Ist und Werden
Die Typo als Designmesse hatte ich mir größer vorgestellt. Aber wahrscheinlich ist es groß für die Eingeweihten, wenn Gurus aus New York und aus diversen Ecken der Welt ihre Vorträge halten, die meist jedoch nur kurze Beweihräucherung der eigenen Person sind. Für Nicht-Designer ist das Ganze schwierig. Das Thema der Typo ist Play. Gespielt wird hier wenig. Mit Licht schon gar nicht, unten stehen zwei riesige Betten. Vielleicht sind das Spielwiesen der Erwachsenen, ein Kicker steht herum. Ein kurzer grüner Streifen soll zum Minigolfen einladen und ich denke die ganze Zeit nur: “Lasst mich atmen, Kinder. Lasst mich atmen”. Draußen prasselt unaufhörlich Wasser in Erbsenform vom Himmel herab, drinnen beschlagen die Scheiben.

Ich höre einen Vortrag von Piet Schreuders, einem niederländischen Typographen, der ein paar nette Worte verliert über Design und damit über Kunst im Allgemeinen. Seine Idee ist, “dass wir die Dinge teilen”. Schreuders ist der Ansicht, es sei fast unmöglich, sich als Typograph nicht auf irgendetwas zu beziehen, das es schon gibt. Man solle darum diese Inspiration bewusster nutzen. Denn als Grafikdesigner habe man das Ziel, nicht nur Grafikdesigner sondern alle Menschen anzusprechen und zu erreichen. Dazu brauche man eine gemeinsame Basis. Diese Basis könne durch Assoziationen und alte Elemente hergestellt werden.
Aber nicht jeder müsse sich konkret erinnern. Schreuders ist der Meinung, dass man sich auch an Dinge erinnern kann, die man noch nie gesehen hat. Und er zitiert einen großen Designer, der einmal sagte: „Schau dir das Alte an und lerne dadurch etwas Neues“. Schreuders fügt dem noch hinzu: „Die Assoziation ist in allen Medien von Bedeutung, deswegen sollte man sie ganz bewusst nutzen.“ Auch Nicht-Typographen spürten einen Unterschied zwischen Schriften, „einen gewissen Geschmack“, sagte Schreuders. Die Notwendigkeit der Originalität im Grafikdesign ist nach Schreuders’ Meinung völlig überzogen: „Genug mit den Genies!“. Und ich bin dafür.

Nach einem Nachmittag habe ich genug. Morgen werde ich hier wieder sein und übermorgen auch. Ich werde sie weiter anschauen, die Werbeschnitten und Grafikheinis. Abfällig klingen soll es nur für die, die sich angesprochen fühlen. Ich stehe hier manchmal vor Plakaten und bekomme den Mund nicht zu, aber dieses Heititei und die gegelten Scheitel, als könnten Frisuren die Welt retten, passen so wunderbar ins Klischee.
Ich halte die Augen auf bis zum nächsten Wochenende, wenn sich Indie und Pop lauthals die Kante geben. Ich mach mit.
Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Mai 2006 um genau 19:09 Uhr.
Kategorie : Berlin
2 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. Christof Zachl | 30. Mai 2006 um 22:27
und? wie war der eindruck nach den drei Tagen?
2. King Fisher | 2. Juni 2006 um 3:10
Schöne Fotos!
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