Niemals geschlossene Schuhe.
Gestern sind schlimme Dinge passiert, das konnte man überall lesen. Und das Wort Katastrophe ist dafür nicht zu groß, weil es um einen Spaß ging und am Ende nur unglückliche Menschen zurückbleiben. Ich kann sagen, ich finde es schlimm. Und ich möchte bewusst nicht darüber urteilen, weil ich kein Experte bin, weil ich nicht dabei war und weil es andere gibt, die es besser können. Und wiederum andere, die es nicht können.
Wenn solche Dinge passieren, muss ich Twitter ausschalten, weil ich es nicht aushalte. Weil ich nicht ertragen kann, wie viele Menschen meinen, unverblümt und unreflektiert ihren Senf dazu geben zu müssen. Weil ich Gänsehaut bekomme von den unbedacht in die Mobiltelefone getippten Zeilen, weil ich manchen Menschen auf die Füße springen möchte, wenn ich lese, was sie sich da rausnehmen, weil sie nicht einen Moment innehalten und nachdenken. Weil bei Twitter in solchen Momenten eine Welle der Betroffenheit losgetreten wird, die keinen Sinn hat, die niemandem etwas bringt, die mitunter und in den meisten Fällen sekundenkurze Emotion heuchelt und im nächsten Tweet geht es schon wieder um das leckere Eis oder das Wetter oder oder. Wem soll ich so sein ernsthaftes Entsetzen abnehmen? Wen darf ich dann nicht Heuchler nennen, wenn im ersten Moment geschrieben wird “Oh wie schrecklich!” und im zweiten “Oh ein Regen!”? Man sei ja so geschockt, so entsetzt, so verärgert, so traurig - wenn dem so ist, setzt man sich dann hin und schreibt einen Tweet? Gehört das dazu? Bei Twitter geht jede Distanz verloren, alles wird aufeinander geklatscht, nur um dabei zu sein, vielleicht damit nur niemand denkt, man habe davon nichts mitbekommen.
Aber deine kurzweilige Emotion kannst du dir ehrlich gesagt sonst wohin stecken, weil sie mich wütend macht. Dein geheucheltes Interesse. Dein Klugscheißertum. Deine Distanzlosigkeit kann ich nicht ertragen, deine vor dir her getragene Pietät, die genau deswegen keine ist, weil sie so etwas verbietet. Und weil es auf der anderen Seite so einfach ist, sich erst über die Loveparade lustig zu machen und am Ende zu meinen, eine Schuld zuweisen zu dürfen. Irgendjemandem. Mehreren. Wie kann bei über einer Million Menschen nur einer die Schuld haben? Erklärst du mir das? Und kannst du es besser? Und was interessiert es jemanden, dass du schreibst, dass du gerade vor Schreck Schluckauf bekommen hast, wenn einer Mutter gerade gesagt wird, dass ihr Kind nicht mehr nach Hause kommt?
Twitter ist schnell und ich verstehe und unterstütze jeden, der ernsthaft und reflektiert etwas zur Klärung der Umstände und vielleicht der eigenen, inneren Ordnung der Betroffenen beiträgt, indem er Personengesuche weiterschickt oder sachdienliche Hinweise publiziert. Aber die Dreistigkeit zu besitzen, ein Urteil zu fällen, eine Schuld auf jemandem abzuladen, einen Emotionsschwall in die Welt zu ballern, der in diesem Moment an Oberflächlichkeit, fehlender Distanz und mangelndem Respekt nicht zu überbieten ist - ich möchte schreien dabei, damit mal Ruhe ist. Wenigstens kurz.
Weil mir Twitter in solchen Momenten vorkommt, als würde niemand geschlossene Schuhe oder lange Hosen tragen, auch wenn der Anlass es vielleicht gebietet, einfach nur, weil man nicht muss. Aber so ein Gewissen, das einem manchmal sagt, was man muss und was nicht, täte dem einen oder anderen ganz gut hin und wieder.
Wenn ihr so geschockt seid, so fertig, achso betroffen, ihr, die ihr nicht dabei wart oder in irgendeiner Weise mit den Geschehnissen verbunden seid, trötet nicht alle Nase lang, wer Schuld hat, wer nicht, wer böse ist und wer gut, wer wie hätte, könnte, wollte - sondern helft mit, dass so etwas auf anderen Veranstaltungen nicht noch einmal passiert. Wenn es euch so schockiert hat, dann achtet aufeinander, wenn ihr auf Festivals, Konzerten, Autobahnen, Massenaufläufen herumrennt. Schiebt nicht, schreit nicht, drängelt nicht, helft euch auf, sagt was, übernehmt verdammt noch mal Verantwortung und glaubt nicht, dass die Welt besser wird, nur weil sie jetzt weiß, dass ihr Nachrichten geschaut habt und es euch zur Abwechslung doch mal berührt hat. Weil auch ihr das hättet sein können. Genau ihr hättet da stehen und hinfallen können. Vielleicht ist das der eine Gedanke, der euch wenigstens für einen Tag mal zum Schweigen bringt. Zum Innehalten. Zum Gedenken. Und zum Bessermachen.
(Und danke, Herr Schellnack für Ihren Text. Und danke, Herr Niggemeier.)

Kommentare
Kategorie “Wir”. Das triffts ganz genau.
Danke. Das ist nach vielen schauderhaften Müllkommentaren und Tweets über Naziworte, Bahn- und Medienkritik und spontanen Schuldzuweisungen von völlig weit entfernten Leuten an ihren Rechnern endlich mal ein etwas reflektierterer Text. In einem Tweet würde ich das Phänomen so beschreiben: http://twitter.com/infinsternis/status/19491893408
Danke. Dss musste gesagt werden.
[...] Muss ich jetzt nicht mehr. [...]
Yes!
Danke!
Einfühlsam formuliert!
Und was erwartest du jetzt? Dass die Leute die nächsten drei Wochen zuhause vor einer Kerze sitzen und trauern? Ich nehme nicht an, dass du nun die nächsten 5 Tage lang mit heulen verbringst und jeder Freude in deinem Leben aus dem Weg gehst, sorry. Davon abgesehen wundere ich mich doch ernsthaft, was ein Mensch der diesen Text hier schreibt überhaupt bei Twitter verloren hat.
Der Stammtisch hat sich halt zu Twitter verlagert. Vielleicht kriegen wir irgendwann auch so ne Plakette an unseren Platz genagelt, dass wir immer genau da gesessen haben.
Sehr gut. Ich war froh, gestern dort nicht arbeiten zu müssen (ganz abgesehen von den schrecklichen Umständen). Man kann es nämlich nur falsch machen, an so einem Tag - egal, was man tut. Vielleicht wäre es auch eine von den Gelegenheiten, wo man die Kamera wegschmeißen und einfach mithelfen muss.
@JayJay
Nein, das erwarte ich nicht. Aber ich finde es heuchlerisch, wenn jemand von achso großer Betroffenheit schreibt, die dann doch nach einer Minute wieder vorbei ist. Und ich finde es unreflektiert und dumm, zwei Minuten, nachdem so etwas wie gestern publik wurde, mit Schuldzuweisungen um sich zu werfen. Das ist, was ich damit sagen möchte. Das war keine Traueranleitung sondern eine Bitte, doch wenigstens einmal kurz nachzudenken, bevor man jede kleine Gefühlsregung ins Internet ballert.
Hallo Lisa,
danke für diesen Post. Die Gedanken, die Du darin beschreibst, gingen mir auch durch den Kopf. Ich nehme mir das jedenfalls zu Herzen und werde wie bisher auch darauf achten, auch mal nach Links oder rechts auf meinem Weg zu schauen und mitanzupacken, wenn einer nicht mehr weiter kann, ihm zumindest fragen ob er Hilfe braucht. Du beschreibst Vieles, von dem ich meine, dass es selbstverständlich sein sollte. Aber der Zeitgeist scheint mitunter die Menschen ziemlich zu blenden und für die Nächstenliebe unempfänglich zu machen. Das muss sich ändern.
Viele Grüße
Johannes
Ich finde, dass Jayjay ganz großen Unsinn geschrieben hat und lieber aufpassen sollte, bevor er sich an E. “Mutter Teresa” Rank vergreift. Die ist nämlich endlich mal Eine, die den Mund aufmacht um den Leuten zu erklären, was sie falsch machen und wie sie es besser täten - Lehrerin sollte sie werden, die Rank, oder Bundeskanzlerin, da könnte sie sich und der Welt etwas beweisen. Auf geht’s.
Danke
Ach Gott, Jörn.
Lisa, René von nerdcore postete in einem diesem nicht unähnlichen Beitrag woanders, dass Menschen sich online genauso verhalten wie offline. Zum einen ist es glaube ich leider Gottes müßig zu erwarten, dass Menschen in einem Medium, dass dafür geschaffen wurde, zu posten, wie einem der Schnabel gewachsen ist, mehr reflektieren, als im 1-zu-1-IRL-Gespräch. Das mag bei Blogbeiträgen anders sein, aber bei Twitter? Ich weiß nicht. Ich sehe da in vielen Posts einfach sehr viel Hilflosigkeit, Verzweiflung und vor allem Überforderung mit der angemessenen Reaktion auf die Situation. Klar wäre es besser, wenn sich der eine oder andere zurückhielt, aber dann tut man besser daran, Twitter an sich in Frage zu stellen, denn das was du - mit Recht! - anprangerst gilt im Prinzip auch für jeden Tweet über persönliche Verdauungsstörungen oder peinliche Twitpics von Bildern. In Momenten wie gestern ist es halt besonders tragisch, da bin ich ganz bei dir.
