Gewissenhaft kauen, 30mal

Wir sitzen um einen Tisch mit riesigen Schaufeln, scharfkantig und grob. Da passt viel auf die Ladefläche, vom Griff stehen Splitter weg. Unregelmäßig, mal mehr, mal weniger. Einer hat Hornhaut, der merkt das nicht. Wir sitzen um diesen Tisch mit unseren Schaufeln auf unseren Türmen, um unsere Köpfe kleine summende Fliegen und alle bewegen die Hände vor und zurück, vor und zurück. Die Füße werden ordnungsgemäß auf den dafür vorgesehenen Stangen abgestellt, man kann noch kippeln, aber nervös auf dem Boden tappeln, das geht so nicht. Der Rücken wird ordnungsgemäß an die dafür gefertigte Lehne gelehnt, man stoße sich wie immer die Wirbelsäule an der Mittelstrebe, denn Kissen gibt es nur auf der Sitzfläche, das hält den Rücken gerade. Und wir halten unsere Schaufeln, wie man es uns beigebracht hat. In der Mitte liegt ein Berg aus Krümeln, ein paar Lichter wurden aufgestellt, damit wir uns gegenseitig beim Schaufeln beobachten können, wir feuern uns an und auf Kommando heben wir die Arme.

Hinterher tut es jedem weh dort, wo die Ohrläppchen aufhören. Als habe man zuviel gelacht, Muskelkater im Mund. Aber wir haben nicht zuviel gelacht, wir haben laut geredet und trugen die Schaufeln noch nach Plan wieder zurück ins Wasserbecken, das macht man so, das hat man uns mit kurzen Schlägen auf die Finger beigebracht als Kind. Sobald man um die Kurve isst, reckt und streckt man den Mund, pult mit dem Fingernagel die letzten Krümel zwischen den Zähnen hervor, kauft sich am Kiosk bei der Straßenbahnhaltestelle eine Flasche Wasser, spült durch und spuckt neben den Mülleimer. Mehr als das Wasser noch, mehr. Natürlich sind die Wangen rot, Gesundheit und Kälte, der Schal reibt ja auch ein bisschen, das sieht gut aus, was?! Ja, so sehen wir gut aus, so können wir die Schultern auch wieder bequem beugen, so machen wir die Fäuste auf und zu, damit es sich entspannt, so atmen wir tief ein. Seit zwei drei Stunden das erste Mal. Niemand stellt diese Zusammenkünfte in Frage, niemand sagt ein Wort, niemand hört auf, darauf zu hoffen, dass es sein könnte wie früher. Wie damals. Niemand weiß mehr, wie es war, aber alle glauben - gut.

Die Wangen so voll, dass es aus dem Mund quillt, wenn du etwas sagen möchtest. Also sagst du nichts. Niemand tut das.

Liz hat es verfasst, und zwar am 26. November 2007 um genau 0:19 Uhr.
Kategorie : Wir

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