Robinsonaden

Der Entschluss, die Koffer zu packen, ist meistens einer von der schnellen Sorte. Man lässt sich schnell von der eigenen blassen Haut locken, vom eben mal wieder frech aufjuchzenden Sinn für Abenteuer, es geht ruckzuck, die Brücken einzutreten, die Schere aus der Schublade zu nehmen und hinter sich alles abzuschneiden. Das passiert hin und wieder auch mal im Affekt, in einer lauten Laune oder stiller Aggression, das fungiert als Warnung, Demonstration und Beweis der eigenen Beweglichkeit. Sieh, was ich mir erhalten habe, ich lasse mich nicht lähmen und schon gar nicht von dir. Das Realitätsprinzip nehme ich jetzt mal in die Hand.

Und im Aufbruch fühlt es sich gut an, man blickt sich nicht um, lenkt die Triebe dann doch wieder ins Innere und überspringt die eigene Grenzhaftigkeit für einen Moment. Ich packe meine Koffer und nehme mich mit. Und in diesem notwendigen Rückzugsgefecht hält man nicht inne, denn allein das wäre schon Projektions- und Angriffsfläche. Eine weiße weiße Wand und ich gebe dir die Stifte in die Hand. Im Aufbruch reißt man alle Wände ein, lässt nichts mehr stehen und keinen Platz für Dinge, nur Unebenheiten. Man fährt dann mit der Hand darüber und es soll rauh sein, splittern, sich zersetzen. Bleibe bloß nichts, wie es war, denn ich gehe jetzt. Wir verdrängen die Ängste und das Unbehagen stammt allein vom Schuldgefühl. Wir schultern alles und ziehen den Nippel durch die Lasche, zurren fest bis zu den roten Striemen. Wir fassen nicht nach.

Das Schwere ist eigentlich, auch weg zu bleiben. Nicht mehr zurückzugehen. Sich einzurichten in einer anderen Umgebung und daraus ein Zuhause zu machen, ein neues. Was anderes anzufangen, voran auch, die richtigen Dinge zu behalten. Es schaffen, sich zu lösen. Und sich anzufreunden damit. Denn eigentlich schwimmen die meisten zurück, ans Ufer, in die Stadt, in das Land, in den Alltag und die Arme. Die Kunst ist, nicht neurotisch zu werden dabei. Und die Langfristigkeit des abgewendeten Blickes ist am Ende das, was am schwersten ist und was man am meisten spürt. Weil die Luft schneller windet, wenn nichts im Weg steht und das sausende Geräusch der Leere schon recht laut brüllt, wenn man wirklich weg ist. Tinituswise.

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Mai 2008 um genau 11:03 Uhr.
Kategorie : Blicke

9 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Ichbinerkaeltet  |  7. Mai 2008 um 5:27

    Ist menschlich.

  • 2. strumpel  |  7. Mai 2008 um 9:12

    Tinituswise ?

  • 3. strumpel  |  7. Mai 2008 um 9:13

    noch auf winterzeit ?

  • 4. Liz  |  7. Mai 2008 um 9:42

    @strumpel: tinitus-esk. und: ja.

  • 5. strumpel  |  8. Mai 2008 um 21:18

    ahso. engleutsch.
    mal gespannt, ob die zeit immer noch auf winter … ;0)

  • 6. anja  |  19. Mai 2008 um 21:58

    Aber du bist doch noch hier, oder? Superlizzie?!

  • 7. Liz  |  19. Mai 2008 um 22:04

    @anja. Ja, Schatz. Immer noch.

  • 8. Careaux  |  20. Mai 2008 um 18:21

    Ziehste um, Liebes?

  • 9. Liz  |  20. Mai 2008 um 18:22

    @c. Nö. Auch das nicht :)

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