Ein Haus im Wald am Wasser

Wenn man im Treptower Park den Weg am Wasser nimmt, an der Insel vorbei und am still gelegten Vergnügungspark, vorbei an den liegenden Dinosauriern, den großen Schwänen, die da nun ohne Wasser mitten im Wald stehen, vorbei an den Marienkäfern und der rostigen Wasserbahn mit dem Wagen noch oben an der Schwelle zum Abhang, wenn man den Weg nimmt und dann noch ein bisschen weitergeht, an der kleinen, zerbeulten Achterbahn vorbei und der großen weißen Halle, kommt man zum Eierhäuschen. Der Backstein verfällt langsam, drumherum hat jemand lieblos einen Bauzaun gestellt, der Sturm hat ein paar Bäume umgeworfen, die Zeit ein paar Mauern. Aber man braucht nicht viel Phantasie, um sich die eingeworfenen Scheiben wieder glänzend und neu vorzustellen, den Müll von der Terrasse runter und ein paar weiße Stühle drauf, das Dach neben dem Turm wieder repariert und vielleicht noch ein bisschen nass vom morgendlichen Regen.

Es ist ganz einfach, wenn man die Augen ein bisschen zusammen kneift, Menschen auf der Treppe sitzen zu sehen und Licht im Turmfenster, den Duft von frisch gebackenen Mandelhörnchen zu riechen und das geschäftigte Treiben an der Hinterseite, weil dort Menschen sitzen könnten, die arbeiten und zur Pause die Füße in den Fluss hängen. Man könnte sich den Bärlauch für das Abendessen frisch pflücken, man könnte morgens mit dem Rad hinfahren und müsste während der Arbeit keinen Autolärm hören, nur Vögel und vielleicht in weiter Ferne ein bisschen Stadtatem. Und der Wintergarten wäre ein guter Platz für Konzerte, der besonderen Art, für gute Musik und einen Blick nach draußen ins schwarze Nichts der Nacht, vielleicht auch ein Platz für stille Winternachmittage, an denen die Rehe vor dem Fenster vorbei huschen und Spuren in den Schnee machen. Es wäre ein guter Ort mit vielen Möglichkeiten, würde sich die Stadt darum kümmern. Aber sie wartet viel zu lange und mit jedem Tag rückt das Haus weiter weg von der Möglichkeit der Instandsetzung. Berlin ist voll von solchen Orten, kleine Oasen mittendrin, die einfach übersehen werden und irgendwann verschwinden.

(Sollte jemand einen Haufen Geld haben, mit dem er junge Leute fördern und sich selbst einen Namen machen will, sollte er das Haus kaufen und sich dann bei mir melden. Der Business-Plan liegt schon bereit, das Konzept ist sehr super, der Ort sowieso.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 15. März 2008 um genau 18:17 Uhr.
Kategorie : Berlin

36 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. spalanzani  |  15. März 2008 um 19:02

    Ich stimme zu, bis auf die Mandelhörnchen: Die sind zu betulich und Caféhaft. Es müsste aber einen Flügel geben, und im Sommer Lampions.

  • 2. Liz  |  15. März 2008 um 19:10

    @spalanzani. Aber frische Mandelhörnchen! FRISCHE MANDELHÖRNCHEN!

  • 3. holgi  |  15. März 2008 um 19:21

    Steht das Futuro-House noch gegenüber?

  • 4. alex  |  15. März 2008 um 23:47

    hach, das war doch frueher immer meine tschogg-strecke, geld hab ich keins, aber mitmachen wuerde ich sofort.

  • 5. Liz  |  16. März 2008 um 13:52

    @holgi. Jawoll, ja. Jeden Tag wieder, hübsch weiß angezogen.
    @alex. Dann karr mal brav einen Investor ran.

  • 6. spalanzani  |  16. März 2008 um 15:26

    Wir haben ein Futuro in Berlin? WAS<? Warum zum Teufel weiß ich das nicht? Ihr verarscht mich nicht? Wem gehört es? Wie nah kommt man ran?

