Samba De Mon Coeur

Wie du mich küsst mitten in der Nacht auf dem Mittelstreifen mit deinen kalten Händen am Rand des Pullovers. Und wie sie schauen aus der hellen Bahn heraus mit den umrandeten Augen und hochgezogenen Kragen. Wie sich die Bäume über uns langsam lichten und wie ich dann deine Nase in meinem Nacken finde. Wie sich die Lieder noch einmal nach uns umdrehen, weil wir sie grüßen.

Kaum einer weiß, wie es heißt, was da in der Nacht an der Kreuzung mit den beiden passiert, während die Autofahrer noch einmal tanken und selbst erschrecken, wenn sie die Türen mit letzter Kraft zuschlagen. Und nebenan stehen sie und necken sich, lachen laut und flüstern und sehen sich so an, dass man von fern das Weiß in ihren Augen erkennen kann, und sind sich nah wie nach einer Geburt. Als hätten sie die Chance auf einen neuen Namen.

Und ich kann mich nur anlehnen bei dir, bekomme Schluckauf von dir, ich kann nur hier ganz allein meine Haustür finden, mein Namensschild mit deinem Füllfederhalter gemalt, du weißt doch ganz genau, was ich morgens am liebsten hab, und fängst die fallenden Blätter der Blumen auf meinem Balkon im Gehen ein und steckst sie dir in die Brusttasche. Ich brauche mich nicht fragen, was mit mir passiert, falls du dich auflöst oder dich mir entfremdest, ich brauche keinen Gedanken daran zu verschwenden, denn du hast keine Geschwister, keine Onkel und Tanten, du hast nur dich selbst und ich hab nur dich und sonst nichts, Berlin.

Liz hat es verfasst, und zwar am 13. Oktober 2007 um genau 21:37 Uhr.
Kategorie : Berlin

7 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Annegretchen  |  15. Oktober 2007 um 19:37

    “[…]du hast nur dich selbst und ich hab nur dich und sonst nichts, Berlin.”

    Hallo Liz,

    ich hoffe, obriger Text war eher symbolisch / fiktiv gemeint. Ich gehe einfach mal davon aus!

    Schönen Abend, Annegretchen

    PS: Mich würde mal interessieren was du so machst?
    Studieren? Arbeiten? 9 to 5 und mehr hab ich gelesen…

  • 2. N.  |  16. Oktober 2007 um 12:00

    Liebe Liza,
    Das ist wundervoll. Besonders der letzte Absatz hat es mir angetan…

  • 3. Liz  |  16. Oktober 2007 um 18:45

    @a. Du darfst ruhig davon ausgehen. Aber nur beim letzten Satz. Ich studiere übrigens UND ich arbeite.

    @N. Lieben Dank. Und freut mich.

  • 4. Annegretchen  |  16. Oktober 2007 um 20:24

    Schön, dass es nur der letzte Satz ist, von dem ich ausgehen kann!
    Studieren UND Arbeiten ist das Beste! Habe ich auch hinter mir und sehr genossen. War eine schöne Zeit!

    Ich möchte jetzt nicht auch noch fragen was du studierst! ;-)

    Schönen Abend,
    Annegretchen

  • 5. Liz  |  16. Oktober 2007 um 20:30

    @a. Sehr genossen? Ich kann mir wesentlich schöneres und unstressigeres vorstellen, ehrlich gesagt. Studiere Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie Europäische Ethnologie.

  • 6. Annegretchen  |  16. Oktober 2007 um 21:18

    Ich habe Medien Betriebswirtschaftslehre und Informations- und Kommunikationswissenschaften studiert.
    Ja, es war stressig! Aber die Arbeit war immer ein sehr guter Ausgleich zum Studium und hat viel Spass gemacht!

  • 7. Gänsehautakademie : BERL&hellip  |  22. Oktober 2007 um 0:28

    […] Kurt Tucholsky gibt es in der Kunst nur ein Kriterium, und die nennt sich Gänsehaut. Entweder man hat es, oder man hat es […]

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