Generation Kühlschrankpoesie.

Bettpartner begeistern uns wie früher kleine, bunte Autos. Manchmal sammeln wir sie in einer Kiste und wenn wir meinen, wir sind jetzt zu alt für sowas, schieben wir sie in den Keller ohne noch einmal hineinzusehen. Bis uns eines Tages eine lebensverändernde Maßnahme überrollt und der Karton uns auf den Kopf fällt.
Wir stapeln die Dinge und schieben sie unter den Schrank. Wir kaufen neues, wenn das alte nicht mehr funktioniert, das ist so einfach geworden. Manchmal entdecken wir etwas in Lädchen mit Patina, das wir dann unbedingt wollen. Wir stellen es hin und uns daneben und warten darauf, bis ein bisschen davon auf uns abfährt. Mutter sagt: Räum mal dein Leben auf. Wir sagen: Vielleicht lieber morgen.
Wir können immer etwas anfangen. Die Dinge liegen vor unserer Haustür herum, wir suchen uns eins aus und nehmen es mit hinein und fangen es an. Integrieren es in unser Leben und unser Leben in das Ding. Und wenn es etwas abgestanden ist, weil wir ein paar Tage nicht zuhause waren, nehmen wir uns ein neues und kippen den Rest des Alten in den Abfluss. Die Abfuhr für die gelbe Tonne kommt immer Donnerstags.
Sex in Streifen. Sex Schranke. Sex mit Stäbchen. Sex in Pappmachè. Sex für ein bisschen Kleingeld. Sex gebraten. (Was war das nochmal?) Sex auf Plakaten. Sex in der Werbung. Sex im Kindergarten. Sex im Kaufhaus. Sex auf der Arbeit. “Wir haben uns getrennt. Das Körperliche war ein Problem?” - “Mach doch eine Therapie.” - “Ich weiß nicht, mein Vater sagt, das sei normal.”
Wir sollen gut sein. Nicht zu dünn, nicht zu dick, nicht zu blond, nicht zu schwarzhaarig, nicht zu rund, nicht zu birnig, nicht zu orangenhäutig, nicht zu natürlich, nicht zu künstlich, nicht zu 70er80erunddasbestevonheute. Haare bitte nur an den markierten Stellen. Und Cola Light Koffeinfrei.
Heute hier, morgen da, übermorgen hoppsassa. Wir lagern unsere Bestände ein und schreiben Oma eine Postkarte aus Honolulu, weil sie keinen Computer besitzt. Und leihen uns dafür einen Stift an der Bar, weil wir keinen mehr mit uns tragen. Wir können überall schlafen, aber nicht überall gut.
Wir haben Mechanismen entwickelt, von denen wir wissen, das sie funktionieren. Posen, Witzigkeiten, Zitate. Sorgsam gesammelt und abgeschaut für die dunklen Momente, in denen das einzige Blinken das des Ladegerätes ist. Die funktionieren immer, auf Routinen kann man sich verlassen. Like/Unlike. Ja, wir möchten bitte später bezahlen.
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“Wir kaufen uns eine Töpferscheibe und lassen sie stehen.”
(Rainald Grebe)

Kommentare
Ja.
endlich wieder etwas zum lesen…. also so von anfang bis ende.
ich möchte auch so gerne einen zauberhaft magnetischen kühlschrank haben.
toll toll toll!! =)