Horst lebt.

Ich mache mir zu schnell Sorgen. Das wissen die, die mich kennen. Die wissen aber auch, dass man mich schnell wieder beruhigen kann. Und so kann ich wieder ruhiger schlafen, nachdem ich nun weiß, dass Horst nichts passiert ist. Horst heißt wahrscheinlich gar nicht Horst, wohnt aber gegenüber. Er hat ein Plastikbalkondach und immer Hemden an, auch unter seiner blauen Trainingsjacke. Als wir hier eingezogen sind, winkte Horst. Ansonsten merkt man ihn kaum. Abends sitzt er im Sessel und schaut fern, zum Schlafen zieht er die Gardinen zu und sonst kommt er ein paar Mal auf den Balkon, zupft ein paar Blättchen von seinen Blumen und guckt auf die Straße. Er hat nur zwei Sorten Blumen auf dem Balkon, zur Zeit blühen sie rosa und weiß. Vorher war alles nur grün. Die Tür neben seiner Balkontür ist mit Brettern vernagelt. Horst trägt eine Brille.
Vor einigen Wochen kam er nur noch selten auf den Balkon, der Fernseher flimmerte oft, aber die Tür blieb zu, die Gardinen auch. Und hin und wieder nur sah man eine junge Frau mal kurz das Fenster öffnen. Und ja, ich dachte, er sei gestorben. Isser aber nicht. Horst ist zurück und guckt auf die Straße. Heute in kariert, so schnell kriegt den keiner klein. Auf die Nachbarschaft, Freuden des Alltags, Erleichterung, alles gut, wunderbar.

Kommentare
das klingt nach einem schönen roman….marke “fenster zum hof”. mit ein wenig fantasie.