Ringfinger

Vorne an der Kreuzung hält er sein Kind an der Hand, die Finger fest umklammert, einen Zipfel des Wollpullovers noch mit dazu. Und die Augen, deren Blicke alles zerschmettern und einsaugen, kennen nur ihn, kennen nur das Heute, selten das Gestern und haben vom Morgen nicht den geringsten Schimmer. Und er erklärt ihm das System: “Nach rechts, das ist da, wo der Daumen links ist. Dann nach links, das ist die andere Richtung. Und wenn dann nichts kommt, kein Auto, kein Fahrrad, noch einmal nach rechts”. Ihm ist es egal, ob das Anhängsel der Hand mit dem Wollpulli ihn versteht, er sagt es mehr noch für sich selbst, vergiss nicht zu schauen, da wartet am Abend jemand auf dich. Verlier den Strauß bunter Blätter nicht, sonst heult einer. Bring Saft mit und komm pünktlich, sonst ist es vorbei.

An seiner Hand werden die Haare grau, von den Bäumen fallen Blätter in Herbsttönen, ohne ein Geräusch zu machen. Im Winter wird es knacken, im Sommer wird geschrien, der Herbst schleicht sich leise in die Betten. Wie das mit dem Frühling war, hat er vergessen, aber das weiß er noch nicht.

Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Oktober 2007 um genau 0:53 Uhr.
Kategorie : Blicke

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