Die Frauen mit den weichen Händen

Meistens sieht man sie hinter Tresen schwarze Bohnen in braune Papiertüten füllen. Sie legen sich dann zwischendurch sachte mal den Finger an den Hals. Der hat da nichts zu suchen, der findet dort auch nichts, es ist auch ein bisschen Koketterie. Die, die bestellen, schauen einen ja meistens an. Verlegenheitsgesten passieren schon einmal, hier ein Finger, da eine Strähne und ein Atmen durch die Lippen. Sie können das gut, mit jedem Mal besser, den Schaum aufschlagen, dann lautlos die Prise Kakao darüber, während im Hintergrund sanfte Männerstimmen eine Gitarre zupfen. Meistens sind sie wirklich schön, die Frauen mit den Händen, die immer aussehen, als seien sie frisch eingecremt und eben erst aus Samthandschuhen geschlüpft. Ich bin auch meistens gut gelaunt, wenn ich diese Läden betrete. Duft macht schon eine Menge aus und dass da jemand allerhand Gebackenes so nett drapiert hat. Und wie das Licht fällt. Und wie die Frauen mit diesen Händen hinter dem Tresen lachen.
Meistens verbrenne ich mir den Mund und oft kommt der Gedanke wieder, wie es wäre, selbst dort zu stehen. Hinter einem Tresen in einem Laden mit orangefarbenen Licht. Wenn meine Hände diese Kniffe täten. Mit all den Tüten und Dosen, mit den Hebeln und Wassern. Und du selbst suchst dir die säuselnden Stimmen aus, die bis nach draußen reichen, wenn jemand die Tür einen Moment zu lang offengelassen hat. Stöbert Schnee genauso, wenn zwischen der Scheibe, die das Draußen zeigt, und dem eigenen Auge noch eine Theke steht, deren Inhalt man jeden Tag präzise anders legt?
Ich atme auf, als ich einfach gehen darf und nicht mehr fegen muss und die Aschenbecher ausleeren. Ich bin froh, dass ich mein Glas stehen lassen und die Tür einfach zumachen kann, ohne abschließen zu müssen und auf den Strom und das Licht zu achten. Und dass es noch nicht Routine ist, durch diese Tür an der Ecke zu gehen. Dass ich mich auf den Zimtzucker freuen kann und mein Blick nur dessen Farbe auffängt, sich dabei aber nicht fragt, ob nicht besser noch mal nachgefüllt werden sollte, bevor die ersten Gäste kommen. Dass ich diese Hände einfach nur anschauen kann und mich nicht immer fragen muss: „Wohin mit dem Finger?“, wenn die Türglocke schläft.
Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Januar 2006 um genau 1:36 Uhr.
Kategorie : Blicke
Kommentar hinterlassen
Trackback | RSS Feed | Abmelden