Das, was du am besten kannst.

Berlin ist voll davon – von Menschen, die Musik machen, und von Menschen, die man kennt. Treffen sich beide Merkmale, kann Musikhören mitunter zu einer ziemlich persönlichen und hin und wieder auch schmerzhaften Geschichte werden.
Denn steht da jemand auf der Bühne, mit dem du schon Nächte oder Urlaube verbracht, Gefühle geteilt, tiefsinnig und stundenlang diskutiert oder einfach nur unglaublich genügsam geschwiegen hast, ohne dass es sich scheiße angefühlt hat, dann hörst du doppelt so genau hin. Und plötzlich erkennt man sie zwischen den Zeilen – die Momente, die Geschichten, die Bilder, die Menschen. Plötzlich werden die Fäden wieder aufgenommen und zu einem neuen Pullover gestrickt, der sieht dann auch meistens ganz gut aus. Man guckt und staunt und befühlt das Ganze und bei näherem Hinsehen merkt man: „Huch, das kenn ich doch.“ Und lässt das gute Stück vielleicht aus Versehen sogar fallen, tritt einen Schritt zurück. Behält man es in den Händen, fasst man behutsamer zu, vielleicht darf man´s ja behalten, vielleicht. Und manchmal gibt man es einfach zurück und schaut und denkt, wie gut das doch aussieht und sich anhört dort auf der Bühne. Und dann grinst man in sich hinein und hat in dem Lied eine wahre Geschichte und ist glücklich, so zu sein. So wie neulich am Flughafen, als sich die Menschen in Massen vorbeischoben, mein Kreislauf mal wieder nicht im Stande war, richtig zu funktionieren, und ich dann diese paar Lieder hörte, die bei mir etwas anknipsen, einen Hebel umlegen, einen Knopf drücken. Da geht dann wieder alles. Und nur, weil es mehr ist als ein paar Zeilen mit Musik unterlegt.
Ich erschrecke aber ab und an, wie viele neu gestrickte Geschichten und Texte ich da so finde im Stöbern durch die Musik der letzten paar Jahre. Und denke mir Sachen hinein und fühle mit und muss nicht einmal fragen, wie das wohl sein muss für denjenigen, der das gehäkelt hat. Weiß ich doch selbst jedes Mal wieder, wann und wo und warum genau welches Lied entstanden ist und welche ich nie öffentlich singen werde, weil ich weiß, dass jemand dastehen könnte wie ich. Und sich darin erkennen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Mai 2007 um genau 8:06 Uhr.
Kategorie : Berlin, Ton
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