    @Liz: Du hast einen Businessplan?

  • 7. Liz  |  16. März 2008 um 15:55

    @spalanzani. (Wo kommt eigentlich dieser komplizierte Name her?). Man kann das Futuro vom Ufer gegenüber angucken, den Rest hab ich noch nicht ausprobiert. Und naja, ich habe neben dem Businessplan auch ein bisschen übertrieben, ich habe eher den Plan für ein Business. Ja.

  • 8. spalanzani  |  16. März 2008 um 21:23

    Spalanzani war ein Naturforscher, in dunkleren Stunden ein Hersteller hölzerner Puppen.

    Ich frage, weil ich seit Jahren grüble, wie man zu einer Villa am Wasser kommt, die einfach da ist für den Kreis feiner Menschen: Wo man hinfährt, und es passiert immer was, oder wenn nichts passiert, kann man in Schönheit am Fenster stehen und ein flaches Glas austrinken, oder in der Küche kocht immer grade jemand Nudeln, und wenn man es nicht nach Hause schafft, kann man sich auch zurückziehen und eine Nacht da schlafen, und man feiert die Feste da und alle verlieben sich kreuz und quer.

    Das Problem ist, daß man die Villa geschenkt kriegen müsste, ab da ginge es ökonomisch. Wenn man kein Haus hat, geht es nicht.

  • 9. Liz  |  16. März 2008 um 23:46

    @spalanzani. Die Sache mit diesem Haus wäre auch die, dass man es nicht nur geschenkt bekommen müsste, sondern dass es auch noch eine Komplettsanierung benötigt. Deswegen braucht man jemanden mit Geld. Der das gut findet, der dem Engagement traut und sich des Potentials bewusst ist, dass man da hineinstecken und weiter entwickeln würde.

  • 10. spalanzani  |  17. März 2008 um 2:57

    Die hier sind offenbar zur Zeit dran, in einer Mischung aus Sentimentalität, Bürgersinn und leicht rührender Tüchtigkeit. Unbedingt auch die “Geschichte” lesen. Sagenhaft Berlin, das alles.

    Schnell ergoogelte Lokalpressearchive sagen: Seit Anfang der 90er, also schon lange vor dem Exitus des so wunderbar halbseidenen alten Spreeparks, gab es Bemühungen, wieder was aus dem Eierhäuschen zu machen. Das scheint immer daran gescheitert zu sein, daß man keine Parkplätze bauen darf in der Gegend und ein Ausflugslokal ohne Parkplätze schwer zu betreiben ist. Die Antwort der Spreepark4Berlin-Leute scheint zu sein: Das Eierhaus muß eben zum Park gehören, außerdem kann man die Leute ja mit dem Dampfer hinfahren…

    Kurz: Von den politischen Schwierigkeiten abgesehen scheint mir das viel weniger ein Problem des Kapitals als ein konzeptuelles Problem zu sein im Augenblick. Wenn jemand was Überzeugendes vorrechnen könnte…

  • 11. Liz  |  17. März 2008 um 11:33

    @S. Ja, man könnte das direkt an den Park anbinden. Halte ich aber für Verschwendung. Erstens kann man dahinlaufen, zweitens rennen da jeden Morgen tausende von Joggern vorbei und düsen ganz viele Radler drumrum, das ist nicht so ausgestorben, wie es scheint. Schon gar nicht am Wochenende.

    Das halte ich nicht für ein konzeptuelles Problem. Wie gesagt, da ist ständig reges Treiben. Und es gibt einen Bus, der bis zur Insel fährt. Von dort sind es nur noch wenige Minuten zu Fuß. Und wenn man einen Boots-Shuttle einrichtet, geht das auch. Zumal soll es ja eigentlich kein neuer Touri-Anlaufpunkt, sondern eher ein Platz für Ruhe suchende BerlinerInnen werden.

    Kosten wird da eher, dass das komplette Dach neu gemacht werden muss und der hintere, zerfallene Teil abgerissen.