So sind sie, die Menschen. Manchmal zauberhaft und dann doch auch wieder unerträglich.
Danke für diesen Beitrag und dass du es auf den Punkt gebracht hast. Ich zweifle manchmal an mir selbst, warum ich nicht betroffen bin, wenn ich von so einer Katastrophe etwas mitbekomme. Vielleicht liegt es daran, dass inzwischen alles kommuniziert wird und alles in so einem Datenrausch untergeht.
- Ich bin gar nicht bei Twitter angemeldet und dein Beitrag zeigt mir, dass es gut so ist. -
Mir reichen die facebook-Status zum gestrigen Drama und auch da habe ich gemerkt, dass es mich gar nicht so richtig trifft. Ja, es macht mich wütend, weil ich irgendwie aus den Informationen in dieser Datenflut schließen kann, dass dieses Drama hätte verhindert werden können und es wohl nicht einmal so schwierig gewesen wäre, es zu verhindern. Das trifft mich wirklich.
Dass mit Menschenleben so achtlos umgegangen wird. Aber dazu brauche ich Gottseidank kein Twitter.
Und dennoch frage ich mich, ob es vielleicht besser wäre, wirklich ab und an einfach NICHTS zu sagen oder zu schreiben. Aber jetzt schreibe ich ja schon wieder was und gebe meinen Senf dazu.
DANKE nichtsdestotrotz. DANKE für deinen sinnvollen Beitrag.
@Mischa. Ich glaube, bei Verdauungsproblemen sind weniger andere Leute beteiligt und betroffen als bei so einem Unglück. Das macht den Unterschied. Ich spreche niemandem seine Überforderung ab, die ist völlig menschlich. Ich frage mich nur, warum man nicht einfach mal kurz nachdenkt, bevor man sich zu so einer Geschichte äußert sondern alles und jeden Gedanken, so nah und emotional und echt er auch sein mag, sofort publizieren muss.
Ich frage mich immer: Wenn man selbst dort gewesen wäre, würde man so etwas lesen wollen?
Du hast gesagt, was gesagt werden musste.
Es sind nicht die Medien, es ist nicht Twitter, es sind nicht einmal die Menschen, die Twitter nutzen, die einen Teil der Berichterstattung und der Kommentare grenzwertig bis unerträglich erscheinen lassen. - Es sind EINZELNE Menschen.
Vielleicht prägen sie die entstehende Grundstimmung gerade deshalb so stark, weil viele schweigen, die sich (wie auch ich selbst) nicht äußern wollen oder können. Eine schweigende Mehrheit räumt einer nicht repräsentativen lärmenden Minderheit oft genug einen ungebührlichen Raum ein.
“…dann achtet aufeinander…” ist eine Aufforderung, der ich mich gerne anschließe.
[...] Elisabeth Rank tut es. (Via coffeeandtv.de) Click here to cancel reply. [...]
Es ist ganz natürlich, dass eine solche Katastrophe emotionale Reaktionen hervorruft, egal wie sie dann auch ausfallen. Man kann nicht auf der einen Seite Twitter dafür lieben, dass man schnell und direkt an Informationen kommt (und Twitter hat gestern seine Stärken wieder ausgespielt) und auf der anderen Seite Twitter dafür hassen, dass die Leute in so einem Moment ihren Gefühlen freien Lauf lassen.
Ich persönlich habe mich auch dazu hinreißen lassen, zu twittern, ja sogar zu bloggen, weil bei aller Tragik des Ereignisses, es den Anschein hat, dass es vermeidbar gewesen ist. Und mich hat das Unglück wirklich betroffen gemacht, gerade weil ich häufiger auf Massenveranstaltungen bin und solche Unfälle jederzeit auch mich treffen könnte. Insofern, kann ich deinen Aussagen folgen, sie aber so nicht ganz stehen lassen.
@also eigentlich
Ich würde mir niemals anmaßen, Menschen ihre Emotionen abzusprechen. Aber ich frage immer noch: Wenn du das dort gewesen wärst, würdest du diese vielen Mutmaßungen und oberflächliche Bestürzung im Nachhinein lesen wollen?
@Lisa: natürlich möchte man so etwas dann nicht lesen oder gar sehen. Und ich wollte keinesfalls Verdauungsprobleme mti einer Katastrophe wie gestern vergleichen - alles was ich sagen wollte war, dass wenn die Pietät vor der eigenen Haustür aufhört man in die andere Richtung wenig erwarten kann leider. Aber ich sehe das Problem nicht nur bei den Usern sondern auch beim System (=Twitter). Man muss da immer vom DAU ausgehen, und gerade was Verantwortungsgefühl angeht wurde der Samen bei der Kreation von Twitter rar gesät. Wenn Twitter in den Medien vorkommt, dann hauptsächlich, weil Ashton Kutcher den Arsch seiner Freundin getwittert hat oder in Leipzig eine Geiselübernahme live zu “sehen” ist. Da ist es kein Wunder, dass wir einen Nachahmungseffekt haben, der bei privaten Indiskretionen beginnt und bei der unreflektierten Äußerung zu furchtbaren Katastrophen endet. Höhepunkt waren Twitterer, die in einem Tweet die BILD kritisierten und zwei Tweets vorher Fotos vom Katastrophenort posteten. Da kann man nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen.
Und um abschließend deine Frage aus meiner Sicht zu beantworten, warum die Menschen nicht nachdenken, bevor sie twittern: Twitter ist halt das neue Miteinanderreden. Einen Tag nach der Eschede-Katastrophe hatten auf dem Schulhof auch alle eine Meinung dazu.
Twitter ist SOCIAL Web. Es ist Sinn und Zweck von Twitter, seine Gedanken und Emotionen seinem Umkreis kund zu tun. Jeder ist frei darin, wie weit er damit gehen will, und jeder andere, ob er das lesen will. Verbiete bitte den Leuten nicht, ihre Betroffenheit kundzutun, wie auch immer diese geartet sein mag und unabhängig davon, ob bei manchen Falschheit im Spiel ist. Du ziehst diejenigen, die ehrlich schockiert sind, damit in Misskredit.
Da sind Menschen gestorben, aber keine Angehörigen der jeweiligen Twitterer. Es ist vollkommen normal, dass man innehält, wütend, traurig, betroffen oder sonstwas ist und sich anschließend wieder dem Alltag zuwendet. Ein solches Ereignis kann kein Alles oder Nichts produzieren. Man kann nicht verlangen, sich vollständig einer Katastrophe zu verschließen oder in vollständige Trauer zu verfallen. Davon handelt unter anderem mein Blogpost: http://www.ennomane.de/2010/07/25/wie-christliche-fundamentalisten-die-toten-der-loveparade-instrumentalisieren/
Dass es auf Twitter einige ekelhafte Entgleisungen gab, die mich sehr geärgert haben, will ich damit aber nicht in Abrede stellen. In der Hinsicht stimme ich dir völlig zu.
Unnötiger und unreflektierter Beitrag von jemandem der nur an sich denkt. Es soll Leute geben, denen genau das hilft was du anprangerst. Und diese sollen doch bitte machen dürfen, was sie wollen. Und wenn es twittern ist in solchen Momenten, warum nicht.
@Enno @Tobi
Ich habe schon einmal geschrieben, dass ich jegliche Emotion dazu verstehe und niemandem abspreche, um Gottes Willen. Dass ich es aber geschmacklos finde, wenn jemand Betroffenheit heuchelt und zwei Sekunden später geht’s schon wieder um was völlig anderes. Wenn man Witze macht oder meint, man hätte den totalen Durchblick. Das halte ich für oberflächliches und absolut überflüssiges Verhalten, da kann man dann halt auch einfach schweigen - bzw. ich persönlich finde so etwas pietät- und respektlos, den Betroffenen gegenüber. Auch diese ganze Klugscheißerei, die in dem Moment niemandem weiterhilft.
Und ich habe nicht gesagt, dass jemand seine ehrliche Emotion nicht ausdrücken sollte. Ich habe nur einen Unterschied zwischen Ehrlichkeit und Oberflächlichkeit gemacht.
Wir sind da schon auf demselben Dampfer, denke ich.
In dem Text sind zu allgemeine Themen gehalten, ich möchte spezielle Hintergründe, wer wo was wie gemacht hat? Wieso nerven einen diese Beiträge, IHR addet die User. IHR sucht euch euer Wissen aus! Wer das nicht kann, ist verbildet. Die wahre Stärke liegt im wahrhaftigen Filtern von Fakten. Und wer die Hektik nicht ertragen kann, soll nach Alaska ziehen, da ist es ruhig und abgelegen. Ich sage nur “Ataraxie”. Bleib ruhig und bilde dir deine Meinung. Nach mehreren Quellen, die faktisch sind, kann man einen Entschluss ziehen. Schuldige gibts nur bei spezifischen Fakten, genauen Angaben, was wann wo passiert ist. Der Rest ist Spekulation und Meinungsmache.
