Dienstagsaufreger

Ich frage mich, wo dieser arrogante Typ seine achso großen Mengen Zeit hernimmt, um zigtausend Bücher zu lesen, mir fallen ja beim Lesen abends im Bett nach einer Seite schon die Augen zu. Vom Lesen in der Bahn aufgrund von Handyklingeltönen ausprobierenden Kiddies, überfüllten Zügen wegen Streik oder gitarrespielenden Hmmmrummstatamusikern fang ich gar nicht erst an, da hilft nur Mucke an und rausgucken. Luft anhalten und abtauchen. Und zwischendurch ist leider (!) nicht immer genug Zeit, um sich mal in Ruhe zum Lesen hinzusetzen.

Jedenfalls wüsste ich doch gern, wo Mr. Superstudent dazu auch noch die Überzeugung aufgegabelt hat, so abfällig über seine Kommilitonen zu sprechen: “So lange es keine Studenten gibt, die bereitwillig den Hintern herhalten, um sich mal kräftig zum Lernen animieren zu lassen - so lange wird wohl die eigentliche Elite auf sich warten lassen“. Fein. Und was ist, wenn man gar nicht Elite sein will? Nicht jeder geht auf die Uni, um in jedem Fach seine Eins vor´m Komma zu haben, einige Leute arbeiten oder suhlen sich in ihrem Studienfach eben nicht so wie in einer heißen Badewanne, haben andere Leidenschaften. Und dann gibt es noch die, die keine Lust haben, sich auf diverse Sinnlosdiskussionen einzulassen, welche meistens zu nichts führen außer stickiger Luft und Ergbnislosigkeit, die sich ans Ende von anderthalb Stunden gesellt, deren Inhalt lediglich die Profilierung einzelner Universitätsschwafler ist, die sonst keine Hobbies haben.

Werter Herr Röhlig, geh mal schön den Weg durch dein Studium, aber lass doch bitte gern die anderen Leuten mit deinen Belehrungen in Frieden. Universität als Ort der Toleranz, holladiho, und jedem das Seine. Vielleicht könntest Du, wenn Du schon soviel Zeit in der Uni und der Bibliothek verbringst, auch gleich mal die Gelder suchen, die angeblich in die Lehre fließen. Zur Belohnung würde ich Dir eine Bienenbrille schenken. Macht sich super, wenn man im Sommer aus der Uni kommt und einem die echte, wahrhaftige Sonne ins Gesicht scheint. Dann braucht man sich nicht mehr die Hand über die Stirn halten, sondern kann sie dazu benutzen, in Ruhe ein Buch auszupacken.

Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Dezember 2007 um genau 16:11 Uhr.
Kategorie : Fragen

18 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. leser  |  4. Dezember 2007 um 18:19

    blickt mal beide über den tellerrand. der herr kann sich wie rumpelstilzchen ereifern, interessiert mich nicht. Bloß in einem Punkt, nämlich den des Lernprozesses hat er doch recht. Universität ist Bildung, nicht Ausbildung, nicht FH. Und eigentlich ist die Uni nicht dafür da, 4 Jahre Rumspaß-Berechtigung zu haben, nur um nachher auf billigstem Wege einen formalen Abschluß zu haben. Aber gottseidank verbietet das ja keiner, insofern kann ja jeder machen was er will. Bloß Leuten das Engagement für die Uni vorzuwerfen, ist schon leicht denunziatorisch und der Blick in über den Tellerrand, besonders in andere Fächerrealitäten sei euch beiden mal angeraten. Ich finds auch nicht traurig und nerdig, sich für sein Fach zu begeistern, sondern eher fein. In machen Fächern MUSS man ca. 600 Seiten/1-2 Bücher pro Woche lesen. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Da interessierts dann auch keinen, dass die Äuglein schwer sind, die Oma so laut hustet oder die Sbahn so laut ist. Aber entscheidet ja jeder selbst, was er sich antut. Wie auch 2h in der Sbahn pro Tag sitzen. Aber dann nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Manche Leute haben nicht die Wahl und manche Leute kriegen auch komischerweise hin, was man selbst für völlig ausgeschlossen hält. weil sie es müssen. Also halte mal das ein, was du forderst: Leben und Leben lassen. Und einfach mal andere Lebensrealitäten begreifen, tolerieren und vielleicht sogar akzeptieren!