  • 12. frank  |  17. März 2008 um 12:47

    ich glaube, ihr redet gerade ein bißchen aneinander vorbei (gestatten: frank, interpretator). parallelutopien haben ja auch ihren reiz, aber: ich glaube, mister vau hätte gern eher einen philosophisch-entrückten landsitz mit 20er-jahre-charme, so eine art kommune ohne kommunengefühl. zumindest lese ich das da raus. das hätte wohl was, ich glaube aber leider, daß “die location” ™ dafür nicht geeignet ist.

    aber: so als eine art (achtung, böses wort -) hallenprojekt in gut, als spielplatz für die guten, als treffpunkt für menschen mit hirn und vor allem seele — allerdings dann eben doch nichtöffentlich, also nicht mit eintrittverlangen und teil eines spreeparks oder angehängtem bistro zur crossfinanzierung, sondern eben doch finanziert durch einen lottogewinn und als “closed user group” für alle, die sich so halb kennen und irgendwie gut finden gegenseitig, als möglichkeit zum arbeiten und wetterbeobachten und musikhören und feste feiern und als erweiterte familie für den teil des herzens, der bisher immer seufzt — also, als sowas stell’ ich mir das echt toll vor.

    (also: ein kleines bißchen weniger inszeniert, als v. es meint. ein kleines bißchen realer, ein kleines bißchen weniger romantisch, aber ein kleines bißchen mehr euphorisch. vielleicht.)

  • 13. Liz  |  17. März 2008 um 14:13

    @F. Ich finde, DIE LOCATION ist auch ein hübscher Name. Naja. Oder eben EIERHÄUSCHEN. Zumal ich dieses Thema ja auch wunderhübsch zum kommenden Fest ausgesucht habe.

    Jedenfalls stelle ich mir darunter eben kein romantisches Landrestaurant vor, keine Villa. Mehr einen funktional-gemütlichen Ort mit Arbeitsplätzen, einem Café, einer Möglichkeit, Konzerte zu veranstalten, aber eben auch produktive Meetings. Einen Ort, wo Leute sind, die sich kennen(lernen), die miteinander arbeiten und Zeit verbringen möchten, auch wie du schon sagst, eher nicht-öffentlich oder zumindest nur teilweise öffentlich und dann auch eher mit anderem Publikum als dem Spreebesuchdampferfahrtauto-Besucher. Nicht Hallen- sondern eher Hausprojekt, kein zweites Zuhause, eher einen neuen Ort des sich Sammelns, der Kommunikation, aber eben auch Ruhe und Entspannung. Weg von der großen Stadtgeschwindigkeit hin zu einem eigenen Tempo, das bestimmt wird durch den Lichteinfall, die Farbe des Flusses, die Jahreszeit, das Wollen der Einzelnen. Keine Kommune, keine zweite Familie, kein Freundeskreisersatz. Was eigenes eben.

  • 14. frank  |  17. März 2008 um 14:38

    “l’e vocation”.

    ich halte für die größte schwierigkeit (”jaja, der f. wieder, nur luxussorgen!”) eigentlich die erwartungshaltung bzw. deren erfüllung oder nichterfüllung, sobald da mehrere personen dran beteiligt sind. oder vielleicht nicht erwartungshaltung, sondern die vision, und das “romantische” daran (an der vision, that is). wenn das nicht paßt, bei jedem, dann driftet es schnell ab in richtung hallenprojekt oder spreedampferpublikumsattraktion einerseits, oder in schlufficafé mit dj andererseits. braucht man ja beides nicht, gibt’s ja schon.

    alles andere (finanziell, dachlochstopfung, beteiligtencasting, ..) halt ich jedenfalls für einfacher lösbar. und wenn’s nur der lottogewinn ist. aber an dem arbeiten wir ja eh schon.

