Mittagsschlaf

Wir haben uns unter die Bäume gelegt, so wie die Blätter es schon seit einer Weile taten, nachdem sie sich noch einmal geschminkt und angemalt hatten. Schnell schnell, bevor der Winter kam. Wir haben die Schuhe ausgezogen, die Schals abgelegt und den Kopf in den Nacken. Dabei zugesehen, wie die Eiche noch mit sich haderte, noch kämpfte (die Kastanie hatte ihr Gesicht schon verloren), aber auch Stück für Stück ihren Ballast abwarf, damit bis zum Jahresende alles von dannen ist. Alles vorbei.
Den Blumen gaben wir Wasser aus der Pfütze, noch war das alles anfassbar, greifbar, trinkbar, bevor es dann ein zwei Monate weiter erstarrte, um sich nicht immer und immer rechtfertigen zu müssen. Dann gucken die Leute nur noch und grabschen nicht mehr danach, weil es ihnen zu kalt ist. Wir lagen und sprachen nicht, das war alles nebensächlich (Was hätten wir auch sagen sollen?). Und die Äpfel aus meiner Jackentasche lagen rot und rund in unseren vernarbten Händen. Wir haben uns unter die Bäume gelegt und standen nicht mehr auf.
Sie haben uns unter die Bäume gelegt, so wie die Blätter es lange nicht mehr taten. Ein paar hatten sich geschminkt, die meisten sich nicht getraut. Streifen auf blasser, weißer Winterhaut gelten noch nicht als schick oder vornehm. Da lässt man lieber weg, was später verlaufen könnte. Sie haben uns Schuhe angezogen und Schals umgelegt, jedes Kinn stieß unweigerlich auf eine Brust und alle Haare fielen in Strömen. Einer nach dem anderen warfen sie ihre Blumen, die standen auch nicht mehr auf.
Wir saßen auf dem Baum, hielten uns an den Händen und sahen ihnen beim Vergessen zu.
Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Oktober 2006 um genau 22:06 Uhr.
Kategorie : Blicke
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