  • 2. Liz  |  4. Dezember 2007 um 18:30

    @leser. Lieber Leser. Ich verurteile nicht sein Engagement für sein Fach. Ich finde es gut, wenn Leute sich für ihr Studienfach total begeistern können. Ich finde es gut, viel zu lesen, sich hineinzuschmeißen und darin aufzugehen, das geht mir mit manchen Dingen genauso. Aber ich finde es eben nicht gut, Leuten vorzuwerfen, dass sie nicht bei der Sache sind und in dieser Diskussion als Argument Äußerlichkeiten anzubringen. Ich finde es auch nicht gut, jemandem aufdrücken zu wollen: Deine Uni ist jetzt Elite, also benimm dich auch so. Ich finde es nicht gut, es sich zur Aufgabe zu machen, mit dem Zeigefinger zu wackeln und zu sagen: Du bist kein guter Student, weil du den Text nicht gelesen hast. Ja, manche Leute schaffen ein enormes Pensum Tag für Tag, die einen können nicht anders, die anderen machen sich damit fertig. Die einen dürfen, die anderen müssen. Ich denke, für einen solchen Appell in einem Artikel wäre ein bisschen Differenzierung und Taktgefühl sinnvoller als bloße Phrasendrescherei und Pauschalisierung.
    Zudem suche ich es mir nicht aus, 2h pro Tag in der S-Bahn zu sitzen, dennoch liegt die Uni in Dahlem und irgendwie muss man da ja hin. Ich akzeptiere sein Engagement, ich unterstütze Leidenschaft für das Versinken in Lektüre euphorisch. Ich finde nur, dass man sich seinen Lehrerton aufsparen oder zumindest sensibler einsetzen könnte. Und hinterfragen, bevor man anprangert.

  • 3. Annegretchen  |  4. Dezember 2007 um 18:49

    Herr Röhlig sollte sich lieber um sein Studium kümmern! Nicht, dass er sich plötzlich nicht mehr zur Elite zählen kann!

  • 4. Liz  |  4. Dezember 2007 um 18:50

    @Annegretchen. Hihi…

  • 5. Annegretchen  |  4. Dezember 2007 um 20:36

    Ist doch wahr! Das ist echt ein Dienstagsaufreger! Besser noch: ein Dienstagslacher!

  • 6. Annegretchen  |  4. Dezember 2007 um 20:44

    und noch zu “Leser”:
    Ich musste in meinem Studium auch 1-3 Bücher pro Woche lesen und Abhandlungen darüber verfassen und das neben den anderen zu erledigenden Aufgaben.
    Auch du wirst das erfolgreich meistern! Und du solltest das nicht als “müssen” ansehen, sondern als persönliche Bereicherung!
    Viel Erfolg beim Lesen.

  • 7. Paulchen  |  4. Dezember 2007 um 23:18

    Herr Röhlig mag ja arrogant daherkommen, aber in einem Punkt muss ich ihm ein bißchen Recht geben. Ich finde es auch schade, wenn ich Tag für Tag Student/inn/en begegne, die ganz offensichtlich kein echtes Interesse an ihrem/seinem Fach haben und sich eigentlich vielmehr in die Uni schleppen, weil man das eben so macht, wenn man nunmal bereits Abitur hat. Dass Geisteswissenschaft nicht nur bedeutet, Klausuren wie bei den Ingenieuren und den anderen Harte-Fakten-Fächlern aus dem Weg zu gehen, sondern auch, ziemlich fiese Mengen an fremden Ideen zu verzehren, sollte eigentlich jedem Studenten spätestens nach dem ersten Semester klar werden. Wer trotzdem 13 Semester lang über das Pensum nörgelt, sollte meiner Ansicht wirklich ihre/seine Motivation hinterfragen.

