Einen Augenblick, bitte.

Die Schritte hallen laut. Man darf nicht photographieren, aber mit dem Kaffee aus Plastikbechern darf man bis an das Schild gehen, das einen daran erinnert, bloß keinen Schritt weiter zu machen. Mit gewärmten Händen kann man sitzen und Frida Kahlo betrachten, Anna Seghers, Duchamp oder Sartre, Simone de Beauvoir oder Walter Benjamin. Man kann sich hinsetzen und versuchen, sich vorzustellen, was für ein Mensch sie wohl gewesen ist, indem man mit ihren Augen sieht. Nicht hinein sondern hindurch. Leider ist das Licht schlecht, immer wieder spiegelt sich die Deckenbeleuchtung in den Photographien, aber man darf sich nähern, die Hallen sind leer. Man erschrickt vor dem Kaffeeautomaten und hört sogar das Seufzen des Ledersofas, sobald sich jemand hineinfallen lässt. Vor dem einen jedoch könnte ich ewig verweilen, schauen und die Schultern hängen lassen, weil sie auf dem Bild so schön den Arm um ihn liegt, weil das Licht so gut und ihr Gürtel ein bisschen verrutscht ist, weil sie die Köpfe gesenkt haben, aber man ihre Gesichter nicht braucht, um zu sehen, wie nah sie sich sind. Weil das Paket neben ihnen so unangetastet und ohne Falten daliegt, als sei es aus Marzipan. Weil es das dritte Bild der ganzen Ausstellung ist und mir schon genügt, ich bräuchte eigentlich gar nicht weitergehen.
“Gisèle Freund. Photographien und Erinnerungen.” - Im Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern, Maximilianstraße 53 in München. Noch bis 18. Januar jeden Tag außer feiertags von 9-19 Uhr zu sehen.

Kommentare
dass sich die deckenbeleuchtung in den ausstellungstücken spiegelt ist mir auch schon häufig passiert und ich verstehe gar nicht, wie sowas überhaupt vorkommt. sollte das achten auf diese dinge nicht zu den grundvoraussetzungen gehören, wenn man eine ausstellung macht?
die ausstellung habe ich leider nur in einem kurzen beitrag im fernsehen bewundern können, würde ich aber gern selbst erleben. leider zeitlich nicht möglich. etwas weit weg. ein wenig neid schwingt in meinen worten mit.