Family Bonds

Am Ende liegt die familiäre Verantwortung ja doch immer hinter der Kurve. Du kennst die Strecke, du bist sie hundertmal gefahren. Jedes Bild, jede Ausfahrt, manchmal spielen sie im Radio sogar dieselben Songs. Du kennst das Licht und wie es auf deine Stirn fällt, sobald du unter der Brücke durch bist. Die Namen der Städte, das hügelige Land. Als Kind warst du still, wenn ein Käfer über die Scheibe gekrabbelt ist, der war neu und nicht schon so abgetragen, den hast du angeschaut und mit den Augen verfolgt, bis am Rastplatz die Tür geöffnet wurde. Ein Flügelschlag mit dem Knistern der Alufolie.

Und das Seufzen wurde gut verpackt. Liegt jedem auf dem Schoß, manchmal dem Fahrer nicht, dafür hat der Beifahrer zwei oder eines liegt hinten auf der Ablage und rutscht bei jedem Bremsen ein Stück weiter nach vorn, bis es dir in den Nacken piekt. Jeder hat eins und alle halten die Hände darum, damit es nicht verrutscht, runterfällt, kaputtgeht, dazwischen ist nur Schweiß. Keiner gibt seins aus den Händen, außer der Fahrer, der schaut in den Rückspiegel, immer wieder besorgt. Die müssen alle heil ankommen, um dann als Geschenk mitgebracht und überreicht zu werden, gemeinsam geöffnet. Mit dem Abwischen der Hände wie im Chor.

Erwartung und Enttäuschung wurden zusammengelegt, übereinander, eines für jeden Anlass, extra gebügelt und gefaltet. Am Ende zerknittert, jeder kann sehen, wie weit du gekommen bist, jeder kann sehen, dass beides nicht ganz passt. Nicht mehr oder immer noch nicht. Eines kneift immer, auf dem anderen ist ein Fleck, hier und da wird gezuppelt und gezerrt, für das Photo reicht’s immer. Wir haben uns alle hübsch gemacht, wie jedes Jahr. Am unteren Rand sieht man noch die Reste vom letzten Mal, wenn man ihn umschlägt für einen Moment könnte man meinen, wir hätten sie extra gekauft, neu aufgelegt und mit einer Hand am Kinn bedacht ausgesucht. Aber es sind dieselben wie immer. So nah beieinander und falsch etikettiert.