Friss oder stirb.

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Schmetterlingsreisen hatte geladen. Das letzte Wiesn-Wochenende inklusive Karohemd und Bierkrughut. Für alle ledigen und verheirateten Männer zum Sondertarif. Im Preis ebenso inbegriffen: Logopädische Übungen (”Launige Lümmel lallen lustiger“) und motorische Anweisungen (”Hand an den Krug, Bein auf die Bank, Bauch auf den Tisch“). Die, die nicht per Reisebus anreisten, hatten ihre Gewinne vom letzten Jahr an den Rückspiegeln baumeln. Kleines, orangefarbenes Gewürm taumelte vor gierigen Sabbermündern, neben denen entweder genervt dreinschauende Mitvierzigerweibchen saßen oder kreischendes Dirndlchen aufgeregt flatterte.

(Fazit: Autobahn überlebt)

Meine drei Bodyguards schlugen mit ihren bierkruggroßen Fäusten eine Schneise in die Menschenmasse, damit ich mich ungehindert fortbewegen konnte. Als Motivation hatte ich zehntausend Hostessen in extra knappem Kleidchen bestellt, Kotztüten und Bierkanülen hielten diese versteckt, aber jederzeit startbereit. Auch testeten die Herren das Fahrgerät auf Nebenwirkungen sowie jegliches Getränk auf Genießbarkeit. Kollektiv blinzelten wir in die grellen Lichter, verklebten uns die Gaumen mit allerlei Mandelklebkandierungsgedöns und spülten ordentlich nach. Gehen Sie auch mal, achten Sie nicht auf die Männer, die nicht einmal zu Kindern sondern zu Tieren werden. Achten Sie nicht auf die dämlichen Kopfbedeckungen in allen Größen, auf die verrutschten Strümpfe und die entgleisten Gesichtszüge. Ignorieren Sie die schlauen Sprüche von allen Seiten und drehen Sie an den Amplituden des Gesangs mit Hilfe ihres Verstandes. Lassen Sie sich nicht beeindrucken von den Heldentaten aka Hammerhauen und Free Fall. Und kaufen Sie eine Fliegenklatsche, Sie werden sie brauchen.

(Fazit: Wiesn überlebt)

Es hatte sich zurückgegelt, was nur zurückzugelen ging. Den Kragen hoch (das muss da unten so, habe ich gelernt), die Schuhe geschrubbt und eins zwei drei tüff tüff den Selbstbräuner aufgesprüht. Hier tummelte sich, was weiß, wie Körpertuning geht. Die Männer nicht unter zwanzig, die Mädchen nicht drüber, dafür aber alles Models aka OC California. Und wir haben wieder was gelernt:
Regel Nr 1) Sehen Sie keinem Mann länger als zwei Sekunden in die Augen. Sonst ist dies eine Einladung zu Körperkontakt.
Nr 2) Sehen Sie auch keinem Mann nur einen Tick länger als zwei Sekunden auch nur irgendwoanders hin. Außer Sie wollen Körperkontakt.
Nr 3) Bewegen Sie sich nicht. Es sei denn, Sie wollen sofortigen Körperkontakt.
Nr 4) Stehen Sie nicht am Gang. Dies gilt als Einladung zu Körperkontakt.
Nr 5) Setzen Sie sich nicht. Dies gilt als Einladung zu Körperkontakt.
Nr 6) Tritt Ihnen jemand auf den Fuß, ignorieren Sie ihn. Sonst ist dies eine Einladung zu Körperkontakt.
Nr 7) Gehen Sie niemals mit Single-Männern dahin. Denn diese werden dort einziehen wollen.
Nr 8) Eigentlich ist es egal, welche Haarfarbe Sie als Frau haben. Trotzdem sind irgendwie alle blond und langhaarig. So sollten Sie also auch herumlaufen, wenn Sie nicht auffallen wollen.
Nr 9) Tragen Sie Ihre Chucks wie High Heels von Manolo Blahnik. Das Publikum wird es Ihnen glauben. Denn es hat noch nie Chucks gesehen.
Nr 10) Im Club telefonieren ist total hip.
Nr 11) Atmen Sie auf. Sie werden nie dazu gehören. Deswegen können Sie sich dort auch so köstlich amüsieren. Für unsereiner wird es im Gegensatz zu den Stammgästen nie langweilig sein, an der Bar zu stehen und einfach nur zu gucken. Sehen Sie das als Privileg.
Nr 12) Schämen Sie sich zur Wiesnzeit nicht, wenn Ihnen jemand einen Heliumballon in Form weiblicher Körperteile oder Alkoholika schenkt. Es ist nur nett gemeint. Form und Farbe spielt keine Rolle mehr nach 10 Uhr morgens.

