MV tut gut! - Auf dem Weg in Richtung Heiligendamm

7.Juni 2007. 9:56 Uhr. Tankstelle Prenzlauer Allee. Die BILD titelt mit den Löchern im Unterwasserzaun, Wagner schreibt dazu, dass friedlicher Protest mit Liebe und Romantik ja eigentlich eine feine Sache sei, denn “unsere Babies sollen nicht husten“. Zudem gibt es ein Bild von einem Kleinkind, das vor einer Reihe von Polizisten im Sand buddelt. Bildunterschrift: “Verantwortungslos!“. Frage, die sich die Radio-Eins-Moderatoren in diesem Moment zurecht stellen: “Gibt es einen sichereren Ort für ein Baby?”
Später. Neben uns fährt die Bundeswehr mit blauen Fähnchen in Kolonne. Wir hören das leider schlechte Coveralbum von Erdmöbel und ich muss daran denken, dass dies wohl beim Plötzlich-gehen-wir-alle-total-gerne-auf-Bad-Taste-Parties-Magnet-Club-Publikum super ankommen würde. Da kommt das meiste ja super an, wenn man es richtig dreht und wendet. “Eigentlich traurig“, sagt Sebastian am Steuer. Links und rechts nur Felder, Wälder und Windräder.

10:45 Uhr. Neben uns Polizeiwagen aus Berlin. Jeder Polizist hat ein Auto ganz für sich allein. Shuttle-Service?
10:56 Uhr. Wir sind offiziell in Mecklenburg-Vorpommern. “MV tut gut!” steht auf dem Bundeslandseingangsschild. Sebastian auf der Rückbank will in Richtung Bad Doberan. Und wir fragen uns, wie weit wir wohl kommen. Bin mal wieder müde.
11:06 Uhr. Auf der Gegenfahrbahn fahren große Polizeiautos Absperrungszäune weg. Was soll uns das jetzt sagen?
11:14 Uhr. In Linstow ist gleich eine Polizeistation neben der Autobahn. Die Jungs in Uniform machen sich bereit und springen Zickzack auf dem Parkplatz. Im ansässigen Autobahnhotel ist kein Platz mehr für Leute, die kein Grün tragen.

11:23 Uhr. Bei Glasewitz sieht man den ersten Hubschrauber am Himmel.
11:31 Uhr. Links und rechts tauchen immer mal wieder und recht gehäuft grüne Autos auf. Sie stehen hinter Gebüsch und Gebäum. Wir würden´s wahrscheinlich gar nicht merken, wenn es immer so wär.
11:36 Uhr. Kreuz Rostock. Kolonnen. Wir hören Nachrichten auf NDR Info. Man habe heute schon Straßenblockaden aufgelöst und einen Sternmarsch verhindert. Zu den grünen Autos gesellen sich jetzt auch blaue Autos am Fahrbahnrand. Sebastian auf der Rückbank hat eine Deutschlandkarte gekauft und rupft den Ostseeteil heraus. Für die Hosentasche.
11:40 Uhr. “Das war gerade ein Münchner Polizeiauto!” (Sebastian von der Rückbank). Zudem landen wir an einem mautpflichtigen Straßenabschnitt. Es gibt eine Zählmaschine. Daneben steht eine junge, blonde Frau in Leuchteweste, die sagt: “Warten Sie. Ich werf das Geld für Sie da rein!“. Na Dankeschön.
Von jetzt an sind die Uhrzeiten nicht mehr wirklich voneinander zu unterscheiden. Netto hat jedoch von 1.-9.Juni extra lange Öffnungszeiten. Und das ZDF zeigt uns den Weg. In Elmenhorst und Nienhagen ist Idylle pur. Nur alte Leute mit oder ohne Fahrräder und ein paar Hubschrauber im Tiefflug. Hinter Nienhagen und dem kleinen Waffengeschäft ist dann Schluss. Sitzblockade und Polizei. Sebastian von der Rückbank schnappt sich seine Wasserflasche und stiefelt los. Wir drehen um und fahren zurück nach Rostock. Was wir dort wollen, erzähle ich später…
Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Juni 2007 um genau 17:30 Uhr.
Kategorie : Blicke
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