Selbst wenn sich alle anwesenden Menschen so verhalten, wie es im letzten Absatz vorgeschlagen wird - hilft es nicht sowas zu verhindern. Beteiligte tragen an solchen Ereignissen keine Schuld! Es ist einer der wenigen Fälle, in denen Physiker mehr über die Sachlage aussagen können als Soziologen oder Psychologen.
“[...] es geht in unseren Medien immer und fast nur noch um den sich selbst fütternden Hype, das Junkfood in der Informationswelt. Was übrigens mit dem Internet eher schlimmer geworden ist, selbst dort, wo Auflagen/Einschaltquoten bzw. Clickrates eigentlich so gar keine Bedeutung mehr haben. Das Ergebnis ist eine mitunter hysterische Hyperfokussierung, eine Echokammer von Empörung und Entrüstung, die das ursprüngliche Quentchen an Information per Hyperlink-Loops verstärkt und verstärkt, bis das Echo wichtiger ist als das Signal.”
http://www.hdschellnack.de/tod-und-spektakel/
Zitat:
“sondern helft mit, dass so etwas auf anderen Veranstaltungen nicht noch einmal passiert. Wenn es euch so schockiert hat, dann achtet aufeinander, wenn ihr auf Festivals, Konzerten, Autobahnen, Massenaufläufen herumrennt. Schiebt nicht, schreit nicht, drängelt nicht, helft euch auf, sagt was, übernehmt verdammt noch mal Verantwortung und glaubt nicht, dass die Welt besser wird, nur weil sie jetzt weiß, dass ihr Nachrichten geschaut habt und es euch zur Abwechslung doch mal berührt hat. Weil auch ihr das hättet sein können. Genau ihr hättet da stehen und hinfallen können. Vielleicht ist das der eine Gedanke, der euch wenigstens für einen Tag mal zum Schweigen bringt. Zum Innehalten. Zum Gedenken. Und zum Bessermachen.”
Zitatende.
Genau dieser Gedanke – dass man das auch hätte sein können – provoziert doch gerade Emotionen, die Menschen regelmäßig auch öffentlich ausdrücken, und nicht unbedingt einen Anreiz zum Innehalten.
Mithelfen, dass sowas auf anderen Veranstaltungen nicht noch einmal passiert, geht nicht nur durch eigenes verantwortliches Handeln auf solchen Veranstaltungen, sondern auch dadurch, dass man denjenigen, die für dieses Unglück Verantwortung tragen könnten, auf die Pelle rückt, ihnen keine Zeit gibt, sich in Ausreden zu winden, Fragen stellt – auch via Twitter, meinentwegen überspitzt.
Twitter produziert Scheiße, Twitter produziert aber vor allem auch Öffentlichkeit und “Beweise”. Und Menschen, die an Twitterhebeln sitzen und die Frage nach der Verantwortung stellen, kann ich sehr gut verstehen. Ich bin sogar froh, dass es sie gibt.
Du drückst dich aber so aus, als gäbe es überhaupt keine ehrliche Betroffenheit. Und das ist einfach falsch. Ich glaube fest daran, dass ein nicht zu kleiner Prozentsatz der Twitterer und Bloggerer ihr Beileid ehrlich zum Ausdruck bringen. Das hat dann nichts mit Heuchlerei zu tun.
Es ist einfach, und das wurde ja hier schon kommentiert, so, dass es wie im “echten Leben” einfach Leute gibt, die ehrlich ihr Mitgefühl zeigen, die einfach nur oberflächlich ihren Emotionen freien Lauf lassen, die auf Missstände aufmerksam machen möchten (nicht weil sie sich dann toll fühlen, sondern weil irgendjemand das Unglück untersuchen wird und solche Rückmeldungen hilfreich sein können) und Leute die so ein Ereignis zum Anlass nehmen sich und ihre Meinung zu positionieren (wie bei Eva Herman gesehen).
@Oni_Chan:
“Die wahre Stärke liegt im wahrhaftigen Filtern von Fakten.”
Ne, eben nicht. Dein Satz beschreibt die Arbeit der Berufsschreiber, der Profis. Der allgemeine Blogger hat eine viel einfachere Aufgabe.
Dann müsste der Satz “die wahre Särke liegt im wahrhaftigen Filtern Fakten (und Schwachsinn).” lauten.
Ein sehr guter und richtiger Text, auch ich konnte den Twitter-Nachrichten nach einiger Zeit nichtmehr folgen, da einige wirklich auch unnötig waren. Das positive war, dass wirklich einigen geholfen wurde, Vermisste über Twitter zu finden, aber solche Hilfen gingen leider in den ganzen anderen Beiträgen unter.
Oft wurden auch nur Trostnachrichten versendet, um auf eigene Websites aufmerksam zu machen, das soll Mitgefühl sein? Wohl eher Ausnutzen eines Unglücks für Eigenwerbung.
In dem Beitrag hier wurde die Problematik wirklich gut geschildert und regt zum Nachdenken an und ich unterstütze deine Meinung voll und ganz.
Auch ich habe zu dem Thema getwittert, bekenne mich also schuldig.
Und nein, dabei war ich auch nicht.
Aber ich gebe auch nicht einer Person die Schuld, denn wie du schon sagst, zu seiner Situation gehören immer mehrere. Aber wenn man sich das Verhalten der Personen, die an dem Geschehnis direkt beteiligt sind, anschaut, hat man das Gefühl, dass da nur jeder versucht, den Schwarzen Peter von einer Institution zur anderen zu schieben (ganz zu schweigen von der politischen Instrumentalisierung, die jetzt noch kommen wird).
Es wurden Fehler gemacht, von Ravern und Polizisten, Betrunkenen und Nüchternen, Gaffern und Reportern, Gästen und Politikern, Laien und Experten, Ja.
Aber wenn man sich die Diskussionen im Vorfeld anschaut und die Erfahrungen der letzten Jahre hinzuzieht, kann man von den Organisatoren auch verlangen, einen vernünftigen Job zu machen.
Und das ist hier, in Teilen schon jetzt nachweislich, nicht passiert. Und das darf man anprangern, denn sonst passiert ähnliches wie schon so oft: NICHTS.
Alles geht weiter wie bisher und bei einer Loveparade wird nie wieder etwas passieren (wie auch, wenn es sie nicht mehr gibt). Aber alle werden sagen, wir haben aus den Fehlern gelernt und diese Art von Veranstaltung abgesägt, anstatt die Planungen zu verbessern und so das Übel an der Wurzel zu packen.
Das ist es, was ich mit meinen Beiträgen ausdrücken wollte. Und eben keine stumpfen Schuldzuweisungen.
Leider eine sehr einseitige Betrachtung. Natürlich kann Jeder, der nicht lesen möchte was andere twittern einfach abschalten.
Das Verhalten der Twittergemeinde zu verurteilen ist dennoch völlig daneben. Einerseits ist es für viele Menschen gerade in dem Moment vielleicht die einzige Möglichkeit sich auszutauschen und Ihre Emotionen los zu werden. Andererseits ist twitter ein schneller und grandioser Nachrichten- und Kommunikationsdienst. Wer mal etwas genauer nachforscht kann sehen, dass twitter gestern vielen ein Stück weit helfen konnte. Sie haben erfahren was passiert ist, wo Sie hin können und wo Sie nicht hergehen sollten. Es wurden Fahrgemeinschaften organisiert und Menschen die an Bahnhöfen in anderen Städten gestrandet sind von twitterern abgeholt.
Geheucheltes Mitgefühl und kurzfristige Emotionen erlebt man nicht nur bei twitter sondern überall dort, wo Menschen sind. Die einen interessiert’s, die anderen nicht.
Viele Menschen nutzen twitter um den ganzen Tag über Sprüche in die Welt zu setzen. Im Grunde ist twitter jedoch die gewaltigste und schnellste Informationsquelle die momentan existiert.
Mein Tipp für Dich: Geh bei der nächsten Katastrophe die in dieser Welt geschieht ins Bett und steck den Kopf unter Dein Kissen. So bleibst Du verschont vor Äusserungen, die nicht Deiner Ansicht entsprechen.
Und dieser Text musste jetzt, noch nicht einmal 24 Stunden nach der Katastrophe, unbedingt ins Netz posaunt werden?
Tweets, Blogeinträge, Kommentare zu letzteren, Forendiskussionen - das Netz reflektiert das, was offline diskutiert wird. In Inhalt und oft auch Form. Die einen sind sprachlos, die anderen sitzen ein Stündchen später am Stammtisch und quatschen, wieder andere thematisieren das ganze am nächsten Tag in der Schule. Irrelevant. Aus Sicht der Angehörigen ist ein hingerotzter Tweet ebenso wichtig oder unwichtig, richtig oder falsch wie ein vermeintlich durchdachter Blogeintrag kaum 24 Stunden nach der Katastrophe.
