Ich bin Du, nur anders
Der Abend begann auf der Straße zwischen Dunkelheit und Lichtern mit einer Gänsehaut auf dem Rücken und den Füßen auf den Pedalen. Der Weg führte dorthin, wo ich früher einmal lebte, was ich zuhause nannte, während man jetzt neben mir sagte: “Diese Straße könnte überall sein”.
Seidenmatt spielten im Schokoladen. Ich weiß wieder, warum ich diese Band weniger konserviert als doch lieber live höre. Seidenmatt kriegen einen. Und man will manchmal genauso schreien wie die Stimme auf der Bühne zwischendurch, sie öffnen einem Weg und Wunsch. Und du findest dich selbst wippend und tanzend, mit offenem Mund und geschlossenen Augen, nicht denkend nur hörend, nicht hörend nur spürend, was da auf einen zurollt. Orgastischer ist Musik selten, die Emotionen orchestriert und aufgereiht, sich puzzelnd und windend zu einem Knäuel, das am Ende aufgelöst wird. Es fühlt sich immer gut an, wenn man es schafft, den Knoten hinunter zu schlucken.Wir saßen noch ein bisschen in diesem hell erleuchteten Hof herum,deuteten auf der Straße die Gesten der Menschen, nippten an Flaschen, irgendwann war es genug.
An der Spree vorbei, einen Tee mit frischer Minze gegen die Kälte, die ja doch da war. Die ja immer da ist. Und dann gegenüber ins Tacheles auf dem Wunsch nach Sofa mit Blick über die Stadt. Stattdessen fiel die Aufmerksamkeit durch das kleine Fenster auf den Hof, wo Balzverhalten und Alkoholkonsumfolgen sogar aus dem vierten Stock deutlich zu erkennen waren. Und wir uns die Beine in den Bauch standen und schauten. Unter dem Dach sammelte sich seltsames Publikum in Sofaecken, aber großformatige Fotos erleichterten den Zugang. Wir haben Postkarten gekauft.
Stell dich am Ende dazwischen, nicke mit dem Kopf und mach mit. “Ich bin du, nur anders”.
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Juli 2006 um genau 11:15 Uhr.
Kategorie : Wir
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