Und das Knacken im Gelenk
Erst lasse ich die Jacke an, dann ziehe ich sie doch aus und lege sie mir auf den Schoß. Meine rechte Hand sucht sich die Stelle des roten Stoffs, die am wärmsten ist. Die am leisesten ist. Wohin mit den Füßen, frage ich mich, wohin mit den Füßen? Kalt und warm im Takt mit der Gänsehaut, während auf der Leinwand einer schreit, einer schlägt, einer verstummt. Die Frau links neben mir hält die Luft an. Selbst das kann man hören. Und den Leuten ist ihr Husten peinlich, sie sind sich selbst peinlich und die Bilder auf der Leinwand sind ihnen fremdpeinlich. Ja, wohin mit den Füßen. Sie legen ihre Hände in den Schoß, während auf der Leinwand einer rennt, einer steht, einer fällt.
Die Bilder dauern. Deine einzige Chance ist dein Auge. Schließ es oder halte durch. Dass Zwinkern dabei manchmal wie Erlösung und die eigene Jacke zum Schutzwall wird, scheint abstrus, aber niemand stellt es in Frage. Man hat ja sonst nichts. Und niemand sitzt im Saal allein. Und der auf der Leinwand vergewaltigt, versucht und verliert. Im Publikum rascheln die krampfenden Hände. Im Gang draußen reden die wenigsten. Manche träumen nachts davon, manche sind froh, dass sie es nicht tun.
Liz hat es verfasst, und zwar am 13. September 2006 um genau 17:07 Uhr.
Kategorie : Filme
7 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. LinkerVerteidiger | 13. September 2006 um 21:33
Ich glaub die selben Reaktionen hatte ich auch in meiner Umgebung… Es waren harte Bilder die vor Ehrlichkeit strotzten. Ich musste lang über den Film nachdenken und auch meine Begleitung war hin und hergerissen. Ein sehr guter Film mit einer beleuchteten Seite die man so wohl kaum kannte.
2. Liz | 14. September 2006 um 12:34
Ich hab mich noch nicht wirklich getraut, so lange darüber nachzudenken.
3. Burnster | 14. September 2006 um 15:44
Spitzen Antwort, Lieblingsprakti!
4. Liz | 14. September 2006 um 17:35
Wasn daran ne Spitzenantwort?
5. Dumpinglohnempfänger | 14. September 2006 um 19:52
Ich verstehe die Antwort.
6. Martin | 14. September 2006 um 21:53
Ich bin nicht in Reichweite ihn zu schauen, aber die polarisierenden Kritiken in der deutschen Presse und Dein Text hier haben mein Interesse geweckt …
7. Liz | 15. September 2006 um 9:22
@D. Sehr gut.
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