(Fazit: P1 überlebt)

Ich mache sowas ja sonst nicht. Aber Abenteuer sind gut für den Lebenslauf und das Selbstwertgefühl. Wieder was geschafft, gell? Wieder überlebt, nich? Nach soviel Anstrengung bezüglich Abgrenzung und Überlebenstraining sind die Muckis im Kopp wieder gestählt und wir können uns beruhigt in das Berlin zurückziehen, in dem einen zum Glück jeder in Ruhe lässt.
Davor aber nochmal alle zusammen: I´m a survivor, I´m not gonna give up, I´m not gonna stop, I´m gonna work harder…
(Das hab ich übrigens auch im P1 gelernt…)

Liz hat es verfasst, und zwar am 3. Oktober 2006 um genau 2:34 Uhr.
Kategorie : Fragen

17 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Herr Jott  |  3. Oktober 2006 um 3:05

    Naja, so schnell bist Du ja dann doch nicht ins Bett gekommen …

  • 2. Liz  |  3. Oktober 2006 um 3:10

    Richtig. Nach so einem Wochenende kann doch keiner schlafen…

  • 3. Bunster  |  3. Oktober 2006 um 11:41

    Touri

  • 4. Bunster  |  3. Oktober 2006 um 11:42

    Preissn-Touri

  • 5. Bunster  |  3. Oktober 2006 um 11:42

    Preissischer Katastrophen-Touri

  • 6. Liz  |  3. Oktober 2006 um 14:07

    Na, wer nich von da kommt, kann ja nur Touri sein. Oder eingeheiratet.

  • 7. LinkerVerteidiger  |  3. Oktober 2006 um 18:30

    >Körperkontakt

  • 8. Simon  |  4. Oktober 2006 um 0:03

    Oha.

  • 9. Liz  |  4. Oktober 2006 um 2:02

    @LV: Na wat?
    @Simon. Jawolla.

  • 10. Robert  |  4. Oktober 2006 um 11:06

    P1 - mensch Liz, was machst du denn…

  • 11. Liz  |  4. Oktober 2006 um 11:14

    @R. I woas net

  • 12. Robert  |  4. Oktober 2006 um 13:35

    Empfiehlst du den Laden? Alex und ich suchen noch ‘ne Location für unsere geheime Überaschungsparty für dich.

  • 13. Liz  |  4. Oktober 2006 um 19:36

    @Robi. Au ja! Eine Überraschungsparty! Und dann fahren wir alle im Reisebus da runter und Alex macht den Moderator und wir trinken bunten Kindersekt, essen Smarties und spielen Blinde Kuh.

  • 14. Robert  |  4. Oktober 2006 um 20:24

    Robbie Bubble - wir verstehen uns..

  • 15. LinkerVerteidiger  |  5. Oktober 2006 um 1:11

    ohh, da hat text ein wenig gefehlt…
    naja, ich sagte das mich diese körperkontakt-sache am meisten amüsiert hat…
    warum eigentlich nicht das atomic? das scheint noch ganz akzeptabel in diesem münchen zu sein. wobei ich mich nicht wirklich auskenne.

  • 16. Liz  |  5. Oktober 2006 um 2:41

    Das war die erste Überlegung für Samstag. Dort spielten am dem Abend aber Sugarplum Fairy und ich wollte mich deren Musik und der Masse an Konzertbesuchern mit hässlichen T-Shirts nicht unbedingt ausliefern. Haben dann eine andere sehr nette Location besucht.

  • 17. Liz’s blogging &raq&hellip  |  22. September 2008 um 9:01

    […] und Kotzradius. Zudem riecht es so wunderbar nach Weihnachten und da das Wetter im Gegensatz zu vor zwei Jahren dieses Mal nun eher kühl daherkommt, kann man ebenfalls den Kindern dabei zuschauen, wie sie sich […]

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