Rauschen

Damals war ich angekommen, als ich mich zurücklehnen konnte in dem Gefühl, nichts zu verstehen. Die Dinge beobachten, nicht mehr versuchen zu folgen, es einfach aufgeben und manchmal aufschauen, wenn ein paar Laute hinüberwehen, die gut klingen, die man vielleicht im Stillen ohne Ton im Mund versucht nachzuformen und die dem Original nicht ansatzweise Konkurrenz machen, wenn man sie doch mal laut ausspricht. Ich saß in Taipeh in diesem Café und war dort, weil ich nur zuhörte um des Zuhörens willen. Zwei Dinge sind dann immer sehr einfach. Sich in den eigenen Bauch zurückzuziehen, die Geschichte mit dem Treibholz wörtlich zu nehmen, jeden Gedanken auszureizen, an die Wand zu fahren, bis zu Ende zu gehen. Oder sich komplett abzuschalten. Funktionieren, ohne zu denken. Die Füße hochzulegen. Die Reize auf Augen und Ohren zu konzentrieren, während die Verarbeitung erst später beginnt, erst wenn auch die äußere Sprache wieder der inneren folgt. Und bis das passiert, saugst du nur auf, niemand drückt auf den Öffnen-Button, niemand zieht den Stöpsel und wenn man sich aus der Vogelperspektive betrachtet und ein bisschen Transparenz einschaltet, kann man sehen, wie man sich füllt, wie der Wasserstand steigt und alles in die Ecken fließt, die in letzter Zeit staubig geworden sind. Wie man sich ausräumt und umbaut, ohne etwas davon zu bemerken.

Können heut draußen bitte alle mal nur Chinesisch sprechen?

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Juni 2008 um genau 9:22 Uhr.
Kategorie : Blicke

1 Kommentar Kommentar hinzufügen

Kommentar hinterlassen

Bitte angeben!

Bitte angeben!

Trackback  |  RSS Feed  |  Abmelden


Kalendar

Oktober 2008
M D M D F S S
« Sep    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Ältere Einträge