  • 8. mo  |  5. Dezember 2007 um 1:33

    ach herr röhring ist ja auch sonst sehr musterhaft.

    zivi im ausländerheim, schulwettbewerb gewonnen.

    mensa-mitglied. blah blah blah.

    so einen erhobenen zeigefinger kann er sich einfach gut leisten, das kann man doch verstehen…

    geht gar nicht.

  • 9. nath  |  5. Dezember 2007 um 5:00

    ich verabscheue studenten wie ihn und brauche dazu keinerlei argumentation.meine vita reicht.
    nath,harvard

  • 10. Liz  |  5. Dezember 2007 um 11:02

    @Paulchen. Ich finde es ja gut, wenn man sich sehr mit seinem Studienfach identifizieren kann. Ich z.B. kann das jedoch nicht und es gibt da keine Alternative außer “Augen zu und durch” und sich die Dinge rauspicken, mit denen man doch etwas anfangen kann. Was bedeutet denn “echtes” Interesse? Ich möchte mit Kommilitonen nicht immer nur über Fachinterna reden, da werd ich einfach doof im Kopp. Ich habe diverse Parties erlebt, auf denen die Anwesenden zwar sehr verheiratet waren mit ihrem Studienfach, aber in den Gesprächen ging es auch immer nur darum, oft einfach um die Darstellung des eigenen Wissens, “ja, ich hab schon das und das gemacht - wie läuft´s bei dem und dem?” und Menschen werden so blöde reduziert auf ihr Studienfach und ihr Studium. Ich studiere, ja. Aber wenn mich jemand fragt, sage ich nicht als erstes: “Ich bin Studentin”. Vielleicht ist das nicht optimal. Aber die Ideallösung gibt es eben nicht für alle zum Runterpflücken.

    @mo. Leisten wir uns doch einen hängenden Daumen.

    @nath. Jetzt weiß ich, woher wir uns kennen.

  • 11. mo  |  5. Dezember 2007 um 11:58

    bezüglich des daumens: [i]fail with consequence and smile[/i]

    und bezüglich dieses letzten kommentares ist genau das, was mir das phänomen universität insgesamt so ungemein unsympathisch macht:

    diese art der selbstdarstellung, die sich durchs komplette spektrum zieht. egal ob es jetzt besagte gespräche auf solchen parties sind oder diese schrecklichen leute in den überfüllten seminarräumen (wobei man manchmal selbst die professoren nicht ausschließen kann), die sich selbst so gerne reden hören.

    kombiniert mit einem beitrag deinerseits, der schon länger zurückliegt, wo es um überheblichkeit gegenüber leuten ging, die vielleicht nicht dem intellektuell-universitären-schwafelstandard entsprechen mögen, ist das wohl der ekligste ausdruck von arroganz, den man vorfinden kann.

    solche leute können nämlich gar nicht anders, als einem ihre geistige (un)tiefe so dick aufs brötchen zu schmieren, dass man beim schlucken schon wieder würgen möchte.

  • 12. nath  |  6. Dezember 2007 um 5:13

    denke gerne an den moment zureuck,wo du mir vor lehman hall wartend auf den malven farbenen cashmere pullunder abgeascht hast.

  • 13. Liz  |  6. Dezember 2007 um 17:04

    @nath. stimmt, damals hab ich einen tag lang geraucht.

  • 14. Paul(chen)  |  6. Dezember 2007 um 19:29

    Nee, ich will doch keine Menschen, die sich zuerst oder nur über ihr Studium identifizieren. Aber wenn einem alles im Studium nur noch anstrengend erscheint und lästig ist, könnte ein (vor allem geisteswissenschaftliches) Studium vielleicht einfach die falsche Wahl sein.

