It is nothing but time and a face that you lose.

Es gibt ein paar Dinge, die werden sich nie ändern. Da kannst du soviele Jahre dazwischen schieben, wie du willst, da ist schon in den Anfangstagen etwas schief gegangen, das mittlerweile nicht mehr auszumachen ist. Vielleicht haben wir die Fußspitzen zu weit nach innen gedreht, vielleicht haben wir den Arm nicht ordentlich durchgestreckt, uns eine falsche Grundstellung eingeprägt, das konnte nicht gutgehen. Mit so vielen Ratgebern entscheidet man sich meistens für den falschen, für die falsche Tüte, den falschen Weg, den falschen Moment, das falsche Los, den falschen Namen oder die falsche Sorte. Man kann da ja nicht einmal etwas dafür, manchmal geht es eben sofort daneben und niemand merkt es und am Ende diagnostiziert dir einer etwas mit Verkrümmung und keiner weiß, woher das kommt und wie es wieder weggeht. Jetzt kann man versuchen, sich gegen gerade Wände zu lehnen, damit es nicht so auffällt - oder man kann mit den schiefen Schultern zucken und sagen, so ist es jetzt eben. Das bleibt halt. Wie eine Narbe, eine Macke, eine Geschichte.

Manchmal glaube ich, dass es wirklich nichts bringt, wie wir da stehen vor dem Spiegel und den Kopf ein bisschen schief halten, sodass die Schultern wieder aussehen, als wären sie gerade. Der Rest im Hintergrund, das Verschwommene, das unscharf aus dem Fokus fällt, das hat mit waagerecht nichts mehr zu tun. Und im ganzen Zimmer rutschen die Möbel herum und es sieht blöd aus, wenn man mal von sich selbst ablenkt und der stumpfsinnigen Vorstellung, wir könnten mal wieder so nebeneinander stehen, dass alles passt. Das geht mit dem Rest nämlich nicht zusammen. Aber mittlerweile kann man schon lachen, wenn man uns so sieht. Krampfhaft und ohne den Mumm, den Dingen in die Augen zu sehen. Ich meine damit nicht, ohne Romantik, halleluja, aber realistisch verklärt, wenigstens das. Aber wir in diesen schiefen Lagen, wir sind so albern, schau uns mal an, und so unsouverän.

Es gibt nun einmal diese paar Dinge, die sich nie ändern werden. Die waren schon immer so. Wir standen noch nie vor dem Spiegel und nahmen alles einfach so hin, den geraden Horizont und die Schrägen in uns. Es war noch nie unseres zu sagen, das war´s jetzt. Wir können jetzt auch aufhören, es zu versuchen. Wir brauchen uns nicht mehr pseudo-ehrlich dagegen auflehnen, dieser ganze Aufwand, das ganze Tamtam, das ist vorüber, hat sich austrompetet und die Fliege gemacht. Auf den Fotos wird der Horizont immer schief sein, die Realität aber hat sich verwachsen, das fällt nicht mehr auf. Wir sehen uns doch schon lange nicht mehr als die, die wir sind. Und diese Übungen aus dem Heft bringen ja auch nur was, wenn man sie regelmäßig macht. Wenn man sich kümmert. Und nicht nur alle zwei Jahre, nicht nur mal aus Versehen. Und weil man die eigene Unzulänglichkeit nicht wahrhaben will.

(Die Welt geht davon nicht unter, die Sau.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Juli 2008 um genau 19:23 Uhr.
Kategorie : Blicke

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