Die Sache mit dem Gegengewicht.

Die Sache ist ja die, dass ich oft hin und her gerissen bin. Das Schöne an der re:publica dieses Jahr war, dass es sich gelegt hat. Also mein Schwanken und das Kopfschütteln über manche Gepflogenheiten in diesen Internetkreisen. Das liegt zum Einen, glaube ich, daran, dass sich mein beruflicher Kontext verändert hat. Ich wohne nicht mehr in Berlin, ich habe plötzlich den ganzen Tag mit Menschen zu tun, denen das Internet noch nicht so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist wie meinem sonstigen Umfeld. In all diesen Veränderungen von Wohnort und Beruflichem in der letzten Zeit hab ich dann konzentriert in den letzten Tagen gemerkt, wie froh ich bin, dass es all diese Menschen gibt, die sich da treffen und rumspinnen und über Sachen reden, die man manchmal nur versteht, wenn man sich anstrengt, die sich auch manchmal verheddern in ihrem technischen Anspruch, in ihrem angestrengten Blick über die Schulter, der fragt, ob da nicht noch jemand steht, den man irgendwie kennt, von dem man weiß, wie er auf Twitter heißt oder sowas. Ich bin froh, dass es euch alle gibt, und dass ich mich manchmal wundern darf über euch und eure Macken, wichtiger ist, dass ich jetzt weiß, wofür. Wofür das gut ist, gut sein kann, gut sein muss. Das ist die Sache mit dem Gegengewicht. Und ich brauche das mehr denn je für meinen persönlichen Input, meine Inspiration und weil es immer wieder antreibt, wenn man sieht, was andere so hinkriegen, was andere machen ohne etwas dafür zu bekommen, einfach nur, weil sie es gut finden und verteidigen und können und wollen.

Ich bin immer noch dafür, dass man jemanden fragen sollte, bevor man ihm direkt ins Gesicht photographiert, und ich bin auch für Hallo und echte Namen. Aber ganz entschieden bin ich einverstanden, mit dem Ansatz dieser Veranstaltung und dass dort Elan und Motivation geballt durch die Gegend läuft, das sieht mitunter auch mal sehr lustig aus, aber das ist ja eigentlich umso besser. Ich möchte mich bedanken für das Klackergeräusch in meinem Kopf, das immer einsetzt, wenn sich innen drin etwas bewegt, und das hat diese Tage auch lauter und anstrengender gemacht, aber Geräusch zeugt ja grundsätzlich auch von Bewegung und Reibung und diese Dinge wiederum unterstütze ich entschieden.

Ich glaube, dass einer der wesentlichen Vorträge in diesem Jahr der Vortrag von Tessa war, und über den musste ich auch noch einmal im Umfeld meines Arbeitgebers schreiben, nicht weil ich den Auftrag hatte sondern weil es mir ein Anliegen war, in diesen Kreisen, in denen ich arbeite, diese Dinge zu sagen, das ist heutzutage und in dieser Branche nicht selbstverständlich, da wird man mitunter komisch angeschaut. Ich kann nicht jeden einzelnen Vortrag, den ich gesehen habe, auseinander pflücken, das haben andere schon viel besser gemacht als ich, und ich brauche auch noch Zeit, damit sich all das setzen und verteilen und umsortieren kann. Aber die Veranstaltung ist eine gute, wenn sie Peter Glaser an den Anfang setzt und Peter Glaser dann sagt: “Menschen interessieren sich nicht für Maschinen, Menschen interessieren sich für Menschen.

Das ist gut zu wissen, das wird mitunter vergessen. Und ja, ich weiß, das ist alles total pathetisch, aber mich überkommt das immer ein wenig später, dass ich mich bedanken will dafür, dass ihr mich so vollquatscht mit euren Projekten. Ich bin ganz hin und nicht mehr her gerissen.