Twitter ist einfach menschlich, im Guten wie im Schlechten.
@Dominik: Und nochmal: Menschen sollen Emotionen haben. Menschen sollen diese Emotionen äußern. Auch über Twitter. Und ja, ich habe Twitter nach kurzer Zeit abgeschaltet. Und ich habe auch geschrieben, dass ich alles, was hilft, unglaublich befürworte und unterstütze. Und die Schnelligkeit von Twitter gut finde. Mein Text bezieht sich vor allem auf pietätlose Äußerungen.
“Aber die Dreistigkeit zu besitzen, ein Urteil zu fällen, eine Schuld auf jemandem abzuladen, einen Emotionsschwall in die Welt zu ballern, der in diesem Moment an Oberflächlichkeit, fehlender Distanz und mangelndem Respekt (…)”
Aha. Willst du Menschen verbieten geschockt zu sein? Willst du, dass Menschen, die sauer sind das nicht artikulieren dürfen? Ich verstehe deine Reaktion nicht. Für manche Menschen gehört es zur Verarbeitung des im Radio gehörten oder im Netz gelesenen dazu, sich ihre Gedanken zu machen und es auch spontan(!) zu äußern. Wer geschockt und sauer ist, der schreit das in die Welt hinaus. Das IST emotional, undistanziert, unreflektiert und schuldzuweisend. Twitter ist ein sponates, herausschreiendes Medium. Dort wird nicht nur Poesie und reflektiertes Gedankengut nach einem Verdauungsprozess gepostet. Twitter IST die Verdauung.
Twitter sind die Menschen und eben nicht die erziehenden Medienmacher, die nach einem Diskurs nochmal aufschreiben, wie man es zu empfinden und verstehen hat.
Dein Vorschlag sich zusammenzusetzen und zu überlegen, wie man es bessermachen könnte, ist doch genau die Denke, die Menschen die Hilflosigkeit verspüren lässt eben NICHT eingreifen zu können. Deshalb auch die beizeiten krasse Atmosphäre in der Twitter-Öffentlichkeit. Ich finde solche Ausbrüche und Tage auf Twitter eher real, roh und daher säubernd.
Man sollte viel eher Reaktionen wie die von Eva Herman aufgreifen und sie auseinandernehmen.
Ich kann mich Enno nur anschließen. Ich weiß nicht, was ihr unter Twitter versteht, aber wie auf twitter.com selbst zu lesen ist, ist es eine Plattform für “zeitgemäße Kurznachrichten”. Es ist keine Biografie der Persönlichkeit. Wenn ich von den Ereignissen betroffen bin, schreibe ich ein Tweet um dies zu zeigen. Ich brauche aber nicht 5 Minuten später zu twittern “Ich trauere immernoch.” … “Immernoch.”. Bei Twitter gebe ich einige Facetten meiner Persönlichkeit bekannt, sage was mir jetzt und dann durch den Kopf geht - mehr nicht. Wenn ich 5 Minuten nach dem “Trauer-Tweet” twittere, dass ich gerade ein leckeres Eis esse, dann tu ich das, weil ich mich auf das Eis wohl schon den ganzen Nachmittag freue und weil ich dies meinen Followern mitteilen möchte. Ich revidiere damit nicht mein letztes Tweet, meine Follower wissen vielmehr, dass mich das Unglück bewegt hat, ich aber trotzdem weiterlebe. Vielleicht rede ich ja mit jemandem über das Ereignis während ich das besagte Eis esse?
Twitter ist nunmal oberflächlich, aber das ist auch gut so. Es ist nur ein Teil meines Lebens und ich gebe dort nur einige Informationen über mich bekannt. Die ganze Persönlichkeit eines Menschen sollten nur die engsten Freunde kennen. Und wenn ich nunmal nicht den ganzen Tage Trauer verspüre, dann heuchle ich auch nichts.
Sehr gut.
Pietätlose Äußerungen gibt es überall. Genauso wie Menschen, die ein solches Unglück gar nicht oder nur für eine Minute interessiert.
Was hat twitter damit zu tun?
Wie viele Menschen haben gestern bis in die Nacht gefeiert OBWOHL Sie erfahren haben, was passiert ist?
Heute posten Sie bei Facebook Fotos auf denen Sie in bester Laune neben den Floats feiern….
Das ist nicht besser und nicht schlechter als twitter. Das ist einfach nur ein Spiegelbild der realen Einstellung der Menschen.
[...] niemand. Ihr wisst doch vorher, wes Geistes Kind die von euch Verfolgten sind. Lisa Rank bloggt: »Wem soll ich so sein ernsthaftes Entsetzen abnehmen? Wen darf ich dann nicht Heuchler nennen, wenn i…« Völlig richtig, das ist Heuchelei und es ist verdammenswert. Dennoch: ihr seid selbst dafür [...]
hallo lisa,
also zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich dich seit ewigkeiten auf twitter verfolge und auch deine texte mag. aber dieser beitrag… mir fehlen die worte.
du kannst doch nicht jedem gleich heuchelei vorwerfen, jedem der etwas dazu, vor allem gestern und das sehr spontan, twitterte, auch wenn der nächste tweet wieder etwas ganz anderes beschreibt! da ist twitter: spontan kurze nachrichten versenden, und ja es gab viele kommentare, die nicht auszuhalten waren, na und?
ich war auch nicht in duisburg, aber als ich auf twitter und dann genauer in der presse davon las war ich geschockt und habe das auch gezwitschert. der schock, wie das wort schon sagte, legte sich wieder, und ja, ich kann natürlich nichts an der katastrophe ändern, trotzdem kann ich doch aussprechen was ich denke.
also, sehr unüberlegt und unnötig, dein beitrag.
Liebe Stephanie, ich werfe auch nicht jedem Heuchelei vor. Das habe ich auch schon mehrmals in den Kommentaren beschrieben und auch im Text selbst. Unüberlegtheit werfe ich vielen vor bzw. blöde Pietätlosigkeit. Und manchen auch Heuchelei. Aber natürlich nicht allen.
Richtig Dominik!
Betroffenheitskundgebungen, auch wenn es nur auf Twitter ist, sollte man auch ernstnehmen. Im Übrigen haben sich die kritisierten “vorschnellen Urteile” wohl als meist richtig herausgestellt: Grobe Fahrlässigkeit der Verantwortlichen! Es wurde vorgewarnt etc. siehe :
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Duisburgs-OB-Sauerland-weist-Verantwortung-von-sich-id3283339.html#derwestenRSS
Es war ein vermeidbares Unglück! Und diese Fehlbarkeiten und vor allem Vertuschungsversuche der Verantwortlichen maximal zu verbreiten - ist eine der Stärken Twitters!
Menschlicher Austausch über Ereignisse und eben speziell extreme Ereignisse - ist eine der Stärken unserer Spezies. Angesichts des Schreckens gleitet es (vermeintlich..) eben auch mal ins pietätslose ab, eine Begleiterscheinung.
Die Autorin schiesst weit über das Ziel hinaus wenn sie schreibt:
“trötet nicht alle Nase lang, wer Schuld hat”
Natürlich, die verantwortlichen Versager dürfen weitermachen…
Noch einmal: Es war keine Naturkatastrophe - sondern eine Nachweislich( ! ) durch Fachleute (!) vorhergesehene Katastrophe.
Bochum hat abgelehnt - und in Duisburg wurde bereits seit EINEM JAHR vor der Veranstaltung gewarnt…
Und Elisabeth bittet wegzusehen…träum weiter Mädel und geh mal mehr in Dich bevor Du Schmarrn veröffentlichst!
Lieber Mike, wenn Leute twittern, die Besucher wären selbst schuld, dann finde ich das pietätlos. Wenn Leute drei Minuten nach Bekanntwerden meinen zu wissen, wer genau da Schuld hat, dann finde ich das vorschnell geurteilt.
Ich habe nie gebeten wegzusehen. Im Gegenteil:
“Twitter ist schnell und ich verstehe und unterstütze jeden, der ernsthaft und reflektiert etwas zur Klärung der Umstände und vielleicht der eigenen, inneren Ordnung der Betroffenen beiträgt, indem er Personengesuche weiterschickt oder sachdienliche Hinweise publiziert.”
Mike hat nicht recht.
Jeder ist für seine Timline selbstverantwortlich.
Ich kann die Nachrichten der “Qualitätsmedien” nicht ertragen und bin froh darum mir von meiner Timeline die Meldungen filtern zu lassen.
Wer so von Twitter enttäuscht ist folgt vielleicht den falschen Leuten.
@annarose Das mag partiell sicherlich stimmen. Trotzdem verurteile ich auch nicht gleich jemanden, nur weil er einmal daneben gelegen hat. Außerdem hat man auch viel durch die Startseite von Twitter bzw. Nennungen woanders mitbekommen, dazu muss man ja Menschen nicht einmal folgen.