    ~

    (und mal abgesehen von dem ganzen mir leider anerzogenen skeptizismus: die idee an sich gefällt mir. auf dieser romantischen ebene. also: weil es das noch nicht gibt. so wie ich es mir (du dir, wir uns, ..) vorstelle. womit ich wieder beim potential (kontrast) zwischen “ist” und “ist möglich” wäre, und diesen kommentar jetzt leider abbrechen muß, bevor ich wieder klinge, als hätte ich zuviel rotwein getrunken. und das um halb drei nachmittags.)

  • 15. Liz  |  17. März 2008 um 14:58

    @F. Ich glaube ja, sowas gibt es schon. Nur eben an anderen Orten mit anderen Voraussetzungen. Die Romantik gibt der Ort vor, der Rest sollte schon realitätsnah realistisch und auch kommunikativ gestaltet werden. Ein kleines Kernteam mit weiterem Mitarbeiterstamm. Kein Problem, denke ich. Dogma sollte sich raushalten, offenes Reden ist wichtig und auch, dass man die Erwartungen im Zaum hält. Es ist immer jeder für sich und das, was er einbringt, selbst verantwortlich. Man muss bereit sein, Kompromisse zu machen und das nicht als Fluchtpunkt vor der Welt sondern eher als Bereicherung zu sehen. Ich denke, eine Mischung aus alldem, was du als schlimm proklamierst, wäre gar nicht so schlimm, wenn die richtigen Menschen mit Herzblut dahinter stehen. Ich finde, es darf eine Attraktion sein, wenn Menschen das durchziehen, was sie lieben. Ich finde, es dürfen Dampferomis kommen und sich das anschauen. Ich finde, man muss es erklären dürfen und wollen. Nur so wird es Akzeptanz und Input geben, nur so wird man auch immer hinterfragt und schießt sich nicht auf die absolute Richtigkeit der eigenen Pläne ein. Nur so verschließt es sich nicht vor dem Rest der Welt. Ich finde diese Offenheit sehr wichtig und dass man sich nicht abkapselt vom Rest der Welt und trotzdem eine gewisse Privatsphäre beibehält.

    Ich find genau das damals in der alten Garage Pankow nicht schlecht. Es waren Leute da, die sich lange kannten, es kamen neue dazu, aber man hatte immer ein bisschen das Gefühl, gut aufgehoben und an einem Ort zu sein, dem man vertraut. Mit guter Musik und moderaten Preisen, mit Offenheit und Ideenpotential, mit Kreativität. Mir ist das am Ende ein bisschen zu sehr in diese Cliquenecke gerutscht, aber das liegt ja auch immer an den Menschen und wie diese sich verschließen und öffnen, was sie bereit sind zu geben und was sie erwarten.

  • 16. frank  |  17. März 2008 um 15:20

    ich meinte es gar nicht mal allzu konkret. sondern eher: find’ erst mal genug menschen, die eine ähnliche vorstellung von so einem ort haben. das beinhaltet die sache mit der offenheit und nichtvorhandenen erwartung und und kompromisse und all das. aber: die “idee davon” muß eben halbwegs deckungsgleich sein, bei den beteiligten. die meta-kompromißbereitschaft vielleicht.

    (ich versteh’ das ding, also gedanklich hin-konstruiert jetzt, ja nicht nur als arbeitsplatz. sondern, ausreichend utopisch (um mal nicht dauernd “romantisch” zu sagen, bedeutet aber fast das gleiche in diesem fall), als teil von einem selbst, als display of was-einem-wichtig-ist und wie man tickt. zeig’ mir deine begeisterung und ich sag’ dir, wer du bist.)

    (manchmal fühle ich mich so abstrakt.)

  • 17. Liz  |  17. März 2008 um 15:32

    @F. Huch, Leute zu finden ist eine Schwierigkeit? Gerade habe ich das Gefühl, mehr als eine Handvoll Menschen in meiner nahen Umgebung zu haben, die genau so einen Ort gerade suchen. Und die auch durchaus ähnliche Vorstellungen haben, Ansichten und Perspektiven. Nun ja. Also an Leuten sollte es nicht mangeln.

