Immer dienstags

Mir brummt der Kopf von diesem Dozenten, der sich Studenten für sein Ego hält. Der sich selbst zur Messlatte macht, an der alles andere scheitern muss. Die Finger immer flink am Rand seines Wollpullis, die Worte scharf und spitz herausgeschleudert. In den Bänken halten sich die Menschen die Hände vor die Augen. Und er springt dir beim Reden fast ins Gesicht, während er schwafelt von seinen Heldentaten, von den großen Irrtümern unserer Zeit und dass er zwar keine Lösung aber doch die Beschwerde en masse parat hat. Da brüstet er sich in graphisch nicht sonderlich anspruchsvoller Form im Internet mit kleinen Designproben auf Plattencovern, mit kleinen & wirklich nicht guten Kolumnen im Stadtmagazin, mit kleinen Posten in irgendwelchen Räten und Kommissionen. Aber immer sei er der Stein des Anstoßes gewesen, die Keimzelle der Revolution, die Rettung aller Journalistinnen und Journalisten. Dabei streicht er sich genüsslich den Schnauzbart, grinst die Tischbänke an, denn das mit den Gesichtern traut er sich zwar, stößt aber auf wenig Resonanz. Es zieht in den Ohren. Und stillhalten kann er auch nicht, sondern wabert anderthalb Stunden durch diesen stickigen Raum, immer darum bemüht aus jeglichem Faktum noch eine persönliche Notiz zu machen, die kommentiert und abgewatscht werden muss. Ich will ihm den Mund verbieten, weil wir keine Selbsthilfegruppe für Egomanen sind, sondern andere Dinge Thema.

Das einzige, was ich in diesen Sitzungen lerne, ist Selbstbeherrschung. Und ich nehme den Wunsch mit, es niemals selbst nötig zu haben, mein Ego dermaßen ungeniert mit studentischer Zeit aufpolieren zu müssen. Lankwitz, Auffangbecken für Gescheiterte.