Ipodemie
“Mein Haus, mein Auto, mein Ipod!”. Es scheint eine Krankheit zu sein. Die Welt und das weiße Phänomen.
Da macht die FAS eine Themenseite und Blogger schreiben nur noch: “..Ich lief da lang und hatte meinen Ipod dabei”, anstatt zu schreiben, dass sie Musik hörend die Straßen entlang marschierten. Ein Freund beschwert sich über seine kaputten weißen Kopfhörer und wenn man die Freundin fragt, was sie sich zum Geburtstag von den Eltern gewünscht hat, kommt als Antwort: “Och, nen Ipod. Mir ist nichts anderes eingefallen”.
Sony revivalfaked den Walkman, während Elektronikläden mittlerweile ihre Wände farbig anstreichen müssen, damit man zwischen dem ganzen weißen Ipod-Zubehör überhaupt noch den Weg nach draußen findet. Zudem bekommen freakig bunte Knalloprallo-Werbeagenturen den Zuschlag für eine jugendliche Europa-Kampagne und verlosen nicht etwa eine Reise oder ein Stipendium sondern einen Ipod, nur damit mal jemand hinhört.

Hab ich was verpasst? Wird die Welt besser von einem kleinen Musikabspielgerät? Und wieso erschrecke ich mittlerweile, wenn den Leuten zur Abwechslung mal andersfarbige Schnüre aus den Ohren baumeln als weiße? Ist der Ipod das neue Handy? Muss man permanent seine komplette Musiksammlung mit sich herumtragen? Wo ist die morgendliche Gemütlichkeit geblieben, die sich auf den Kaffee legt, wenn man sich mit noch ganz kleinen Augen überlegt, wie der Tag wohl wird und welche Musik vielleicht passt, diese dann auf das Gerät spielt, losgeht und manchmal eben mit Hilfe von Liedern feststellt, dass der Tag anders wurde als erwartet?
Wenn´s einem dann eventuell doch tierisch auf den Sack geht, kann man immer noch ausmachen und mal gucken, wie die Welt sich so anhört fernab von riesigen Musikarsenalen in Hosentaschengröße.
Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Februar 2006 um genau 15:14 Uhr.
Kategorie : Fragen
4 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. Burnster | 10. Februar 2006 um 19:51
Fortschrittsskepsis ist mein Steckenpferd und Lästern mein ältestes Hobby, aber in diesem Fall muss ich sagen: So gut kann sich die Welt gar nicht anhören wie meine Hitskollektion. Ich überspiel auch nicht jeden Müllsong von jeder Platte. Außerdem reicht mir der Lärm im Büro und der Lärm in den Clubs. Das ist genug Weltmusik für meinen Geschmack.
2. Kriesse | 12. Februar 2006 um 14:31
Neulich bei der Literaturrecherche stieß ich auf einen recht alten, auf jeden Fall vor dem iPod-Zeitalter entstandenen Text, in dem vor der Dauerberieselung der Medien gewarnt wurde. Als schlimmstes Zukunftszenario wurden dort Maschinchen an die Wand gemalt, die uns Musik auf die Ohren spielen, Bilder in die Augen spiegeln und köstliche Substanzen auf die Zunge tröpfeln. All das, um uns vom fiesen echten Leben zu isolieren.
Ich weiß nicht, allzu schlimm erscheint mir das Szenario gar nicht. Schließlich reicht auch mein uralter MP3-Player gerade für die Menge Musik, die man sich bei einer Tasse Kaffe für den Tag zurecht legen kann. Um sich das fiese echte Leben mit dem passenden Soundtrack aufzuhübschen.
3. Burnster | 12. Februar 2006 um 18:39
Wenn Sie nie auf Kommentare eingehen, Fräulein Liz, dann vermindert das den Spaß am Kommentieren ungemein.
4. Liz | 12. Februar 2006 um 18:42
@burnster…aber hallo, aber hallo. man liest doch, dass ich diese ipodgeburtenrate beängstigend finde. und dass ich eben nicht der meinung bin, dass man jederzeit seine komplette musiksammlung in einem kleinen achherrgottojewiestylischen gerät mit sich herumtragen muss. ich bastel mir auch meinen soundtrack zurecht, ich will die welt oft genug nicht hören. aber dafür brauche ich keinen sündhaft teuren ipod…
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