Maul jetzt.
Sie machen mich wahnsinnig. Ich tigere und lausche, springe und sprinte in meinem Zimmer umher, in einen dicken Schal und zig Jacken gewickelt, der Kopf ist rot und die Füße bestrumpft, das Nachtschränkchen voll mit Medizin, alles konnte ruhig und entspannt der Gesundheit entgegen und von statten gehen. Wären da nicht diese Nachbarn..

Ich weiß ja nicht einmal, wer es ist. Ob oben, unten oder im Nebenhaus. Ich weiß, dass es die Frau mit Hund nicht ist, denn die klingt greller, schriller und näher dran. Das hier ist ein ständiges Fernsehgebrabbel, das klingt, als stünde ein kleiner Apparat in einem leeren, mit Metall ausgekleideten Raum, auf volle Pulle gedreht und ohne auch nur einen geringsten Dämmwiderstand in der Nähe. Man kommt sich so beknackt vor, wenn man mitten in der Nacht aufwacht, Fieberkopf, Taschentuch, Wasserflasche und dann ist es da wieder: das Geräusch. Dieses permanente, nicht unleise Labern, dazwischen das Plingpling der Werbeblöcke, kurze Stille und dann das geifernde Ziiing, wenn etwas Spannendes in einem Film passiert. Meine Ohren wollen kotzen. Und Ruhe.
Vielleicht breche ich mir ja den Hals, wenn ich -mich vom Balkon reckend- zu eroieren versuche, welche Fenster des nachts bzw. in aller Herrgottsfrühe noch beleuchtet sind. Vielleicht breche ich mir auch die Beine, wenn ich mich dann doch mal traue, die Treppe hinunter zu watscheln in meinen Puschen, auch auf die Gefahr hin, dass es gar nicht von unten kommt, weil man in diesen Altbauen an jeder Wand horchen kann und alles ist gleich laut. Das Geräusch und Brummen kommt von allen Wänden so scheint es. Außer von der Nachbarin mit Hund. Die hat sich wahrscheinlich wieder ins Koma gesoffen. Dann wenigstens heute kein Linkin Park oder Toni Braxton.
Das ist schlimmer als ein tropfender Wasserhahn, ein tickender Wecker, Kopfsteinpflaster und kopulierende Nachbarn zusammen. Vielleicht breche ich mir einfach gleich die Ohren. Ich hab es ja schon immer gewusst: Fernsehen macht doof.

Kommentare
Ha, das ist doch noch gar nichts.
Ich sage nur: Eine gemeinsame Wand mit einer beschissenen Teenie-Techno-Disco.
Und ich hänge an: Donnerstags, freitags, samstags, machmal auch mal mittendrin von zehn bis zehn. Oder gern auch mal von neun bis elf.
Die Ohren wünschen sich Diarrhoe, denn dann kommt wenigstens nichts rein, sondern nur raus.
Tjaja.
Haha. Wenn es mal so wäre. Aber möchtest du nachts Linkin Park, Pistenhits oder wahlweise auch “Unbreak my heart” samt jaulender Untermalung auf Repeat in Zimmerlautstärke hören?
Hm, wenn ich es mir recht überlege.
Nein, das ist ebenso schlimm.
Dagegen hilft ne gute Dosis (ca. 1-2 Flaschen) Rotwein. Oder sonstirgendwas an Drogen legaler oder illegaler Bauart.
Natürlich ist es im Gesundungsprozess dann umso schwerer. Denk ich mir so.
Vielleicht einen hausweiten EMP erzeugen, dann is die Kiste ganz aus.
Im Winter gehts, weil da hat man ja nicht so viele Fenster offen. Zum Glück ist wenigstens noch ein kleines bisschen Winter. Da hört man dann die sich gegenseitig wechselweise verdreschende, Fußbälle ins Gesicht schießende, streitende oder einfach nur einander lautstark dissende Ghettokinderbande aus dem Jugendzentrum eine Straße weiter nicht ganz so arg. Man versteht durch die geschlossenen Fenster auch das bunte Füllhorn feinster italienischer Vokabeln - vorzugsweise aus dem Bereich der Körperöffnungen - nicht wirklich deutlich, mit denen die immerzu keifende Großmutter vom Balkon gegenüber die lieben Kleinen ebenso bösartig wie vergeblich zur Räson zu rufen versucht. Selbst die aufheulenden Motoren der Porsches und tiefer gelegten BMWs der Prologäste der Kneipe im Erdgeschoss sind winters eigentlich nur nachts ein Problem oder dann, wenn die Fahrer, weil sie sich andauernd gegenseitig zuparken, auf dem Mieterparkplatz im Hof phonstarke Händel anfangen. Allerdings stört dafür um diese Jahreszeit umso mehr das Getrampel der keinen einzigen Satz geradeaus herausbringenden und aus Greiz oder Schleiz zugezogenen Freundin des bekannten Techno-DJs Mash, der sie ab und zu besucht, damit sie in der Wohnung über mir gemeinsam ein paar Runden joggen oder Step-Aerobic machen können. Und die beiden Nutten in der schönen großen Wohnung nebenan sind in letzter Zeit auch nicht mehr ganz so nett. Anscheinend laufen die Geschäfte in der Vorweihnachtszeit nicht wirklich optimal, wessenthalben sie sich neuerdings zu jeder Tages- und Nachtzeit in den schillerndsten Farben so wahnsinnig laut anbrüllen, dass das auch noch den letzten Freier abschrecken muss. Ich würde mich glaub ich manchmal ganz schön freuen, wenn ich nur den Fernseher meiner Nachbarn hören müsste.
@Ratze. Du hast es geschafft: Ich fühle mich mies.
Letzte Nachts war´s übrigens Death Metal oder sowas.
Ein geistig untergeschichteter zeitgeistiger House-Club im Hinterhof, wo ansonsten nur die Tauben schrillen und gurgeln, raubt ebenso Schlaf, vorausgesetzt der koitierende oder masturbierende Nachbar erwirkt dasselbe bereits nicht.
Ich habe den Nachbarn einen zauberhaften Brief geschrieben und heute ist es ruhiger. Toll.
Also ich hätte nur frühmorgendliche Gänsegeschnatterartige Horden kleiner und kleinster kinder zu bieten, die um halb acht uhr schon mitten im Tag zu stehen scheinen. ich bin dementsprechend recht froh, dass unsere schulen und kitas keine 24h einrichtungen sind.
Ansonsten bitte ich auch ein monotones plop,plop, plop als akkustischer ausdruck meines gegenüberliegenden basketballplatzes (24h Betrieb) in seiner untermalung einer friedlichen nacht nicht zu unterschätzen.
So sei es denn. wen es stört, der soll doch bitte in eins der desertierten dörfer im berliner umland ziehen. dort ist man wahrscheinlich um jeden laut dankbar, der beweis für existenz anderer lebewesen ist.
@Peter. Kinder sind ok, das wissen wir doch :)