Risse

Wir merken es, wenn wir in der Bahn sitzen und die Sonne sich redlich bemüht, durch die angrenzenden Bäume zu flackern, schnell, bevor wir wieder weg sind. Die nächste Gelegenheit gäbe es erst wieder in zehn Minuten. Dann merken wir es, wenn die Lichtstreifen uns blenden, unserem Gesicht partiell eine neue Farbe geben und das ungute Gefühl ganz unten im Bauch es trotzdem schafft sich bemerkbar zu machen. Die Sonne wärmt nicht mehr. Und es ist nicht der Kaffee, von dem du heute schon zwei hattest. Es ist nicht der Montag oder das Lied von Ingrid Michaelson, denn eigentlich ist es immer da. Aber eigentlich haben wir uns auch mehrere Abende hingesetzt, es sorgsam wieder zusammengepuzzelt, jedes kleine Teilchen aus den Ritzen gepult, um nichts zu vergessen, um keine Lücken entstehen zu lassen, in die der Staub sich setzen kann. Wir haben es geklebt. Sekunden um Stunden. Und es wieder an seinen Platz gestellt, die Klebestelle zur Wand, es sieht fast aus wie früher oder vorher oder vor zwei Wochen noch, zwei Monaten vielleicht. Es glänzt im Abendlicht, es sieht auch am Morgen schön aus und in der Nacht knackt es nicht einmal. Es hält.
Aber wir merken es in der Bahn. Wir merken es mit dem Kaffee und den Liedern. Wir merken es mit den kalten Händen in der Tasche, auch wenn wir sie uns gegenseitig warm pusten. Ich hab mich geschnitten beim Kleben, Wintermantelfasern verfangen sich hin und wieder in den Fetzen, dann brennt es. Man merkt sowas eben.
Liz hat es verfasst, und zwar am 12. November 2007 um genau 17:20 Uhr.
Kategorie : Blicke
1 Kommentar Kommentar hinzufügen
1. nath | 14. November 2007 um 5:37
und das darueberschreiben,das kittet?
eigentlich ist es ja ein hineinschreiben.saubere wunden heilen besser.what ever.schnee legt sich allemal darueber.
nath
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