Ordines

Family

Das Konstrukt ist nicht von der Hand zu weisen, und ich wüsste gern, wann jemand angefangen hat von Familie als etwas zu sprechen, das man mitnimmt. Das dazugehört. Und dazu wüsste ich außerdem noch gern, wann man selbst anfängt, sich anzuleinen, jemanden festzuhalten, dorthin aufzunehmen, wo man die Tür zumachen kann und nichts mehr hört, und wann man sich entscheidet damit aufzuhören. Ob man das überhaupt kann, mit einer Familie aufhören, sich fortbewegen, weg sein davon, von den Jahren und Schemata, von den Anrufen, die man nicht gemacht hat und dem Schattenspiel der Begrüßungen.

Ich meine, das Gefühl ist nicht von der Hand zu weisen, eine andere Hand wahrlich schon. Nur fragt ja selten jemand danach, was man dann damit macht, mit dem hineingeboren Sein in einen Kreis aus Menschen, in einen Ort, in eine Aneinanderreihung aus Umständen. Und selten macht sich jemand die Mühe, gegen die Verantwortung anzulaufen, anzurennen, die am Ende auch eine eigene Entscheidung ist. Man sagt immer, man übernimmt die Verantwortung, und es klingt, als nehme man sie jemand anderem weg, als sei dann dort drüben weniger davon. Ja, ich hätte gern ein Stück, nein danke, es ist genug jetzt, noch ein Stück, muss das denn sein, es ist genug für alle da, ich weiß, und niemand geht, bevor er aufgegessen hat.

Und ich sage dir, das Herz ist nicht von der Hand zu weisen, es passt direkt hinein und ist noch ganz warm. Sehr gern würde ich mich mit meiner Frisur und meinem Gesicht und meiner gesammelten Kindheit und all dem danach für einen Tag in den Schrank stellen und nur mein, also genau dieses Herz übrig lassen. Keine Spur von Erinnerung, keine Konnotation, keine Verwischungen außen herum und keine Verblendung, nur ein bisschen Takt, ein bisschen Blut, irgendeine Biologie mit Muskelfaser und einem Staubteppich aus der Luft, weil es ja einen Moment dauert, bis man sich zurückgenommen und das Herz extrahiert hat, wir könnten auch die Lunge nehmen, mein Kleinhirn. Du nicktest jetzt, wüsstest du, wovon ich spreche, du nicktest und riefest, natürlich, wie könne ich es wagen, einen Zweifel zu hegen. Einen oder zwei.

Aber diese Wahrheit ist nicht von der Hand zu weisen, du hättest nicht die geringste Ahnung, wen du da vor dir hast, wessen Muskel, wessen Atem. In ein paar Jahren vielleicht brauchst du keine Angst mehr haben davor, und ich glaube, die hast du, weil du auch zittern würdest in deinem außer dir sein, dein Herz ganz allein, ich werde niemals fragen, du hast freie Hand. Kein Gewicht, keine Prüfung, keine Türen.