  • 18. Liz  |  17. März 2008 um 15:36

    “Die Kosten für die Sanierung des Hauses werden auf ein bis zwei Millionen Euro geschätzt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Landesdenkmalamt haben bereits Förderungsmittel angeboten.”

    http://www.berlin-treptower-park.de/umgebung/plaenterwald/alteseierhaeuschen/index.html

  • 19. frank  |  17. März 2008 um 16:45

    du bringst die leute, ich die ca. zwei millionen?

    (hmpf. wie war noch gleich die kandidaten-hotline für werwirdmillionär?)

    ~

    oder wenn man das ding einfach besetzt? wie früher, zu der zeit, als wir dinge gelesen haben über leute, die häuser besetzen? und ich meine besetzen in positiver hinsicht: also einfach was draus machen und dann sagen “ey, guckt doch mal, wie toll das geworden ist, packt eure investoren doch bitte wieder in die entsprechenden xing-foren und laßt uns hier einfach mal machen”?

    (merken: nachher mal genauere definition von “utopismus” nachgoogeln.)

  • 20. frank  |  17. März 2008 um 16:46

    (zumal man das häuschen ja auch gar nicht /sanieren/ will, sondern nur was /draus machen/. also viel weniger verkrampft und viel weniger verzweckt. glaube ich.)

  • 21. Liz  |  17. März 2008 um 16:55

    @F. Wenn du das Ding einfach besetzt, fällt es über dir zusammen. Oder du brichst durch den Boden. Oder wirst beim nächsten Sturm vom Blitz erschlagen oder von einstürzenden Wänden.

    Ich glaube, das man denen so konkret wie möglich werden müsste. Mit genauen Kalkulationen und Plänen, mit Umsetzungsleitfäden etc, sodass die sich um gar nichts mehr kümmern müssen. Sowas mögen solche Leute.

  • 22. frank  |  17. März 2008 um 17:04

    aber sowas mag halt kein normaler mensch.

    ob man sich mal schlau machen sollte, wer da als potentieller investor auf der matte steht und dann von einem davon die tochter entführt oder sowas, also ihn zwingt, die knete in was gutes ™ zu stecken?

    (von einstürzenden wänden in einem utopischromantischen hausprojekt erschlagen zu werden, stelle ich mir aber gar nicht so unangenehm vor. also bei allen todesmöglichkeiten, die einem sonst so einfallen. einstürzende altbauten.)

  • 23. Liz  |  17. März 2008 um 17:09

    @Frank. Das mit dem Rauskriegen der Investoren klingt schonmal gut. Das mit der Entführung ist ein Plan, über den ich eher “allerletzte Chance” schreiben würde. Vorher würde ich jedoch einfach versuchen jemanden hübsch argumentativ zu überzeugen.

  • 24. frank  |  17. März 2008 um 17:13

    oh. oldschool.
    ja, zugegebenermaßen wäre das die naheliegendere variante.

    (oder natürlich ein bürgerbegehren. sowas ist ziemlich “in” derzeit, hab’ ich mir sagen lassen. direkte demokratie muß ja auch mal zu /irgendwas/ gut sein.)

  • 25. Liz  |  17. März 2008 um 17:15

    Für ein Bürgerbegehren ist das zu kleinteilig. Außerdem will einem dann jeder reinquatschen. Nee nee ;)

  • 26. spalanzani  |  18. März 2008 um 0:44

    Bah, das saß mit der Inszenierung. Frank hat natürlich astrein “Was nützt die Liebe in Gedanken” herausgeahnt, aus meiner Villenfaselei, wo kommen die 20er sonst her? — Nein, nein, philosophische Entrückung funktioniert allein eh besser, dafür braucht man kein so großes Haus.

    Ich muß ihm auch sonst durch die Bank Recht geben:

    Erstens, das mit dem Lottogewinn stimmt: Das ist kein Investment, sondern ein Projekt. Mit Gastronomie und Veranstaltungen in Berlin Geld verdienen zu wollen, ist verwegen, erst recht wenn man das nicht schon seit dreissig Jahren macht. Besetzen und zeigen: Sonst glaubt’s Dir keiner.