@mischa
Es geht nicht ums “Rechthaben” sondern ausschliesslich um Fakten. (Siehe Link )
@Liz
Du hast Recht, solche Tweets sind wirklich daneben (die Besucher wären selbst schuld..)
Interessanterweise macht das auch OB Sauerland:
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Duisburgs-OB-Sauerland-weist-Verantwortung-von-sich-id3283339.html#derwestenRSS
Kein Anlass über den Tod und das Leben an sich zu philosophieren…
Hier gibt es Fakten und Verantwortliche die Profilierungs- und Gewinnsucht ÜBER die Sicherheit der Ihnen anvertrauten(!) Gäste gestellt haben - und das trotz reichlicher Warnungen.
Die Sache liegt nun in den Händen der Staatsanwaltschaft. Und ich denke unter den betroffenen Eltern wird es ausreichend Courage geben um Rechenschaft und Recht durchzusetzen. Ich habe Kinder (im “Loveparade Alter”) und würde es genauso tun.
signed.
“Schiebt nicht, schreit nicht, drängelt nicht, helft euch auf, sagt was, übernehmt verdammt noch mal Verantwortung.” - sollte zur Maxime jedes Festival-/Eventbesuchers werden.
Mischa trifft es mit seinem Stammtischvergleich doch ganz gut. Heute ist Twitter ein großer Stammtisch, wo man sich über alles auslässt was passiert und dort seine unqualifizierte Meinung abgibt. Das Internet unterstützt leider, das Dinge, die sonst in einer verrauchten Kneipe bleiben, auf der ganzen Welt gelesen werden.
[...] Kategorie: Wir. „Aber deine kurzweilige Emotion kannst du dir ehrlich gesagt sonst wohin stecken, weil sie mich wütend macht.“ Niemals geschlossene Schuhe. [...]
Mal ein grundsätzlicher, liebgemeinter Tipp: BEVOR ein Kommentar abgegeben wird, bitte den dazugehörigen Blogeinträgen auch wirklich LESEN, dann NACHDENKEN und erst anschließend etwas schreiben, das sich dann am besten inhaltlich auf den jeweiligen Eintrag bezieht.
[...] den zum Teil äußerst reißerischen Medienberichten finde ich die Artikel Elisabeth, HD und Sascha nicht [...]
“Wenn es euch so schockiert hat, dann achtet aufeinander, wenn ihr auf Festivals, Konzerten, Autobahnen, Massenaufläufen herumrennt. Schiebt nicht, schreit nicht, drängelt nicht, helft euch auf, sagt was, übernehmt verdammt noch mal Verantwortung…”
Ich war bei der Love Parade nicht dabei, glaube aber, dass es ziemlich schwer ist, so einen Ratschlag zu beherzigen, wenn man in Panik ist und Todesangst hat. Deine Aussage macht die unmittelbar beteiligten Überlebenden womöglich auch nicht ganz glücklich, da darin - zumindest für mich - der Hauch eines Vorwurfs mitschwingt. Haben die in Panik geratenen Menschen verantwortungslos gehandelt? Hätten sie sich “beherrschen” und jemandem in dem Gedränge aufhelfen können? Ich weiß nicht, aber ich denke nein…
Dämliche Betroffenheitslyrik, die das, was da kritisiert werden soll, in den Schatten stellt.
letzter Beitrag auf dieser Seite:
http://plattentests.de/forum.php?topic=51071&seite=2
Den Kommentar kann ich so nur Nachvollziehen wenn die Welt hinter dem Ruhrpott aufhört. Das tut sie aber nicht.
Während wir hier diskutieren, marschieren am Hindukusch Deutsche Soldaten und führen für freien Handel (u.a) Krieg, sterben in Afrika ne ganze Menge Menschen in einem Bürgerkrieg der vom Bedarf der Handyhersteller (u.a.) nach einem Rohstoff befeuert wird (mit Geld), verhungern in ganz Afrika Menschen weil sie nicht am Handel teilnehmen, werden ganze Indigene Stämme in Südafrika ausgerottet, damit Bananen o.ä. angebaut werden können etc. pp.
Ich finde den kompletten Blogpost, in dem von mir beschriebenen Kontext, sehr engstirnig und selbstbezogen (im Sinne von erster Welt). Der Ruf danach mehr Verantwortung zu übernehmen ist für sich allein gesehen korrekt, aber wenn man es genau nimmt war am Samstag eh kein Tag zum Feiern sondern eigentlich einer zum protestieren.
Es ist sehr traurig was bei der Loveparade geschehen ist, viele Leute haben klar ihr Mitleid ausgedrückt, viele dieser Leute wissen auch von was sie reden, diverse Veranstalter haben sich zum Thema geäussert und jede Form des Mitgefühls ist wichtig.
Aber vielleicht auch die Akzeptanz dafür das die Welt sich in einem paradoxen Zustand befindet der nicht mit einer monochromen Welle von Gefühlsäusserungen und eines Konzeptes von Pietät beschreiben lässt. Es geht doch hier auch um Moral, aber wo hört die auf und wo fängt Ignoranz an? Ich weis es nicht, ich will es nur für mich definieren und mich bemühen hier keinem anderen Vorschriften zu machen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_andauernden_Kriege_und_Konflikte
[...] Niemals geschlossene Schuhe von Elizabeth Rank [...]
Aber so sind Menschen nun mal! Berechtigte Fassungslosigkeit, und jawohl, mit Sicherheit echte wie reflexhafte Trauer, Empathie, Neugier, Sensationslust, der Wunsch nach schnellen Lösungen, nach einfachen Urteilen, Besserwisserei stecken in uns allen, fürchte ich (noch weit Schlimmeres steckt in jedem einzelnen von uns, wenn’s soweit ist, da bin ich sicher).
Und vielleicht sollten wir einander einfach mal mit diesem spontanen Reaktionspektrum aushalten und vielleicht auch noch staunend oder meinetwegen kopfschüttelnd die Breite des Spektrums und die Verschiedenheit der darin enthaltenen Farben zur Kenntnis nehmen.
Was ich aber im Unterschied zu twittertypischen spontanen Tweets wirklich entbehrlich finde, sind solche seitenlangen Besserbesserwisserischen Auskotz-Rundumschläge wie diesen hier von Frau Rank auch noch einen Tag später. Das Twitter-Echo bemängeln und dann ein solches Horn stoßen! DAS nenne ich überheblich, distanzlos, respektlos! Und das umsomehr, als es mit einer Mischung aus Meta-Betroffenheit und strenger Vernunft von einer scheinbar höheren Reflektionsebene herabgelassen wird, mit erhobenem Zeigfinger! Das regt mich auf und widert mich sogar an! Das finde ich gar nicht konstruktiv und wenig hilfreich. Das hilft auch den Opfern und ihren Angehöringen, den Teilnehmern und allen anderen irgendwie an dieser Veranstaltung Beteiligten kein bisschen. Darüber will ich mich gar nicht weiter aufregen.
Denn das Versöhnliche kommt ja zum Schluss. Frau Rank hat in jedem Fall Recht, wenn sie am Ende an unsere Achtsamkeit, gegenseitige Aufmerksamkeit und ein starkes Verantwortungsbewusstsein in ähnlichen Situationen, oder einfach nur bei (der nächsten? jeder?) Gelegenheit, appelliert.
In diesem Sinne finde ich ja auch, dass wir alle etwas aus der Sache lernen können. (Wobei ich definitiv finde, dass die Anforderungen an Veranstaltungsverantwortliche deutlich höher zu sein haben als die gegenüber Veranstaltungsteilnehmern.)
Meine eigene erste Phase der unreflektierten Betroffenheit und der vielleicht undifferenzierten und ungerechten Wut auf irgendwen und irgendwas war in dem Moment einer heftigen und wiederum ergriffenen Bewunderung für ungezählte und ungenannte Ersthelfer am Unglücksort gewichen, als in einem Fernsehbericht drei Teilnehmer, einer davon mit dem Handy am Ohr, bei dem verzweifelten, aber wackeren Versuch einer Reanimation zu sehen waren. Auf der Sachebene fiel mir dazu natürlich nur mal wieder ein, wie unbrauchbar meine eigene Ersthelfereignung ist. Und dass ich das ändern will.
Eine kurze, erfolglose Zeit als mittelmäßig engagierter, selbsternannter Disco-Notausgangschecker liegt jedoch schon hinter mir - irgendwie kam ich mir immer so blöd und achja: besserwisserisch (!) vor, wenn ich das gänzlich uninteressierte Personal auf den abgeschlossenen oder als Getränkelager verstellten Hinterausgang hinwies… - Aber Halt - demnächst kann ich ja Lisa fragen, was zu tun ist! (Ups, jetzt war ich zum Schluss ja doch noch mal böse.)
Mischa hatte es ja oben bereits erwähnt: Ich kann die Gedanken nachvollziehen und verstehen, teile sie aber nicht im geringsten.
Selbstverständlich äußern sich die Menschen auf Twitter, dazu ist es da. Sie tun dies genau wie im echten Leben: Uninformiert, unreflektiert, oft nichtssagend, banal, oft unpassend, oft auch polemisch oder gar hetzerisch, schrecklich unter Niveau, manchmal aber doch… weil so sindse, die Leute und Twitter reflektiert das einfach nur. Frei nach Schwenzel: Twitter ist scheiße, weil der Mensch scheiße ist.
