happy End hat keine tragende Rolle.