Reh:Wind

Schönbrunn lag still an diesem Tag. Leere Äste wankten im Wind, hin und wieder wurden sie braun. Hellbraun rotbraun. Am Himmel waren die Farben nicht mehr zu unterscheiden und die Wolken immer nur erkennbar, wenn die Sonne von dagegen schien und die Kanten schärfte, nochmal nachlegte, um im Sommer richtig gut drauf zu sein und unerbittlich. Laub lag auf allen Wegen, hierher kommt niemand von der Müllabfuhr. Und der alte Herr zog seinen Hut zurecht. Er hatte einen weißen Bart und trug die Kleider in den Farben der Bäume. Er ging bergauf und kam mir entgegen. Als er schon fast an mir vorbei war, nickte er. Beinahe unbemerkt.
Und der Teich lag still an diesem Tag. Ein paar Enten schlugen mit den Flügeln auf und ab, ein paar Spatzen suchten, was die alten Frauen vergessen hatten, und arbeiteten damit fleißig an den kleinen fedrigen Kugeln. Ich trug keine Tarnfarben, aber sie bemerkten mich nicht. Den Wald im Nacken, die Amseln und Meisen. Und dann kam die Sonne raus. Die Silhouette der Stadt waberte und flirrte wie immer, die Bäume davor standen Arm in Arm wie Gitterstäbe. Von Konstanten kann man hier nicht sprechen, von langen Linien nicht und auch nicht von Geraden. Die Häuser hingen verquer im Bild, die Autos surrten irgendwo im Hintergrund. Aber Schönbrunn bewegte sich nicht an diesem Tag. Ich glaube, ich sah zwei Augen durch all diese Äste. Durch all das Gestrüpp.