Deshalb finde ich es aber ebenso grandios. Auch in Situationen wie gestern. Und hey, ich habe natürlich erstmal Mutti angerufen und ihr erzählt, dass ich nicht auf der LP war. Was ändert das an Twitter? Nix.
Und ja, wäre ich da gewesen, würde ich mich durch den ganzen Wust wühlen, der online verfügbar ist. Und wäre ich anders drauf, würde ich das nicht tun. Aber den Leuten vorwerfen, dass sie frei Schnauze auf Twitter über sowas reden? Sorry, aber das ist genauso albern wie die Relevanzdebatte, die Journalisten mal über das Internetz lostreten wollten. ;)
Bin sehr berührt von deinen Worten, die mir aus der Seele sprechen.
Ich habe als 11-jährige in Frankreich in der Schule, wo bei der Essensausgabe immer gedrängelt und geschubst wurde, mal für einen Moment gefühlt, wie es ist, keine Luft zu bekommen und nicht vor oder zurück zu können, bis endlich die Türen zum Spreisesaal aufgehen. Es kam mir ewig vor, größere Schüler haben sich über mich lustig gemacht und ich musste prompt an diesen Vorfall (den ich ganz weit verdrängt hatte) gestern denken.
Ich würde deswegen immer versuchen nach hinten die Botschaft zu geben doch “bitte nicht zu schieben!!!!”
Hat jemand die 0 gewählt?
Und im nächsten Post geht es wieder um Regale. Oder Kunstausstellungen in Berlin Prenzlauer Berg. Und Tanzen im Schaufenster mit Weißwein in der Hand. Alles echt in 3D und Farbe. Es stimmt: Du bist nicht diejenige, die sich über Twitter Luft verschafft hat, losgetreten hat wie betroffen man doch jetzt scheinbar sein muss. Nehme ich dir sofort ab, wenn ich deinen folgenden Beitrag lese. Denn du hast ja ausnahmsweise mal das Vogelgezwitscher ausgeschaltet und bist Kunst kaufen gegangen. Was ich dir nun leider überhaupt nicht mehr abnehmen kann, ist dieses Wort zum Sonntag hier. Mal im Ernst – du bist kein Deut besser, nur weil du nicht alle Nase lang getrötet hast wie schlimm das ist und du heuchelst auch keine Betroffenheit, nein, das tust du nicht. Viel lieber gehst du einen Schritt weiter und hältst dich für jemanden der glaubt, es besser machen zu können in dem er an den gesunden Menschenverstand appelliert und dabei selbst bloß Leute an den Pranger stellt. Denn du warst doch genauso wenig bei den Geschehnissen dabei und mischt dich – wenn auch auf eine andere Art und Weise – trotzdem ein. Mit diesem Beitrag hast du doch auch nur an dich im rechten Licht gedacht. Applaus Frau Rank.
[...] Rank findet die passenden Worte dafr, warum Katastrophen wie die in Duisburg das Schlimmste an Twitter zutage [...]
“Es ist nur verständlich, wenn schon unmittelbar nach solchen Tragödien Schuldzuweisungen vorgenommen werden, auch wenn die am Ende möglicherweise gar nicht haltbar sind. Menschen wollen Klarheit haben. Die Welt soll eingeteilt sein in Schwarz und Weiß. In Gut und Böse. Richtig und falsch. Schuldig und unschuldig. Und so ist die Suche nach den Schuldigen dieses Unglücks auch so etwas wie der Wunsch nach eindeutigen Wahrheiten. Wir wollen verstehen, was vielleicht am Ende gar nicht vollständig zu verstehen ist.
Das gilt ganz besonders für die Augenzeugen und Überlebenden und für die Angehörigen der Toten. Wenn Klarheit besteht, wie und warum etwas passiert ist und wer verantwortlich gemacht werden kann, lässt sich (vielleicht) etwas leichter damit leben. Doch manchmal gilt wohl auch: Dinge geschehen! Einfach so! Wo Hunderttausende zusammenkommen, ist nicht jede Entwicklung vorhersehbar. Das ist kein Trost, aber wohl die Realität.”
Quelle: Nordwest-Zeitung (http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Meinung/NWZ/Artikel/2392882/Fatale+Dynamik.html)
[...] schlimme Ereignisse erwischen mich mehr als andere. Mir geht es ganz so, wie Lisa das hier aufgeschrieben hat. Auch Sascha hat das gut beschrieben. Ich fand es unangemessen, am Wochenende etwas zu [...]
@Kristin
Ich stelle niemanden an den Pranger. Und ich verbiete auch niemandem seine emotionale Äußerung. Was mich nervt, sind pietätlose Bemerkungen, Witze und geheuchelte Bestürzung, nur um etwas zum Thema zu sagen, und nicht aus ehrlichem Gefühl heraus. Man kann das oft ganz einfach unterscheiden.
Wenn man schon von Heuchlerei schreibt, dann wird ganz gern vergessen, dass jetzt im Moment gerade Kinder an Hunger sterben. Und das auch deshalb, damit wir im Überschuss leben können und uns bei Ikea für 2 Euro einen handgeknüpften Teppich kaufen, ohne zu fragen, wie viel der/die Knüpfer daran wohl verdienen. Erst wenn das Schrecken kurz vor der Haustüre ist wird Betroffenheit deutlich. Wie geht das? Ich kann mir das nur so erklären, dass die Menschen nicht wissen, was auf der Welt los geht. Oder aber sie ignorieren es. Vielleicht auch aus Selbstschutz. Das ist der Grund, warum ich bei dieser plötzlichen Massentrauer immer ein mulmiges Gefühl im Bauch habe. In der Haut der Angehörigen möchte ich jetzt nicht stecken. Traurig.
Twitter ermöglicht es vor allem Hollywoodstars schnell und öffentlich ihr Bedauern über den Tod anderer Hollywoodstars mitzuteilen.
Stellt euch mal vor, es hätte 1912 schon twitter gegeben…
“OMG, Titanic, iceberg WTF?!?!”
Twitter ist ein schlechtes Medium für Mitgefühl.
“Aber deine kurzweilige Emotion …Deine Distanzlosigkeit kann ich nicht ertragen.”
Word! Du sprichst mir aus der Seele. Danke.
Schon lange kann ich diese Heuchlerei und Klugscheisserei im web nicht mehr ertragen. Es ist zum kotzen…
sorry. ich finde den post nicht so gu, eigentlich ist am anfang alles gesagt: “Und ich möchte bewusst nicht darüber urteilen, weil ich kein Experte bin, weil ich nicht dabei war und weil es andere gibt, die es besser können.”
die experten auf die du hier hoffst, haben das ja so verbockt. und imho muss, darf und soll man das auch sagen. dass, da im ersten moment nicht die große meta-reflektion kommt ist klar, solche ereignisse müssen erst mal verarbeitet werden.
aber die leute, denen das ereignis aus welchen gründen auch immer nachgeht, pauschal als heuchler oder idioten zu diffamieren ist eigentlich keine hilfe.
Twitter ist in solchen Momenten einfach ein Spiegel dessen was “im Wohnzimmer” passiert: “Mein Gott ist das schrecklich! - Schatz, das Essen ist fertig.”
140 Zeichen geben nicht viel her, da wirkt vieles platt und herzlos. Menschen wollen aber die Information, den Austausch, den “Schuldigen”. Und sie wollen sich Luft machen. Manche sofort, andere später. Die Frage nach einem “Warum” hat wohl jedermann beschäftigt. Das “Warum” nährt die Wut, diese fordert einen Schuldigen. Sind Sie davon gänzlich frei gewesen?
Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der keiner Verurteilung bedarf. Manche halten inne, andere nicht. Man kann es lesen, man kann es ausmachen.
Man kann natürlich auch darüber berichten, wie sehr einen viele Tweets gestört haben.
Man sollte sich aber davor hüten, dabei die eigenen Maßstäbe an “Pietät und Anstand” zur moralischen Instanz zu erheben.
Menschen anhand ihrer Twitter-Kommentare hinter die Stirn blicken zu wollen ist so verlockend wie töricht. Lesen Sie ihren Text noch einmal: ohne es konkret zu benennen, versuchen Sie die Reaktionen in gut&böse/falsch&richtig zu kategorisieren und leiten dann daraus Verhaltensforderungen ab.
Meinen Sie, dass Ihnen das zusteht?
Hinter jedem Tweet verbirgt sich eine Befindlichkeit, eine Tageslaune, die aus der “Entfernung” garnicht zu erkennen ist.
Das Leben ist nicht schwarz oder weiß, gut oder böse. Weder im Alltag, noch im Angesicht der Tragik eines Unglücks.
Für sich daraus als Konsequenz die genannten Verhaltensregeln beherzigen zu wollen ehrt Sie sicherlich. Pauschalisierungen und ein erhobener Zeigefinger tun dies jedoch nicht.
