Die Frage nach dem ausgeprägten Eigengeschmack

Die Geschichte mit den Modeblogs scheint im letzten Jahr explodiert zu sein, zumindest was meine persönliche Wahrnehmung betrifft. Vornehmlich Mädchen und junge Frauen photographieren sich in den Outfits des Tages, erklären, was sie wo und manchmal auch für wieviel erstanden haben, geben Gesuche auf oder werfen Schnäppchentipps in die Welt, aber vor allen Dingen - und das erschreckt mich - sehen die meisten einfach gleich aus. Dünn, süß, nett und lieb, große Pullis, enge Hosen, Rüschen, Geflatter, Vintage meets Schweineteuerdesign samt Schnütchen und Hände an der Taille.

Keine trägt Turnschuhe an den Füßen oder Speck auf den Hüften, keine ist moppelig oder gar dick, keiner hängt die Hose unter dem Arsch oder mal der Pony quer, keine hat eine ausgefallene Haar- oder Klamottenfarbe, alles scheint im oberflächlichen Durchklicken dieselbe Soße zu sein. Nicht, dass mir diese Soße nicht schmecken würde, es schaut sich schon angenehm an, manchmal denkt man “Heiß” und manchmal “Scheiß”, dennoch ist das größte Problem in dieser ganzen Stylerei die Langeweile, die bei der Masse auftaucht. Wo sind die ganz Kleinen oder die ganz Großen, die Breiten oder Halbbreiten zumindest, wo sind die Typen, der Streetstyle der Realität und wo die Unterschiede? Wo sind die anderen, zum Beispiel die, die aufgrund von Geldmangel nicht jeden Tag shoppen gehen können und dennoch ein Interesse an Mode auch im eigenen Auftreten an den Tag legen? Und gibt es auch jemanden, der sich im simplen grauen Shirt und Jeans vor den Spiegel stellt und knippst? Also denjenigen, für den ein 0815-T-Shirt und eine 0815-Hose DAS Verständnis von Mode sind? Und was machen eigentlich die Männer?

Das täte mich dann doch relativ brennend interessieren.