Durch die Finger

Bei diesem Film weiß man schon nach zehn Minuten, dass man ihn nicht bis zum Ende durchhält. Jaja, tolle Farben, prima Gesichter und so. Und Indien zieht ja sowieso oft. Dumm nur, wenn man mit der Kamera auf alle kleinen Gesten hält und damit sagt: “Jetzt guckt schon hin, das ist NEBENSÄCHLICH.”

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Dumm auch, wenn die Dialoge furchtbar vorhersehbar, die Rebellion der kleinen Chuyia gegen das Kastensystem in Indien bis ins Kleinste ausgesprochen und gezeigt wird, sodass dem Zuschauer auch ja nichts entgeht. Dass man keine Lust hat, auf Metaphern, die keine mehr sind, weil man ihnen jeglichen Interpretationsspielraum genommen hat, ist den Machern anscheinend egal. Vielleicht hat man aber auch nicht mit selbstlaufenden Gehirnen gerechnet, vielleicht versucht man ja, Leuten, die sonst auf Terminator stehen, Ästhetik beizubringen. Funktioniert nicht. Wird unästhetisch. Und sowas von gehaltlos.

Die Geschichte ist schon in den ersten drei Minuten erzählt und durchschaut. Chuyia wurde als Kind verheiratet, ihr Mann stirbt und so ist sie schon eine Witwe, bevor sie überhaupt verstanden hat, was das heißt. Abgeschoben wird sie dann in ein Witwenhaus. Natürlich will sie da nicht bleiben, natürlich sind die Frauen da alle komisch, natürlich gibt es auch die Guten, natürlich rafft Chuyia als kleines Mädchen sofort, wer ihr da über den Weg läuft. Offenkundig und total märchenhaft (natürlich!): “Ein Engel?!” Unvorteilhaft auch, wenn dazu die Synchronisation volle Banane ins Klischee fährt und nicht passt.

Wenn einem der Kopf in die Schraubzwinge geklemmt wird, macht man doch automatisch die Augen zu.

(Offiziell läuft “Water” ab 7.September in den Kinos.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 5. September 2006 um genau 11:44 Uhr.
Kategorie : Filme

2 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Burnster  |  5. September 2006 um 12:37

    Die panische und vorzeitige Flucht aus dem Kino liess mich ja dann eben auch meine Tasche liegen lassen. So ein Alptraum. Ein Film mit allen Zutaten, die einen Mann wie mich in die Verzweiflung treiben: Indien, kleine, freche Kinder, Symbole, langsamer Schnitt und keine Actionszenen.

  • 2. Liz  |  7. September 2006 um 16:44

    Ich hoffe, der gestrige Betriebsausflug war Entschädigung genug.

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