Gestürm

Noch hat sie mich nicht erreicht, die Wintermüdigkeit, die allgemeine Depression, das Motzen und Meckern der Menschen mit den nassen Fußspitzen. Noch hege ich keine inneren Aggressionen beim morgendlichen Blick aus dem Fenster, noch kann ich meinen Wintermantel sehen ohne zu kotzen, noch kuschel ich mit meinem Schal. Zwar wird meine Stimme auch gleich eine Oktave höher, sobald sich die Sonne zeigt, und ich rupfe sofort ein bisschen Stoff aus dem Regal und renne nach draußen, aber noch kann ich meinen Kopf versonnen auf die Hand stützen, aus dem Fenster sehen und denken: Ach Winter. Ohne Boshaftigkeit. Vielleicht hat es mich dieses Jahr nicht so sehr erwischt, weil sich alles so hinzog, weil es so mild vor sich hin schluffte, weil es keine lang anhaltende Kältestarre gab, kein Einschneien, kein Statement. Es kleckerte so und klotzte nicht, der Zwischenzustand lag sogar im Wetter. Und deswegen bin ich ja eigentlich froh, wenn es sich mal ein bisschen aufbäumt und stürmt. Wenn uns der Wind beim Laufen am Fluss die Tränen in die Augen treibt und die Röte auf die Wangen, wenn der Regen sich nasskalt durch die Klamotten frisst und wir dann trotzdem oben auf der Brücke stehen und noch eine Runde machen und sich die Finger später unter der Dusche anfühlen wie gerade erst wieder mit dem Blutkreislauf verbunden. Das ist dann wenigstens mal eine Aussage, das merkt man.

Und wer zuhause bleibt, alle Bücher schon gelesen hat und was zum Lachen oder Aufregen braucht, kann hier mal schauen, was ich in meinem Nebenfach an der Uni so produziere.

Liz hat es verfasst, und zwar am 14. März 2008 um genau 10:57 Uhr.
Kategorie : Berlin, Lektüre

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