Regurgitation

Es gibt ein großes Burger-Unternehmen, das in diesen Tagen Stellenanzeigen in Tageszeitungen schaltet und damit Dozenten für eine Einrichtung sucht, die den Jungs im Land mehr Männlichkeit beibringen soll. “Die Verweichlichung der Männer schreitet immer schneller voran”, sagt der alte Mann mit Fliege, Pullunder und unmöglicher Frisur, während hinter ihm sein Feindbild im Ballettanzug und Schläppchen herumtanzt. “Gleichzeitig dringen Frauen in die letzten Rückzugsräume der Männer ein. Da können und dürfen wir nicht tatenlos zusehen.” Und mir kommt es gleich hoch.

“Hier bin ich Mann, hier darf ich sein” steht auf dem Schild neben dem Opa mit den gefalteten Händen und ich erinnere mich an meine Zeit in der Agentur vor mittlerweile drei Jahren, als es darum ging, einen Fernsehsender für Männer in Deutschland einzuführen und eine Problematik zu erfinden, die die Kampagne als Lösung erscheinen lässt. Damals schon geisterte der gebeutelte Mann auch durch die Feuilletons großer Zeitungen, vor allem aber durch das komplette Vorabendprogramm. Dann kam der moderne Mann auf die Bildfläche, alle beruhigten sich wieder und Elternzeit wurde mit langsamerem Puls in Anspruch genommen.

Dem Burger-Konsumenten scheint man diese Entwicklung nicht zuzutrauen und stopft ihm weiter steinzeitliches Gehabe ins Maul. Während ich mich kopfschüttelnd frage, ob diese Kampagne funktionieren wird, wenn sie dazu Anzeigen in der SZ schalten und einen alten Mann hinstellen, der nichts, aber auch gar nichts mit dem propagierten Mannbild zu tun hat, denn das kämpft, grillt, öffnet BHs und verweigert Salat. Ich geh mal kotzen.