  • 15. Marcus  |  8. Dezember 2007 um 10:34

    @leser: Es scheint mir, aufgrund meiner universitären Praxis, unwahrscheinlich für ein Fach pro Woche ca. 600 Seiten lesen zu müssen. Und passt so auch nicht in die nach Textbewältigung strebende Form eines Seminars. Nehmen wir nur mal die reinen Literaturwissenschaften. Wir haben ein Seminar zum Thema “Autobiographien”. Lesen wir als zur einen Woche ca. 300 Seiten von “Dichtung und Wahrheit” - wir wollen ja nicht so sein, nicht gleich alles. Dazu noch ein paar nette theoretisierende Bücher zum Thema. Kein Dozent, kein Student kann das realistisch, also die - wenn gelesen - aufgenommenen Informationen, in ca. 90 Minuten bearbeiten. Selbst mit dem Aufsummieren anderer Fächer oder Seminare kommt man nicht auf solche Seitenzahlen; auf keinen Fall. Meine Erfahrung zeigt mir, dass eher Wert drauf gelegt wird, dass ein Text nach bestimmten Kriterien und Fragestellungen gelesen und bearbeitet wird. Denn auch der beste Leser versteht beim reinen Lesen leider nicht alles… das erfordert Quantitätsbeschränkungen… vielleicht sind mit 600 Seiten ja auch die Folien der BWL mit Schriftgröße 36 und je einem Diagramm pro Folie gemeint - aber obwohl: selbst die Schaffen keine 600 Folien pro Woche…

    Wo ich mitgehe. Natürlich sollen die Bücher - auch Dichtung und Wahrheit - gelesen werden, aber eben möglichst schon im Vorfeld.

  • 16. urbandesire » Blog &hellip  |  9. Dezember 2007 um 2:26

    […] Liz’s blogging » Dienstagsaufreger Herrlich… Liz über die schlechteste Kolumne auf SpOn. Was der Typ da geschrieben hat, sorry. (tags: uni blogging blogs) […]

  • 17. leser  |  12. Dezember 2007 um 19:24

    urks, etwas später.

    @liz: übrigens, der konformistenspacko aus freiburg ist eh nicht diskutabel, höchstens wenns um die bestimmung des wertes auf der nach oben offenen blasiertheitsskala gibt. ich wette 2€, dass er seinen schülerzeitungsmist da auch nur abladen kann, weil sein vater jemanden beim spiegel kennt. da sag ich ohne neid, kraft überlegener skills ; )
    und das von dir in den kommentaren gesagte war das von mir erhoffte: das begeisterung nichts schlechtes ist. und für augenzuunddurch drück ich die daumen und wünsche kraft. muss halt manchmal. find ich in gewissem rahmen auch tausendmal sympathischer als immer nur machen worauf man bock hat. glücklich wird man nur durch selbstüberwindung… (blabla, restliche schulterklopfrhetorik aus akutem versatzstückalarm gestrichen)
    das mit dem fachidiotentum kann ich aber nur unterstreichen. 90% meiner freunde studieren was anderes und ich lerne in den bibliotheken anderer fachbereiche, weil ich meine kommilitonen nicht ertragen kann, von denen wiederum 90% keine menschen außerhalb ihres fachbereichs kennen.

    @nath: soso, du bist kraft uni/geburt/formalem bildungsabschluß argumentationsbefreit?

    @marcus: dann unterhalte dich mal z.b. mit einem pharmazeuten oder einem juristen gegen ende des studiums. und ja dafür müsste man nicht nur, sondern muss man zweistellige stundenzahlen pro tag lernen, schön ist das freilich nicht.

  • 18. Marcus  |  3. Januar 2008 um 12:07

    @Leser: Dann machen die was falsch. ;-)

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