Die Nachbarin
Sie muss ein schweres Leben haben, die Gute. Die Kleine mit den engen Leggins und den kunterbunten Print-T-Shirts. Die mit dem Hund, der immer die Krise kriegt, sobald jemand die Treppen hinaufkommt oder hinuntergeht. Die, die morgens um halb vier ziemlich blau und mit schiefer Stimme die Charts versucht zu singen. Alle Hits, alle Tonhöhen. Sie versucht es. Und wenn sie es nicht schafft, lästert sie mit dem Telefon über Bekannte.
Sie muss wirklich ein schweres Leben haben. Die,die neulich einen Setzling ihres Bananenbaumes rüberbrachte. Mit einem seligen Grinsen und Fahne. Sie topfe jetz um, das müsse doch mal sein. Und der Setzling brauche viel Licht, ich solle ihn erst einmal ins Wasser stellen. Danach hörte sie Unbreak My Heart in der Endlosschleife.

Sie hat eine Vorliebe für Skipistenhits und seltsame Männer. Ob das ihrer ist, der jedes Wochenende kommt oder nur irgendeiner weiß niemand so genau. Sie hat auch eine Vorliebe für Grillfleisch auf dem Balkon. Da stellt sie sich daneben mit ihren lustig bunten Motivhaargummis und winkt ihren Kumpels in der „Kohlengrube“ auf der anderen Seite der Straße.
Man hat es nicht leicht, wenn man sich nachts völlig besoffen aussperrt und einen die Nachbarn davon abhalten müssen, mit dem Hammer die Tür einzuschlagen. Aber wenigstens hat man einen Hund und morgen kommt die BamS.
Liz hat es verfasst, und zwar am 2. September 2006 um genau 12:30 Uhr.
Kategorie : Blicke
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