Die Sache mit den Falten

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Sie sah gut aus, aber sie passte dort nicht hin. Die junge Frau mit dem roten Kleid und der blauen Schürze, den ordentlich zurück gesteckten Haaren. Sie cremte sich jeden Morgen und Abend die Hände, das sah man. Und die Nägel ließ sie sich machen. An den Füßen trug sie Halbschuhe, ordentlich geschnürt, die Schleife immer ein bisschen zu akurat. Dazu weiße Socken. Sie sah gut aus, aber sie hatte keine Ahnung. Der Meinung war ich jedenfalls immer gewesen, wenn ich schnurstracks an ihrem Gemüsestand vorbei zu dem großen Holztisch marschierte, hinter dem er stand: der Alte.

Die Augen saßen tief in seinem Kopf und drumherum bildete sich ein Wall aus Knochen, die Hände waren immer in Bewegung, aber dazwischen, wenn die Finger mal zugreifen, umwälzen oder sortieren mussten, sah man ihnen die Arbeit an. Die Hände arbeiteten immer allein, mit den Augen behielt er den Rest des Standes im Auge, die Auberginen und die großen Töpfe mit dem weißen Kraut, die Paprika in den Kisten am Boden und die Krüge mit Kräutern neben der kleinen Kasse aus Metall. Und immer dann, wenn die ersten schon zusammen packten, die Planen von den Ständen zusammen falteten, wenn es im Winter schon dämmerte, stand er fast. Still nie, aber er ging langsam hinter seinem Tisch hin und her, befühlte die übrig gebliebene Ware, steckte die Hände in die großen Taschen der blauen Latzhose, zog sich manchmal die Mütze zurecht und lächelte, wenn es ein guter Tag war, in sich hinein. Er sah eben aus, als verstünde er etwas davon. Als sei es mehr geworden als ein Müssen. Er brüllte nie, er war einfach da.

Und noch immer haben Verkäufer bei mir einen Stein im Brett, wenn man ihnen ansieht, was sie damit zu tun haben, wenn man nicht erst mit ihnen reden oder diskutieren muss, um herauszubekommen, ob da jemand Ahnung hat von dem, was er tut. Und wenn man im Gesicht sehen kann, wie das Lächeln gewandert ist über die Jahre, dass es die schlechten Zeiten und die Unfälle gab, die Leidenschaften und steilen Abhänge, dass sich jemand hineingekniet hat ohne danach alles wieder glatt zu bügeln, dann imponiert mir das. Ich vertraue solchen Menschen immer noch mehr als diesen renovierten.

Liz hat es verfasst, und zwar am 5. März 2008 um genau 16:41 Uhr.
Kategorie : Blicke

2 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Herr Shhhh  |  11. März 2008 um 20:25

    “Ich vertraue solchen Menschen immer noch mehr als diesen renovierten.” - danke für den Satz. Potentieller Albumtitel!

  • 2. Liz  |  11. März 2008 um 20:35

    @Monsieur Shhh: Besten Dank. Sagen Sie Bescheid, wenn Sie die Scheibe aufnehmen. Ich will mitsingen. Sänk juh, dreiv sruh.

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