Re: Die Schmerzensmänner
“Ist es nicht viel schöner, wenn ein Mensch so sein darf, wie er ist? Wenn Männer die gleiche Musik hören dürfen wie Frauen, Frauen aber auch Fußball spielen und wenn es ihnen beliebt Männer am laufenden Band aufreißen dürfen. Wenn vielleicht ein Typ morgens länger im Bad braucht als seine Freundin und das okay ist? Wenn es die Bezeichnung Mädchenmusik irgendwann einfach nicht mehr gibt, weil wir endlich gemerkt haben, dass sie Schwachsinn ist. Wenn “Du Mädchen” nicht mehr als Schimpfwort benutzt wird und wir alle einfach mal zugeben dürfen, dass wir WarmduscherInnen sind.”
Katinka sagt in ihrem Text alles, was man dazu eigentlich sagen kann. Und sollte. Laut. Ganz laut.

Kommentare
Rollen definieren sich durch Erwartungen und die Erwartungen an “moderne Männer” wandeln sich schnell und werden eben zunehmend durch den weiblichen Teil der Gesellschaft formuliert. So weit, so gut und für viele Männer sicher eine Rennbahn mit tiefem Geläuf. Es wäre meines Erachtens ein wirklicher Fortschritt, wenn die Männer-Frauen-Thematik endlich aus der Ecke der Wertigkeitsdiskussion rauskommt. Nichts ist besser oder schlechter nur weil eine Frau oder ein Mann es tut, sagt, unterläßt. Jeder muss für sich selbst wissen, wo er/sie steht, hin will, welche Ziele und Werte den Rahmen setzen. Und jeder Mensch hat die Freiheit, auch Erwartungen nicht zu folgen, sich zu widersetzen und beispielsweise als Macho alter Prägung durchs Leben zu gehen. Das könnte dann ein zunehmend einsamer und holpriger Weg im dunklen Tal feministischer Missbilligung sein, aber im Vergleich mit den besagten und angepassten “warmduschenden Frauenverstehern” irgendwie gradliniger. Und was wäre das Leben ohne die kleinen wechselseitigen Frotzeleien über das typisch männliche und weibliche Gehabe? Mir würde da was fehlen…
Lieber Frank, mir würde da nichts fehlen. Und mit Gradlinigkeit hat Machogehabe nichts zu tun, glaube ich, nur mit dem Verfolgen individueller Ziele auf eine Art. “Warmduschende Frauenversteher” sind mir persönlich übrigens 1000000mal lieber als Machos alter Prägung. Und diese sind auch nicht angepasst sondern einfach anders als Machos alter Prägung. Auch das hat nichts mit Gradlinigkeit zu tun. Zu deiner Konnotation von “feministischer Missbilligung” kann ich nur sagen: Es ist keine feministische Missbilligung, eigene Grenzen abzustecken und für persönliche Freiheiten sondern mein gutes und bestes und ureigenes Recht als Frau. Und Mann. Das hat was mit Emanzipation zu tun und mit sonst nichts.
Guten Morgen Liz. In meinem beruflichen und privaten Umfeld erlebe ich die meisten Frauen als emanzipiert und selbstbewusst, vielleicht bin ich da genetisch bedingt aber auch auf einem Auge blind. Mein Unbehagen an den “warmduschenden Frauenverstehern”, die ebenso gut auch “brüllende Schlipsträgerinnen” sein könnten, entspringt einer anderen Betrachtungsweise. Mir scheint da viel geschicktes und mainstreamartiges Taktieren im Sinne von “der Zweck heiligt die Mittel” dabei zu sein. Sich verbiegen um leichter ans Ziel zu kommen…na ja. Und jetzt wünsche ich dir einen entspannten Sonntag und verlasse das verminte Themenfeld.