So wird er nicht heißen.

Ich mache Pause, setze mich mit diesem neuen Familienmagazin nach draußen auf die Bank vor’s Büroladenfenster, das Magazin lag hier herum, denn die Jungs machen ja was mit ökologischer Kindermode, ich formuliere ihnen das aus und ein Bürobaby gibt es auch, da muss man sich ja mal informieren. Als kinderlose Single-Frau sorge ich vor und gucke mal rein. Nach ungefähr zwei Minuten im Abenddämmerungsschatten unserer Straßenseite kommt eine Horde Neuköllner Breitschulterjungs mit breitbeinigem Gang die Straße herunter. Einer löst sich aus der Gruppe, der mit dem rosa Polohemd. Sein hochgestellter Kragen stößt ihm manchmal gegen den Kiefer, wenn der den Kopf dreht. Er setzt sich neben mich und grinst mich breit an. Ich grinse zurück, er bleibt sitzen und guckt ins Fenster, wo die Jungs sitzen und arbeiten. Ich frage: “Willst du nicht weitergehen? Die hängen dich sonst ab…” - “Wieso so unhöflich?“, entgegnet er und kratzt sich an seinem frisch in Form (schmale Linien an der Gesichtskante entlang) getrimmten Bart, “Ich wollte doch nur fragen, was sie da lesen“. “Es geht um Adoption“, antworte ich und zeige ihm die Seite mit der Titelzeile. Er wirft einen kurzen Blick darauf, schaut mich aber sofort wieder an und behält die Hand am Kinn: “Ach, wollen sie ein Kind adoptieren?“. Ich denke nicht nach und sage einfach: “Vielleicht.” - “Aber ein eigenes ist doch viel besser“, meint er und guckt mir immer noch direkt in die Augen. “Kommt auf’s Konzept an“, erwidere ich und gucke zurück. Er lenkt ein, schlägt sich auf die Knie, senkt den Kopf und sagt: “Ich rate ihnen, machen sie drei eigene und adoptieren sie eins“, dann steht er auf. Als er schon ein paar Schritte weiter ist, dreht er sich noch einmal halb um und schaut zurück: “Oder machen sie zwei und adoptieren sie zwei, das ist okay.” Ich muss lachen ob dieses Ratschlags. Zwei Schritte weiter dreht er sich noch einmal um und ruft lächelnd: “Aber nenen Sie einen auf jeden Fall Lucky. Das passt!” Dann winkt er und rennt den anderen hinterher.