Nachbarn.

Kitchen View

Nach dem Joggen hängt er seine Schuhe raus. Er hängt sie nicht wirklich, sondern steckt sie in den kleinen Spalt zwischen Geländer und Rollo, das ist kein Balkon, das war noch nie einer. Und wenn er schaut, ob sie noch da sind, kann ihn jeder sehen, der aus dem Netto kommt. Wie er da steht in dem Unterhemd und raucht und schaut, ob seine Schuhe noch da sind. Und jeder, der aus dem Netto kommt, kann sich fragen, ob er jemanden hat, der ihn anruft und hört, dass er raucht, und auch hört, dass er gerade vom Laufen kommt, ob er jemanden hat, der ihm sagt, dass das nicht so gut ist für seine Krampfadern und all diese Dinge.

Er hat mein Paket angenommen. Erst wusste ich nicht, wo ich suchen sollte, dann habe ich herausgefunden, wo er wohnt und nach der Arbeit geklingelt, er wohnt gleich neben Netto und in seinem Hausflur riecht es nach Krankenhaus. Es sieht sogar nach Krankenhaus aus, denn der Fahrstuhl ist das Erste, was man sieht, wenn man unten ins Haus hineingeht. Man muss erst um zwei Ecken, um zur Treppe zu gelangen, es gibt keine Fenster, nur irgendwo oben unter dem Dach. Ich klingelte unten und wartete. Es dauerte eine Weile, bis er sich meldete und mir sagte, er wäre im ersten Stock rechts und dann ging ich hinein durch diesen Krankenhausflur und nahm nicht den Fahrstuhl sondern die versteckten Treppen und machte mich ein wenig auf alles gefasst. Er brauchte auch an der Tür eine Weile, denn er schob einen Rollator, aber er lachte, irgendjemand war noch in seiner Wohnung und er hielt sich nur mit einer Hand fest, als er mein Paket vom Boden nehmen wollte. Ich kniete mich hin, es standen fünf Pakete dort in seinem Weg, alle auf seinem Teppich vor seiner Wohnungstür, sodass er jedes Mal einen Umstand hatte, wenn er aus der Wohnung wollte. Aber er ist einer von denen, die immer da sind. Und wenn jemand klingelt und kommt, dann freut er sich. Er braucht eine Weile, aber er freut sich.

Er übt Keyboard und Gitarre. Wenn er Keyboard übt, macht er sich dazu einen von diesen voreingestellten Beats an und übt immer und immer wieder diese eine Melodiefolge. Auf der Gitarre klimpert er nur so herum, schronk schronk dängeldäng. Und manchmal nachts hört er die Toten Hosen bei offenem Fenster, in seinem Flur hängen Schals über einer Leiter, ganz viele Schals und wenn man ihn im Hausflur trifft, ist ihm das Bier in seiner Hand unangenehm, er lacht dann nicht, aber der Freund, den er dabei hat, der lacht. Der bleibt auch stehen und lässt einen vorbeigehen, während er nur den Blick senkt und das Bier hinter seiner Hose versteckt. “Lagwagon” oder “Leberwurst” - eines dieser Netzwerke ist bestimmt seines.