@fk
Wenn es Leuten ehrlich nahegeht, habe ich nichts dagegen. Ich habe etwas gegen dumme Schnellschussschuldzuweisungen, blöde Witze und pietätlose Besserwisserei.
@Nerddeutschland
Wenn sich Menschen aufspielen und meinen, aus der Ferne Experte für so ein Unglück zu sein, dann regt mich das auf. Wenn sich jemand hinstellt und überheblich meint, das sei ja klar gewesen, dann ärgert mich das. Wenn dann noch jemand sagt, da seien alle selbst schuld, dann rege ich mich auf. So ist das.
[...] reflektiertes Gedankengut nach einem Verdauungsprozess gepostet. Twitter IST die Verdauung. (…)Zitat: YetusedObwohl jeder von uns auch Verkehrsteilnehmer ist, gehen uns Todesfälle bei einer [...]
[...] Niemals geschlossene Schuhe var flattr_wp_ver = ‘0.71′; var flattr_uid = ‘zimtsternin’; var flattr_cat = ‘text’; var flattr_tle = ‘Word.’; var flattr_dsc = ‘Wenn ihr so geschockt seid, so fertig, achso betroffen, ihr, die ihr nicht dabei wart oder in irgendeiner Weise mit den Geschehnissen verbunden seid, trötet nicht alle Nase lang, wer Schuld hat, wer nicht, wer böse ist und wer gut, wer wie hätte, könnte, wollte - sondern helft mit, dass so etwas auf anderen Veranstaltungen nicht noch einmal passiert. Wenn es euch so schockiert hat, dann achtet aufeinander, wenn ihr auf Festivals, Konzerten, Autobahnen, Massenaufläufen herumrennt. Schiebt nicht, schreit nicht, drängelt nicht, helft euch auf, sagt was, übernehmt verdammt noch mal Verantwortung und glaubt nicht, dass die Welt besser wird, nur weil sie jetzt weiß, dass ihr Nachrichten geschaut habt und es euch zur Abwechslung doch mal berührt hat. Weil auch ihr das hättet sein können. Genau ihr hättet da stehen und hinfallen können. Vielleicht ist das der eine Gedanke, der euch wenigstens für einen Tag mal zum Schweigen bringt. Zum Innehalten. Zum Gedenken. Und zum Bessermachen. Niemals geschloss’; var flattr_tag = ‘Blogosphäre,zitiert’; var flattr_url = ‘http://zimtstern.in/2010/07/26/word/’; var flattr_lng = ‘de_DE’; var flattr_btn = ‘compact’; [...]
danke für diesen text. ich bin gestern sehr erschrocken, ob der pietätlosigkeit und kaum hatte ich den gedanken “mal sehen, wann der erste witz darüber getwittert wird!” im kopf, stand schon einer da. ich weiss nicht, was in den köpfen der leute vor sich geht. wohl offensichtlich nicht viel……
Ich bin da ganz bei rené bzw. Mischa.
Was ich auch beim entsprechenden Artikel bei Spreeblick losgeworden bin:
Leider haben die meisten publizierenden Menschen noch nicht verstanden, dass die neuen Instrumente sich mitzuteilen (von Blogs über Twitter bis zur gemeinen Statusmeldung bei Facebook) eben in erster Linie abbilden, wie Menschen auch im “realen Leben” kommunizieren. Es gibt Idioten (viele), kluge Stimmen (wenige) und eine Menge unreflektierter, aber psychohygienisch wichtiger Kommunikation, auf die man natürlich lieber verzichten würde. Aber wenn ich jetzt auf die Straße gehe und wahllos Menschen nach ihrer Meinung zu den tragischen Vorfällen vom Wochenende befrage, will ich gar nicht wissen, wie viel Schrott ich neben angemessenen Kommentaren ich höre. So eben auch online. People are People, leider, überall.
Viel schlimmer als alle Fehlgriffe von Onlinern finde ich die standardisierten und darin mehr als verlogenen öffentlichen Phrasen der sog. Offiziellen. Darüber sollte man sich mokieren.
Frau Rank, sind Sie schon einmal in einer Masse von Menschen gesteckt und zwar so, dass eine selbstbestimmte Bewegung, in welche Richtung auch immer, unmöglich war?
Wenn Sie schreiben:
“Schiebt nicht, schreit nicht, drängelt nicht, helft euch auf, sagt was, übernehmt verdammt noch mal Verantwortung…”
dann klingt das nach Abwälzung von Schuld auf den Einzelnen.
Es ist aber für den Einzelnen in der beschriebenen Situation schlicht nicht möglich, Verantwortung zu übernehmen, weil der Einzelne der Dynamik der Masse hilflos ausgeliefert ist. Wer das Gefühl hat, zwischen oder unter den Körpern der andern zu ersticken, soll nicht schreien? Soll nicht drängeln? Soll bitteschön nicht in Panik geraten?
Die Veranwortung ist ganz klar bei den Veranstaltern zu suchen, bei den Behörden, bei der Stadtverwaltung. Wer so eine riesige Veranstaltung plant, übernimmt enorme Verantwortung (schließlich erhofft sich derjenige auch Profit).
Damit ist auch die Frage beantwortet:
“Wie kann bei über einer Million Menschen nur einer die Schuld haben?”
Die Teilnehmer an solchen Events müssen schließlich davon ausgehen dürfen, nicht durch die Fahrlässigkeit der Organisatoren gefährdet zu werden. Genau das passiert aber, wenn eine Million Menschen auf ein Gelände geschleust wird, das nur einen Bruchteil davon fassen kann, und das auf einem Zugang ohne Fluchtwege!
Ich bin zwiegespalten.
Dem Teil über twitter (und andere Status Meldungen) stimme ich größtenteils zu, man hatte teilweise den Eindruck, dass viele im Grunde nur sagen wollten: ich war dabei! Und das hat mich auch übel angekotzt.
Ich habe es trotzdem verfolgt und immer wieder die Status Meldungen aktualisiert und bei jedem noch so bescheuerten Statement war ich auch erleichtert, denn es hieß ja immerhin dass der oder diejenige heil nach Hause gekommen ist.
Dem Teil über die Achtsamkeit kann ich genau wie die andere Judith nicht ganz zustimmen.
Ich wohne in Duisburg, ich habe gesehen wie viele Menschen unterwegs waren überall in der Stadt, schon bei der ersten Sperrung (weit vor dem Aufgang zum Gelände) war das Gedränge sehr heftig. Den Menschen zu sagen sie sollten aufeinander achtgeben ist zwar grundsätzlich immer richtig, aber ab einem bestimmten Punkt ist es nicht mehr möglich und dieser Punkt ist leider erreicht worden. Für die Leute die da nicht mehr *achtsam* sein konnten ist es umso traumatischer.
Judith
Hatte beim Amoklauf in Winnenden ein ähnliches Bedürfnis, Twitter “abzuschalten”. Hier meine damaligen Gedanken dazu: http://www.blogille.de/2009/03/11/warum-ich-eine-twitter-pause-einlege/
“Und was interessiert es jemanden, dass du schreibst, dass du gerade vor Schreck Schluckauf bekommen hast”
Und was interessiert es jemanden, dass Du Dich fragst, was es wohl jemanden interessiert, dass jemand anders…
“Vielleicht ist das der eine Gedanke, der euch wenigstens für einen Tag mal zum Schweigen bringt”
Nur weil der Text länger ist als 144 Zeichen, ist er noch lange nicht qualifizierter
Mal als Nachtrag zu meinem Eintrag::
Ich schrieb am 25. Juli 2010 um 4:48 pm:
“Und das ist hier, in Teilen schon jetzt nachweislich, nicht passiert. Und das darf man anprangern, denn sonst passiert ähnliches wie schon so oft: NICHTS.
Alles geht weiter wie bisher und bei einer Loveparade wird nie wieder etwas passieren (wie auch, wenn es sie nicht mehr gibt). Aber alle werden sagen, wir haben aus den Fehlern gelernt und diese Art von Veranstaltung abgesägt, anstatt die Planungen zu verbessern und so das Übel an der Wurzel zu packen.”
Heute morgen OB Sauerland im Interview (http://www.wdr.de/radio/wdr2/moma/566949.phtml) (Ab 2:24):
“Was würden Sie anders machen bei der Plaung der Loveparade?”
“Es wird keine neue Loveparade geben und im Nachgang blickt man immer auf solche Ereignisse anders zurück.”
Auf Gut Deutsch: “Hinter ist man immer schlauer, was solls, die Sache ist durch, kann man nix machen.”
Danke!
[...] “Niemals geschlossene Schuhe” (Elisabeth Rank) Es ist interessant, dass wir bei keiner Tragödie ohne die Schuldfrage auskommen. Wir brauchen Terroristen bei Anschlägen wie Olympia 1972 oder beim World Trade Center 2001, gegen die man dann konternd einen sehr sichtbaren Krieg führen kann anstelle der realen komplexen und dekadenlange Dynamiken, die irgendwann zu bösen Konsequenzen führen, wir brauchen selbst bei Naturkatastrophen Verantwortliche, und seien es nur die gewählten Politiker, die dann nicht schnell genug reagiert haben oder nicht kompetent genug waren. [...]