    Zweitens: Das mit dem Nicht-Sanieren stimmt auch. Man will das Kaputte ja haben, schon damit es nicht so einfach ist, Wert zu vernichten durch Benutzung. Es muß zusammenhalten und heizbar sein: Das genügt.

    Jetzt mal konkret und positiv, der Weg zum Eierhäuschen: (ich tu einfach mal so markig, als wüsste ich, wovon ich rede) (1) Rausfinden, wie die Besitzverhältnisse sind. Wem gehört das Haus? Dieser insolventen Spreepark-Klitsche? Der Stadt? (2) Rausfinden, wie die politischen Verhältnisse sind. Wikipedia deutet ja darauf hin, daß die Entscheidungsträger glauben, daß eine Nutzung mit einem neuen Spreepark zusammen vielversprechen ist. (3) Den Entscheidungsträgern klar machen, daß das Unsinn ist, der Park Geschichte und ohne Parkplätze das Eierhaus nie ein rentables Ausflugslokal würde. (4) Einen Verein gründen und dem Eigentümer (hoffentlich der Kommune) einen Deal vorschlagen: Anstatt zu warten, daß jemand genug Geld für einen neuen Spreepark-Unsinn auftreibt und dabei zu riskieren, daß das Eierhaus endgültig verrottet, gebt es uns für kein Geld und wir renovieren es für fast kein Geld. (5) Freiwillige auftreiben. Viele. (6) Sponsoren auftreiben. Kriegen lebenslang Freikarten und Kuchen für umsonst und dürfen sich unter die jungen Leute mischen. Gegen finanzielle Hilfe beim Dachausbau. (7) Wie die Löwen kämpfen gegen die echten Investoren, die’s danach haben wollen werden.

  • 27. spalanzani  |  18. März 2008 um 0:46

    Ähm. Das letzte Wort von Punkt (2) lautet sei.

  • 28. frank  |  18. März 2008 um 2:33

    (mal so zwischendurch:)

    bei google earth wirkt die gegend ein bißchen so, als würde da broccoli wachsen, rund um das eierhäuschen. ich mag ja broccoli.

    (und im winter ist’s dann eben blumenkohl. auch gut.)

    52°28′53.61″N, 13°29′39.54″E — das da ist es, oder?

  • 29. Liz  |  18. März 2008 um 9:04

    “Man will das Kaputte ja haben, schon damit es nicht so einfach ist, Wert zu vernichten durch Benutzung. Es muß zusammenhalten und heizbar sein: Das genügt.”

    Äh - NEIN. Ich will nichts Kaputtes, ich will, dass es gut und haltbar instand gesetzt wird. Sonst könnte ich mich auch daneben stellen und sagen:” Haha, guck mal - meins.” Es muss mehr als zusammenhalten, weil man sonst nur damit beschäftigt ist, die kleinen Schäden zu reparieren. Es muss nicht nur heizbar sein. Dieses ständige provisorische der Berliner nervt mich auch. Ganz oder gar nicht, meine Güte, das ist doch nicht so schwierig. Ich will nicht in ein besetztes Haus oder eine Rumpelkammer, ich will kein Punk oder Hippie sein, sondern dass das mal realistisch bestrachtet wird. Ich finde, dieses ganze Schnöselblabla von wegen melancholischem “Wir holen uns unsere Jugend zurück und machen da mal einen drauf” ist blöd. Meiner Meinung nach. Ich habe keine Lust auf ein dreitausendstes Studentencafé oder eine neue Wagenburg.

  • 30. steffi  |  18. März 2008 um 11:37

    ach..
    ihr seid etwas spät dran. meine freundin suse und ich haben das eierhäuschen bereits ende der 90er, sagen wir mal.. in gedanken gekauft. also: finger weg!
    zu diesem dingens gegenüber vielleicht noch. man kann es sich ganz aus der nähe ansehen, wenn man es schafft auf das alte rundfunkgelände zu kommen. es ist niedlich aus der nähe.
    viel erfolg.

