Dem Kind einen Namen

Ja, in Großbritannien spricht man davon, eine Katastrophe verhindert zu haben. Niemand bestreitet das, allen stockt der Atem. Die Menschen nuckeln nun vor den Flughafenbeamten an den Fläschchen ihrer Kinder, um ihre Unschuld zu beweisen. Sie legen ihre Medikamente und Taschentücher in Plastiktüten, Musikhören ist jetzt im Flugzeug verboten. Es schreien ja eh alle, die Panikrufe hört man schon in Berlin. Und die, die während der Mittagspause davon sprachen, nach London fliegen zu wollen, rühren mit dem Löffel unsicher in der Suppe. Ein Seufzer geht durch die, die nach einem halben Jahr drüben vor drei Tagen zurückkamen. “Rechtzeitig”.

An den Flughäfen müssen nun alle warten, auf ihre Flüge. In den Redaktionen müssen alle warten, auf neue Details und Aussagen. Und im Libanon wartet man auch. Auf Spenden und Hilfe. Caritas International, DRK, Diakonie Katastrophenhilfe und Unicef beklagen die geringe Spendenbereitschaft für Flüchtlinge im Libanon. Jetzt schauen wieder alle in den Norden, dabei ist im Süden Krieg.

Vielleicht haben wir uns an die Bilder von Blutbädern gewöhnt. Jedenfalls an solche, die aus Gegenden kommen, die anders aussehen als Hamburg oder Bad Reichenhall, als Potsdam oder Würzburg. Sind aber plötzlich die Aktentaschen in Gefahr, die Business-Flieger und Cafés, da schauen wir, weil wir die Bedrohung nicht in Farbe sehen. Krisselig und unscharf ist das Bild des Feindes in dem Falle. Wird die Angst kleiner, wenn man den Gegner kennt? Oder liegt es an dem Virus-Charakter, der dem öffentlichkeitswirksamen Terrorismus zugeschrieben wird? Dass er sich leise verbreite, niemand kenne den nächsten Ort seines Ausbruchs. Er komme aus dem Hinterhalt und ohne Ankündigung. Dass er sich doch in gewissem Maße ankündigt, sieht man daran, dass es gelungen ist, einen Anschlag zu verhindern.

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten haben zwei Wochen gewartet, bis sie von einem Krieg sprachen. Sind denn die Angriffe im Libanon und in Israel weniger laut, nur weil wir glauben, sie seien halbwegs berechenbar?

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. August 2006 um genau 15:40 Uhr.
Kategorie : Blicke

1 Kommentar Kommentar hinzufügen

  • 1. Nam e  |  11. August 2006 um 14:33

    “Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten haben zwei Wochen gewartet, bis sie von einem Krieg sprachen. Sind denn die Angriffe im Libanon und in Israel weniger laut, nur weil wir glauben, sie seien halbwegs berechenbar?”

    Da muss Dir grundsätzlich widersprochen werden. Die öffentlich rechtlichen Anstalten haben nicht gewartet, weil diese Kämpfe weniger Relevanz haben, sondern weil es sich bei den Kämpfen in Isreal und dem Libanon schlichtweg nicht um einen Krieg handelt. Ein Krieg wird geführt, wenn mind, zwei Nationen gegeneinander kämpfenn. Dort aber kämpft Isreal gegen eine terroristische Vereinigung. Ein Krieg bedarf zudem einer Kriegserklärung, die dann allerdings gegen Syrien, den Libanon, … hätte ausgesprochen werden müssen von den Isrealis. Dies ist nicht passiert, da sie ja nicht gegen diese Staaten vorgehen. Und das allerwichtigste: jeder Krieg hat Regeln. Und wenn diese verletzt werden, hat man für die Schäden aufzukommen. Wenn Isreal Unschuldige Menschen, Häuser, Straßen, … zerstört, so müssen sie dafür aufkommen. Isreal hat jede Menge Unschuldige zerstört, aber aufkommen werden sie dafür nicht. Denn sie befinden sich ja nicht in einem Krieg und sind somit auch nicht dazu verpflichtet. Dies zu beurteilen, überlasse ich dir.

Kommentar hinterlassen

Bitte angeben!

Bitte angeben!

Trackback  |  RSS Feed  |  Abmelden


Kalendar

November 2008
M D M D F S S
« Okt    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Ältere Einträge