Materialität

Der Rotwein schmeckt sehr süß und knallt. Und nach anfänglichem Geplänkel, man redet über Berlin und Taipeh, über die Dinge, die man sehen muss, wenn man sich in der einen oder anderen Stadt aufhält, über die Unterschiede, geht es dann doch direkt in die Sache und während die einen auf dem Sofa sitzen mit Laptops auf dem Schoß und eifrig tippen, stehen die anderen in kleinen Runden, diskutieren sich die Wangen rot und gießen Wein nach, damit das nicht vergeht. Auf der Wand dahinter zucken blaugraue Hausdächer verzerrt über die Tapete, im oberen Teil des Cafés stehen 60er- und 70er-Möbel herum und man könnte den Laden samt Musikauswahl unter dem Tresen nehmen und nach Mitte setzen und niemandem würde es auf den ersten Blick auffallen.

Auf den zweiten ist die Art der Kommunikation untereinander, die Atmosphäre aber nicht zu vergleichen. Dieser Abend ist ein Punkt zwischen Culture Clash und gleichgesinntem Engagement, zwischen Austausch und Anregung, es wird hinter- und nachgefragt, alle stehen knietief in der Sache. Und vielleicht kann sowas wie diese Konferenz nur funktionieren, wenn es jemanden gibt, der das in die Hand nimmt, weil er das wirklich möchte und dafür von jemandem bezahlt zu werden. Ja, es zerrt an Mareks Nerven, in den letzten Wochen waren es wohl über 4.000 Mails, die zu bearbeiten und zu sortieren waren und es ist nicht einfach diese zwei auch in der Arbeitskultur so unterschiedlichen Kulturen so zueinander zu bringen, dass sich beide wohlfühlen und etwas dabei rumkommt. Aber es klappt. Und man mag noch nicht daran denken, was nach dieser Konferenz steht, was dann kommt und kommen soll, weil die Möglichkeiten und Ebenen so vielschichtig sind, die Gespräche schon jetzt davor in diverse Richtungen gehen, dass sich das alles eigentlich nur noch multiplizieren kann, wenn es in den offiziellen Teil geht.

Ich hätte nicht gedacht, mich so wohl zu fühlen in einem Umfeld, das mir so fremd ist, regional und thematisch. Der Sprung ins kalte Wasser wird einem hier jedoch erstaunlich leicht gemacht und auf dem Weg nach Hause spiegeln sich die Lichter der Stadt im Taxifenster, winkt der Fahrer von nebenan. Und ich winke zurück. Am Morgen dudelt auf dem Hotelflur “Somewhere over the rainbow”.

Liz hat es verfasst, und zwar am 24. April 2008 um genau 7:42 Uhr.
Kategorie : Taiwan

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