I fall for Beschützerinstinkt

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Ich bin selbständig, ich kann meine Sachen allein ordnen und tun und ich möchte auch nicht, dass man sich einmischt, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe. Man soll mich machen lassen, dann wird alles gut und nichts ist schlimmer als die Bemerkung: “Aber Lise, das wird nicht gehen. Ich hab das schon zehnmal durch. Versuch es gar nicht erst”. Bei solchen Phrasen, die mich nicht selbst erfahren lassen wollen, entdecke ich ungeahnte Aggressionspotentiale in mir.

Fährt allerdings jemand gekonnt und unaufdringlich seine Muskeln aus, um mich zu beschützen, schmelze ich dahin. Hält mir jemand die Zeitung über den Kopf, damit meine nicht vorhandene Frisur nicht kaputt geht bzw. weil er denkt, ich würde sonst eingehen, bekomm ich weiche Knie. Legt er seine Jacke über eine Pfütze, damit der Regen, der eben noch von oben kam, nicht nun auch noch von unten kommt, möchte ich gerne heiraten. Ich kann mir das ja auch nicht erklären und ich wundere mich hin und wieder selbst, wie willenlos ich werde, wenn mir jemand mit meinen schweren Einkaufstüten helfen möchte. Das heißt ja nicht, dass ich diese Angebote dann sofort annehme und ich möchte auch nicht, dass sie hier Höflichkeit (auf die stehe ich ja auch sehr) mit Beschützerinstinkt verwechseln. Es ist dieser kleine Funken ritterliche Männlichkeit, der dann in den Augen auflodert und mich ganz kribbelig, wenn mich vielleicht gerade in der U-Bahn jemand auf dümmste Art und Weise angräbt, das mein mir völlig fremder Sitznachbar erkennt und dieser dann wie selbstverständlich sagt: “Komm, Schatz. Wir müssen raus”, bevor wir dann ohne große Worte in den nächsten Waggon steigen und ich aus dem Grinsen nicht mehr rauskomme. Keine Frage nach einer Telefonnummer, keine unangenehmen “Und jetzt?”-Gespräche, nur ein leises “Dankeschön”, als wir die Tür zum nächsten Wagen aufschubsen.

Was nicht auf der Hitliste steht, sind natürlich uncharmante Vollidioten, denen es nicht um die Rettung einer vielleicht gerade nicht ganz so toughen Weiblichkeit aus einer misslichen Lage geht, sondern lediglich um die Profilierung des eigenen Organs. Dass man mich in Ruhe lassen soll, kann ich wahrlich selber aussprechen und sogar rückwärts buchstabieren, aber ich kann mir nicht mal eben so einen gekneteten He-Man aus der Hosentasche ziehen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Oktober 2006 um genau 10:09 Uhr.
Kategorie : Wir

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