  • 31. Liz  |  18. März 2008 um 18:42

    @steffi. Ich habe vergeblich einen Namen auf dem Klingelschild gesucht, aber jedenfalls - naja - vielleicht kann man sich ja einigen. Wir sind drei, ihr seid zwei. HA!

  • 32. frank  |  18. März 2008 um 20:37

    um das mal up-zu-rounden: in manchen tagträumen sitz’ ich ja beim werwirdmillionär-casting und lache immer die ganzen deppen aus, die auf die frage nach dem zweck “der million” die klassiker “anlegen, auto kaufen, haus bauen” in’s castingformular schreiben. und denke mir dann, daß ich eigentlich am liebsten eine neue instanz von viva2 fördern würde, dafür aber _eine_ million nicht so richtig reicht, .. also anders gesagt: wenn ich da jetzt bald mal sitzen sollte und unermeßlich reich werde, weiß ich wenigstens, was ich antworte, wenn der jauch günther fragt, was ich mit so viel knete denn machen würde.

    (”privatier bin ich schon. ich würde jetzt gern eine ruine vor dem verfall retten. und ein paar junge menschen noch dazu.”)

  • 33. holgi  |  19. März 2008 um 1:46

    Spalanzani, der Landweg zum Futro ist versperrt. Da habe ich mir letztes Jahr schon eine kleine Verfolgungsjagd mit einem übermütigen Wachmann geliefert. Er war zu Fuß und ich saß auf einem Motorrad.

    Im Sommer wollte ich mal versuchen, mit dem Boot ranzufahren. Stralau wollte auch mir und wenn Du auch mitkommst, können wir ordentlich zusammenlegen und uns irgendsoein Dicke-Hose-Schiff chartern und noch irgendwas subversives machen. Zwangslesung mit Megaphonen vor dem Oststrand oder so. Musste mal Mail schicken.

  • 34. Dr.Sno*  |  19. März 2008 um 10:11

    “Man will das Kaputte ja haben, schon damit es nicht so einfach ist, Wert zu vernichten durch Benutzung. Es muß zusammenhalten und heizbar sein: Das genügt.”

    Das ist - mit Verlaub - auch aus technischer Sicht natürlich ziemlicher Quatsch. Bei Gebäuden (wie übrigens auch bei Menschen) gibt es die Eskalation des Verfalls.

    D.h. ist bei einem Gebäude erstmal eine Scheibe kaputt und wird nicht ersetzt, so sind es bald viele und dann hier ein aufstehender Parkett, flugs dort ein paar angefaulte Deckenbalkenköpfe und schliesslich ein möglicher Teileinsturz einer Decke.

    Jedem Investor ist klar, dass es bei fortschreitendem Zerfall irgendwann einen point of no return gibt, an dem eine Sanierung (womöglich hier eine Entkernung?) nur noch Verlust bedeutet. Besitzer solcher Immobilien tun also gut daran, diesen Punkt nicht zu überschreiten. Sowas lässt man wohl nur passieren, wenn man a) keinen Cent zum Sanieren zur Verfügung hat oder b) einem der eigene Besitz total egal ist.

  • 35. Liz  |  19. März 2008 um 10:18

    @Dr. Sno. Meine Rede! (Würde ich dieses Auf-den-Tisch-klopfen-bei-Zustimmung nicht so doof finden, würde ich das jetzt tun. Naja. Jedenfalls in Gedanken.)

  • 36. frank  |  18. April 2008 um 9:11

    übrigens machen die sage-leute gerade (morgen, genaugenommen) auf dem gelände neben dem futuro einen neuen laden auf (”rechenzentrum“). was jetzt eigentlich nichts mit dem eierhäuschen zu tun hat, aber wegen des futuros wollte ich’s dann doch mal hier .. also .. you know.

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