Regurgitation
Es gibt ein großes Burger-Unternehmen, das in diesen Tagen Stellenanzeigen in Tageszeitungen schaltet und damit Dozenten für eine Einrichtung sucht, die den Jungs im Land mehr Männlichkeit beibringen soll. “Die Verweichlichung der Männer schreitet immer schneller voran”, sagt der alte Mann mit Fliege, Pullunder und unmöglicher Frisur, während hinter ihm sein Feindbild im Ballettanzug und Schläppchen herumtanzt. “Gleichzeitig dringen Frauen in die letzten Rückzugsräume der Männer ein. Da können und dürfen wir nicht tatenlos zusehen.” Und mir kommt es gleich hoch.
“Hier bin ich Mann, hier darf ich sein” steht auf dem Schild neben dem Opa mit den gefalteten Händen und ich erinnere mich an meine Zeit in der Agentur vor mittlerweile drei Jahren, als es darum ging, einen Fernsehsender für Männer in Deutschland einzuführen und eine Problematik zu erfinden, die die Kampagne als Lösung erscheinen lässt. Damals schon geisterte der gebeutelte Mann auch durch die Feuilletons großer Zeitungen, vor allem aber durch das komplette Vorabendprogramm. Dann kam der moderne Mann auf die Bildfläche, alle beruhigten sich wieder und Elternzeit wurde mit langsamerem Puls in Anspruch genommen.
Dem Burger-Konsumenten scheint man diese Entwicklung nicht zuzutrauen und stopft ihm weiter steinzeitliches Gehabe ins Maul. Während ich mich kopfschüttelnd frage, ob diese Kampagne funktionieren wird, wenn sie dazu Anzeigen in der SZ schalten und einen alten Mann hinstellen, der nichts, aber auch gar nichts mit dem propagierten Mannbild zu tun hat, denn das kämpft, grillt, öffnet BHs und verweigert Salat. Ich geh mal kotzen.

Kommentare
In den letzten Wochen war von den politischen Institutionen Europas zu hören, dass in der Werbebranche gern alte Rollenbilder gepflegt werden. In der heutigen modernen Zeit, in welcher wir doch aufgeklärt und so erwachsen sind, wird in der Werbebranche noch mit dem alten Rollenbild (auch und aus Sicht der EU vorallem) der Frau anno 1950 gearbeitet. Die EU sieht handlungsbedarf und will per Gesetz zu einer gerechteren Darstellung zwingen. Inwieweit hier die Notwendigkeit einer Zensur besteht, und diese als Einschnitt auch in die Kunstfreiheit eine notwendige Maßnahme ist, sei von mir dahin gestellt. Mit Sicherheit ist die Werbung mit den burgerfressenden Übermännern eine alberne Kampagne…
Ich bin ein Mann (jedenfalls nach meiner symptomatischen Oberfläche zu schließen). - Ich Kämpfe ganz gerne mal, ob beim Boxen oder beim Fußball. Apropo Fußball: Bei TV-Übertragungen von Fußballspielen sollte die Alkoholwerbung wenigstens auf ein erträgliches Maß herunter reglementiert werden!
Ich esse gerne Salat und wenig Fleisch und wenn ich mal einen BH öffnen kann, dann bin ich auch noch glücklich.
Im Großen und Ganzen kann ich jedoch nicht soviel essen wie ich kotzen will.