Lärm
Die Stadt ist wieder weiß und die Welt schneidet sich ein paar Finger ab. Es blutet an allen Ecken und Enden, am Stolz und dem Mut. Was die Zeitungen sagen, wird nie wirklich neuer, aber immer drängender brüllen sich Religionen die wahren Werte ins Gesicht, während mir der Kaffee verschütt geht irgendwo zwischen dem neuen Hauptbahnhof und Zoologischer Garten. Das ist da, wo man die Zeitung in der Hand, den Einkauf in der Tasche und die Sprachlosigkeit im Mund hat. Weil auch da jeder zweite Mensch einer ohne zu Hause ist. Die Eindrücke sind Wahnsinn in diesen Tagen, die Zeit ist rar und umso atemloser werde ich im ständigen Informationsfluss. Auf jetzt.de findet man nun immer die Worte der Woche:
Autonomiebehörde
Atomstreit
Krisenstab
Steuer
Meinungsfreiheit
Rente
Video
Atomprogramm
Arbeitskampf
Arbeitslosengeld
Atomwaffen
Ingolstadt
Uran
Renteneintrittsalter
Friedensprozess
Vogelgrippe
Deutschpflicht
Dazu muss man nichts mehr sagen, denke ich. Die Welt hat Bauchweh und jedes kleine Objekt, ob Mensch oder Staat oder Religion, stopft ihr Pillen in den Mund. Man guckt da nicht, ob das vielleicht Nebenwirkungen hat, wenn sich alle auf einmal und alle zu 100% nur ihrer eigenen Rezeptur bedienen. Der (die) Welt ist schlecht und ich könnte kotzen. Das ist immer dann, wenn es Abende braucht wie gestern, an denen man mal kein Wort spricht, die Fenster zu macht und niemanden rein lässt. Dieses Zimmer ist irgendwie zu klein, um Ventil für alles zu sein. Aber ein bisschen hilft es schon. Wenn alle einfach mal einen Tag lang die Fresse halten würden, wäre jedem schon ein bisschen geholfen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Februar 2006 um genau 19:54 Uhr.
Kategorie : Moi
3 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. Burnster | 5. Februar 2006 um 23:40
Die Revolution naht..
2. Ole | 6. Februar 2006 um 11:20
Seltsam, dass die Revolution nicht in den Worten der Woche auftaucht, omnipräsent, wie sie ist.
3. Judith | 6. Februar 2006 um 12:56
Erst jetzt wird mir klar, woher, zumindest eventuell, Dein Verbindungsfaden zu meinem Blog stammt: aus dem Sprach.Rausch, richtig?
Oder ist es ein irrwitziger Zufall und Dir gänzlich unbekannt, dass wir uns in diesem Buch treffen werden?
Ich bin erfreut und verwirrt. Und ganz abgesehen davon: Ich lese Dich auch.
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