Fluch des Gestaltlosen
Die Stadt macht Pläne für große Plätze und ist sich doch bewußt, “es wäre das Vernünftigste gewesen, den Palast zu nutzen, bis über Gestalt und Finanzierung des Neubaus seriös entschieden sind” (J.Bisky). Man plant ein Labyrinth und ich finde das gut. Auf der Suche nach der Mitte sollte man wieder kleinteiligere Wege gehen und nicht mit Elefantenfüßen platt stampfen, was sich nicht so fügt ins Hauptstadt-Make-Up.
Und während sich die Frauen die Sonnenbrillen auf den Nasen hin und her und die Röcke nach oben schieben, genieße ich morgens in der Bahn jedes Stück Sonne, das mich mal findet. Und langsam wird die Temperaturfrage wirklich zum Rätsel. Unterscheiden sich doch Weg zur Tram, ihr Innenraum, der Weg zur S-Bahn, ihr Innenraum, der Weg zum Bus, sein Innenraum, der Weg zum Büro und das Büro an sich schon erheblich in diesem Kriterium. Ich traue mich morgen und sage, 20° sind Sommer. Oder wenigstens ein Anfang. Und stoße kleine Wunschgebete dafür aus, dass das am Wochenende so bleibt, denn da heißt es vielleicht Meer. Und mit den Füßen schreiben wir Zahlen in den Sand.
Dann bekomm ich ein bisschen was ab von diesem Wetter, das alle Menschen aus den Häusern lockt. Und die Stadt dazu bewegt, sich wieder Bagger und Presslufthammer in die Straßen zu pflanzen. Am Abend, wenn es dunkel ist, komme ich nach Hause, es reicht hin und wieder noch für´s Essen und dann schläft man in Klamotten auf dem Bett ein. Nachts um halb drei wundert man sich dann über die verflogenen Stunden und knaupelt sich noch schnell die Socken vom Fuß, bevor man die Zeit bis sieben noch zum Auftanken nutzt.

Und Sometree haben bald ein neues Album. In den nächsten Tagen, vielleicht sogar am Wochenende, vielleicht ja auch am Meer, nehme ich mir Zeit für diese Platte. Bending The Willow. Vielleicht reicht es dann auch, um Briefe zu beantworten, zu denen mir die Worte die ganze Zeit im Kopf sind, es aber nie die feste Hand zum Halten hat.
Ich habe rote Wangen von all dem Werberdeutsch und der Sprache der Fernsehproduktion. Ich habe kleine Augen vom Bildschirm und bekäme bestimmt bald einen platten Hintern. Aber morgen kommt mein Fahrrad zurück nach Hause. Ab morgen ist wirklich Frühling oder Sommer, auf jeden Fall nicht mehr Winter. Der Balkon muss noch warten.
Liz hat es verfasst, und zwar am 20. April 2006 um genau 22:34 Uhr.
Kategorie : Berlin
3 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. Burnster | 21. April 2006 um 0:28
Ich darf doch nochmal an den Arkonaplatz erinnern bei Gelegenheit?
2. Liz | 21. April 2006 um 8:29
Aber wenn ich doch am Meer bin am Wochenende…(?)
3. Burnster | 21. April 2006 um 13:53
Tja dann..
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