Twitter, Tweet… shit. Betroffenheit heucheln, übers leckere Eis schwätzen, sich über Heuchlerei und ego tweets beschweren. Irgendwie kommt es doch auf’s Gleiche heraus. Ich finde Heuchlerei auch schrecklich und kann diesen Aufschrei sehr gut nachvollziehen. Doch die Wut gegen “Dich”, gegen “Euch” und der Aufruf an uns alle scheinen mir genauso unkontrolliert und unbedacht wie das, was Du kritisierst. Die virtuelle Welt ist schnell. Noch schneller ist Twitter. Wenige Zeichen, wenig Zeit. Mehr Zeichen, wie man hier sieht, bedeuten nicht automatisch weniger Distanz oder mehr Emotion. Du fühlst mit. So viel ist offensichtlich. Du schaust um Dich und über Deinen Tellerrand. Doch zu glauben, Du könntest einfach so auf anderer Leute Teller schauen, ist anmaßend. Dein Aufruf zu mehr Gegenseitigkeit andererseits wundervoll.
Tweets sind doch wie Rotz. Ich hab das was, das rotz ich raus. Einfach so, weil mir so ist, es muß raus und es muß schnell gehen. Und möglichst viele sollen das Taschentuch sein (und den Rotz lesen). Nein, es geht nicht um Austausch, es geht nur um MEINE freie Nase.
Gehaltvolles oder gar Reflektierendes von rotzenden Egoisten erwarten?
*pruuust*
Vielen Dank..einfach weil es genau so ist!
Danke, Lisa!
DANKE!!
Ähnliches dachte ich, als ich gestern in einem Forum las, dass es Menschen gibt, die bereits über eine Loveparade 2011 reden, während zeitgleich im Krankenhaus das 20. Opfer seinen Verletzungen erlag.
Aber man kann nie alle über einen Kamm scheren. Für viele ist Internet inzwischen ein Medium, Gedanken und Gefühle zu teilen. Für manche ist es sicher auch eine Art, mit der ganzen Sache irgendwie klarzukommen. Einen Moment innehalten, schockiert sein, trauern… und so makaber es klingen mag, sich danach schnell abzulenken, nicht zuviel Trauer auf einmal zuzulassen.
Man kann auch niemandem einen Vorwurf machen, wenn er jemnd anderem nicht geholfen hat. Weil viele Menschen geholfen haben, andere gerettet haben. Weil viele Menschen anderen helfen wollten, aber nicht konnten. Wenn die Panik überhand nimmt, dann schaltet der Verstand aus, dann gibt es nur noch den Instinkt: “Raus!” Und nur schwer fällt es, diesem Instinkt zu widerstehen.
Wenn die Tweets dich stören… keiner muss sich das antun, wenn er nciht will… ich hab kein Twitter und ich weiß auch, wieso.
Es gibt kein “richtig” und kein “falsch” in einer solchen Situation, aber ich gebe zu, ich habe mich gestern auch ausgekotzt. Das Maß war einfach voll. Auch wenn ich weiß, dass das Verhalten rund um solche Katastrophen immer dasselbe sein wird, hat es mich dennoch negativ berührt.
Ich finde es schade, dass wir es anscheinend nicht mehr können, das betroffene Schweigen.
http://bit.ly/sound_of_silence
Schlimm, dass es menschlich ist!
Nun, da haben wir plötzlich so ein Unglücks-Event und sind als Duisburger, als Ruhrpottler, als NRW-ler, als Deutsche, als jemand der von 11 bis 14 Uhr dort war, oder den Plan hatte, dorthin zu fahren, oder evtl. kannten wir auch nur jemanden, der vor 4 Jahren mal auf der Parade war - was bin ich nochmal? … achja … ich bin ja durch meinen account bei soundso.de praktisch mitten drin.
Das Thema ist freigegeben zum Abschuss - jeder, der Persönlichkeit zeigen will, kann jedem, der dort Persönlichkeit zeigt, mitteilen, was ihn ausmacht und bewegt.
mitzekatze69 schreibt: “hoffentlich finden alle, die dort waren, einen weg, damit umzugehen”.
hotben_achen antwortet: “das finde ich auch u. die verantwortlichen sollten alle im knast landen”.
Und hunderte Menschen sitzen daneben, schütteln den Kopf und kloppen eine Stunde Lebenszeit nach der anderen platt.
Das ist menschlich - vor 100 Jahren traf man um 18 Uhr zu dritt und sprach über die Abgaben, die man zu leisten hatte. Heute sitzt man rund um die Uhr vor einem 21″-Monitor u. fühlt sich als Mensch wahrgenommen, wenn sich jemand 5 Sekunden die Zeit nimmt, Dir ein “fühl dich gedrückt” schickt.
Immerhin teilen sich die Menschen hier noch mit u. andere Menschen nehmen das auch war. und nach 4 stunden gehen alle woanders hin u. haben das Gefühl - ich bin, weil ich einen account habe.
Letztendlich muss jetzt einfach geschaut werden wer Schuld ist und wie man das in Zukunft vermeiden kann. Traurig ist es natürlich.
Richtig gut - Danke !
Hallöchen ihr alle…so ich habe bisher immer meinen mund gehalten und stillschweigend zu hause gesessen und mitgetrauert und mir sehr viele kommentare angeschaut, die echt unter die gürtellinie gingen.
man kann keinem einzelnen die schuld daran geben, was geschehen ist ist geschehen auch wenn es nicht hätte sein müssen.
ich wäre auch eigentlich bei der loveparade dabei gewesen, wenn ich nicht auf einen geburtstag eingeladen gewesen wäre und ich bin sehr froh das ich nicht da war.
denn auch ein netter, junger mann aus meiner stadt, dessen name mir bekannt war, ist dabei umgekommen.
nur man kann ja wohl am allerwenigsten den besuchern die schuld daran geben. ich würde dahin gehen um zu tanzen, meinen spaß zu haben und würde mir doch im voraus niemals gedanken darum machen, ob da eine massenpanik ausbricht und mir etwas passieren könnte, schließlich verlässt man sich auf die organisatoren.
und jetzt soll mir mal bitte einer beantworten, wie man in so einer menschenmenge, wo man sich selber kaum noch auf den füßen halten kann, jemand anderes vom boden hochziehen soll. es ist eine sehr heikle situation und man kann da auch nicht von egoismus sprechen, denn schließlich bangt man in dem moment um sein leben!! man ist emotional überfordert und weiß gar nicht was man machen soll…
ich empfinde einfach nur mitleid mit den angehörigen der verstorbenen und bin froh das alle meine bekannten heile da raus gekommen sind und ich nicht da war.
und ob eine loveparade noch einmal statt finden sollte ist eine ganze andere frage, denn zuvor ist so etwas noch nicht vorgekommen und ich denke es ist mittlerweile allen klar das der platz nicht geeignet war und woanders sowas nicht passiert wäre…das schicksal spielt oft übel mit…
nur so langsam wird das thema etwas hochgespielt oder werden nun auch überall foren darüber eröffnet das heute morgen ein flugzeug mit 150 passagieren abgestürzt ist?? darüber wird nichts gesagt und dabei sind weitaus mehr menschen ums leben gekommen….
lg und alles gute an alle betroffenen…
Ich gebe den BesucherInnen nicht die Schuld. Niemals.
Vielen Dank für diesen Beitrag - Du sprichst mir aus der Seele
[...] gute Beiträge zu diesem Thema und der Loveparade im Allgemeinen: http://mevme.com/lizblog/niemals-geschlossene-schuhe/ http://www.ruhrbarone.de/update-loveparade-der-zombie-der-ruhrburokraten/ Dieser Eintrag gehört [...]
Ein Jeder geht doch mit so einer Tragödie anders um !!
Ixh twittere auch, und schreibe auf anderen Internet Portalen,
aber ich schreibe Kurz Infos - sachlich präzise.
Ich muss meine Empfindlichkeiten nicht jedem aufs Auge
drücken.
Was mich persönlich bei Twitter und Co stört ist eine
leider auffallende niveaulose Wortwahl - egal um welches Thema
es geht, da werden Wörter geschrieben, vorher natürlich gedacht,
woanders wohl laut ausgesprochen.
Beispiele muss ich jetzt hier wohl nicht schreiben.
Respekt wird auch nicht mehr gross geschrieben !
[...] Ich hätte dann, weil ich inmitten von Meedias Enthüllungsstory noch eine journalistisch fragwürdige Anzeige eines deutschen Verlagshauses entdeckt hatte, noch etwas über PR und Journalismus oder so und ein Sommerloch gesagt, das leider keines mehr ist. Und jetzt ist ja auch noch Kachelmann auf freiem Fuß! Aber manchmal ist es vielleicht besser zu wissen, wann man einfach mal nichts sagt. [...]
[...] hat zwei wunderbare Konzerte gegeben. Der Juli waren Hundreds & Fanfarlo. Die Loveparade ist passiert. Und ich habe damit begonnen, jeden Tag ein Foto zu machen. Der weiße See war meine [...]